DIE GRUNDSTRUKTUREN DES MAGISCHEN RITUAL


Fra.: Apfelmann


Wenn wir die Geschichte der westlichen Zeremonialmagie betrachten, fällt auf, dass sich darin zwei Hauptströmungen parallel zueinander entwickelt haben, zwar ohne sich gegenseitig auszuschließen, aber auch ohne sich gegenseitig in nennenswertem Umfang zu befruchten. Wir meinen damit die "zyklische" oder "kreisförmige" und die "winklige" oder "eckige" Ritualform.


Fürs erste soll hier die Kreisstruktur im Vordergrund stehen, da sie sich vor allem dem Anfänger leichter erschließt als die
winklige und zudem auch in Alleinregie müheloser zu handhaben ist.


Die Winkelstruktur dagegen setzt ein hohes Maß symbolkundlichen Grundwissens voraus und eignet sich fast nur für die Arbeit in Gruppen von mindestens drei Personen. Auch hier bestätigen Ausnahmen natürlich die Regel, doch als groben Überblick kann man diese Feststellung durchaus gelten lassen. Zudem findet sich die Winkelstruktur typischerweise vornehmlich in dogmatischen und rein mystischen Systemen.


Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei gesagt, daá die
Bezeichnung "Kreisstruktur" sich nicht alleine darauf bezieht, daá mit einem magischen Kreis gearbeitet wird, sondern vielmehr auch den Ablauf selbst meint. Dieser soll hier zunächst Gegenstand unserer Betrachtung sein. Die nun folgende Schilderung der Ritualstruktur gibt einen Sachverhalt wieder, der sich