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ALRAUNE
Alraun oder Alraunwurzel,
von gotisch "runa" = Geheimnis: der puppenbalgähnliche fleischige
Wurzelstock der im klassischen Altertum als Zaubermittel und Amulett bebrauchten
Pflanze Mandragora; wurde vor 100 Jahren als Radix Mandragora noch in den Apotheken
geführt.
Die Alraune (Mandragora) kommt schon in den 1. Mos. 30,14 vor, wo es im Text der
Vilgata heißt: "Egressus autem Ruben tempore messis triticeae in agrum,
reperit mandragoras, quas matri Liae detulit", was Luther so übersetzte:
"Ruben ging aus zur Zeit der Weizenernte und fand Liebesäpfel auf dem
Felde und brachte sie heim zu seiner Mutter Lea."
Abgebildet ist die Alraune schon in der Handschrift des Kioskorides aus dem Anfang
des 6. Jahrhunderts (in der Hofbibliothek zu Wien).
Früher knüpfte sich sehr viel Aberglaube an die Alraune. Man gab ihr menschliche
(meist männliche) Gestalt und nannte sie Alraeunchen, Alruneken, Wichtel-,
Erd- oder Galgenmännchen. Diese wurden im deutschen Alterum als Hausgötter
betrachtet, an geheimen Orten in Kästchen gehütet, sorglich gepflegt,
z.B. prächtig gekleidet und sonnabends in Wasser oder Weingeist gebadet und
sollten dem verschwiegenen Besitzer Reichtum, Gesundheit und andere irdische Güter,
Glück bei Prozessen, usw. bringen; leisteten auch Orakeldienst. Die Scharlatane
des Mittelalters verkauften sie zu hohen Preisen. Der Glaube an die Wirksamkeit
der Alraune ist in manchen Gegenden noch nicht ganz verschwunden, zum anderen sind
fast alle heute gehandelten Alraunen von einer ganz anderen und in jeder Hinsicht
wertlosen Pflanze genommen.
MANDRAGORA
Männlich
Fleischige Pflanze aus dem Mittelmeerraum,
namentlich Tunesien; bereits die griechische Kultur war im Besitz von Mandragora
als Zauberpflanze, die schon beim orphischen Zug der Argonauten erwähnt wird.
Zur gleichen Pflanzengruppe (sog. Solanaceen oder Nachtschattengewächse) gehören
auch Tollkirsche, Bilsenkraut und Stechapfel. Mandragora wirkt erregend und auch
lähmend auf das Zentralnervensystem und erzeugt eigentümliche Erregungszustände
mit schweren Sinnestäuschungen. Die Betroffenen sind leicht eigener und fremder
Suggestion zugänglich, sie glauben z.B. mit Geistern oder Gespenstern zu verkehren,
oder meinen, daß sie in Tiere verwandelt seien. Es ist daher begreiflich,
dasz diese Droge frühzeitig als Rauschmittel benutzt worden ist; dadurch wurde
den Menschen teils die magische Welt erschlossen und die religiöse Handlung
mit einem geheimnisvollen Schimmer verklärt. Außerdem schnitzte man aus
der Wurzel in älteren Zeiten menschliche Figuren, welche Alraunen heißen
und im Rufe von Zauberkräften standen. Die Anwendung von Mandragora erfordert
große Vorsicht; 1 Gramm des Wurzelsaftes mit Honigwasser vermischt soll gut
auf Galle und Schleim wirken. Der Wurzelsaft ohne Vermischung betäubt stärker
als Opium. Zu beachten ist, daß allein schon der Geruch gefährlich werden
kann. Im Okkultismus wird Mandragora zuweilen für schwarzmagische Zwecke verwendet,
obgleich für magische Operationen Mandragora nicht gerade erforderlich ist,
da der eigentliche Wert der Pflanze sicher nur in der Überlieferung vorhanden
ist.
Weiblich
Okkultisten behaupten, daß allein schon das Sammeln
der Pflanze ein besonderes Ritual erfordert. Danach muß man möglichst
viel Erde vom Wurzelhals entfernen, eine Schleife aus dünner Schnur herumlegen
und das andere Ende der Schnur mit dem Schwanz eines Hundes verbinden; darauf soll
man mit dem Hund weglaufen, der dabei die Wurzel herausreißt, selbst aber
bald stirbt. In Apotheken wird Mandragora fast nur noch als homöopathische
Tinktur (mit Abgabebeschränkung) gehandelt.
Menschenförmige Wurzeln, Alraunen, werden als Talismane immer noch hoch bezahlt.
Alraune
(Mandragora spp.)
Es gibt mehrere Alraunenarten, die im östlichen Mittelmeerraum, dem Vorderen
Orient und im indischen Subkontinent vorkommen. Die Gestalt ist immer gleich. Eine
lange, oft antrhromorph erscheinende Wurzel, aus der die Blätter direkt herauswachsen.
Überall, wo die Alraune wächst, und auch über die Grenzen ihres Verbreitungsgebietes
hinaus, gilt sie als die Zauberwurzel. Es gibt vermutlich keine
Zauberpflanze, die sagenumwobener und begehrter ist als die Alraune.
Wurzelmännchen
Über ihre Geschichte als Zauber- und Heilpflanze,
Amulett und Talisman, Galgenmännlein und Pflanzengeist sind ganze Bibliotheken
geschrieben worden. Bei den alten Ägyptern galt die Alraune (Mandragora officinarum)
als Potenzmittel, Aphrodosiakum und Fruchtbarkeitsspender. Ein koptischer Name bedeutet
'Teufelshoden'. Die Alraune wurde oft dem Wein zugesetzt, um seine Wirkung aufzubessern.
Sie war auch den mesopotamischen Magiern als Zaubermittel bekannt. Die Alraune war
eine Pflanze der Götter, eine Nahrung der Satyrn und eine magische Wunderwaffe.
Im Altertum bildeten sich die berühmten Rituale zum Ausgraben der Wurzel durch
Rhizotome aus. Man glaubte, daß in der Wurzel ein Geist wohne, der den unvorsichtigen
Rhizotomen bei herausziehen der Wurzel töte. Darum wurden die Wurzeln meist
von Hunden aus der Erde, dem Reich der Hekate gezogen. Oft wurde die Erde um die
Wurzel herum mit Urin, Menstruationsblut oder Sperma geweiht. In Rumänien haben
sich bis ins 20. Jhdt. hinein sexualmagische Rituale zum Ausgraben der Wurzel erhalten.
Wer eine Alraunenwurzel besitzt, wird Liebe erwecken, Glück im Spiel und Geschäft
haben, fruchtbar (potent) und gesund bleiben, vor Schadenszauber und Gespenstern
geschützt sein, wahrsagen und prophezeien können und ewiges Leben erlangen.
Die Alraune war die wichtigste Zauberpflanze der Hebräer, später auch
der Araber und vieler asiatischer Völker. "Den Alraun lernten die Chinesen
spätestens im 13 Jhdt. von den Muslimen im Mittel- und Westasien kennen; die
chinesische Bezeichnung (ya-pu-hu) ist eine Umschreibung von yabruh.
Die klassische Gebrauchsanweisung
lautet: man grabe einen Gang in die Erde, bis man an die Wurzel kommt, diese lasse
man von Hunden herausbuddeln, die freilich danach durch den Gifthauch umkommen.
Man verstecke sie dann noch ein Jahr in der Erde, dann werde sie getrocknet, Schon
eine kleine Kostprobe mache den Menschen drei Tage gefühllos und wie tot."
(Eberhard 1983: 20)
Die Alraune erfreute sich großer beliebtheit bei der Zubereitung von Liebestränken
und Hexensalben.
Viele berühmte Zauberpflanzen des Altertums wurden mit der Alraune in Verbindung
gebracht oder als Alraune gedeutet: Ginseng, Haoma, Jangida, Laksmana, Moly, Soma,
Tollkirsche, Tollkraut. Da die Alraune selten war, nur unter großen Gefahren
zu sammeln und sehr teuer war, wurde die Wurzel oft gefälscht oder durch andere
Pflanzen ersetzt: Allermansharnisch, Ginseng, Ingwer, Mandrake, Orchideen, Schöllkraut
(Chelidonium majus, vgl. Mitrovic
1907: 233) und die Zaunrübe (Bryonia spp.; vgl. Dahl 1085).
Pharmakologie:
Alle Alraunen-Arten enthalten bis
zu 0,4% Alkaloide (Scopolamin, Atropin, Apotropin, Hyoscyamin, Hyoscin, Cuskhydrin,
Solandrin, Mandragorin und weitere Tropan-Alkaloide. Diese Inhaltsstoffe wirken
sehr stark psychoaktiv, führen zu hypnotischen Zuständen, können
aber auch Raserei auslösen und zum Tod durch Atemlähmung führen.
Über die aphrodisierende Wirkung liegen nur widersprüchliche Berichte
vor.
Literatur:
Berry & Jackson 1976, Eliade
1942 und 1982, Jackson & Berry 1979, Khlopin 1980,
Kreuter 1982, Marzell 1927, Mehra
1979, Mueller-Ebeling 1987, Rahner 1957,
Schlosser 1986, Schmidbauer 1968
und 1984, Starck 1986, Tercinet 1950, Thompson 1968.
Kompiliert aus verschiedenen Quellen
durch GardenStone
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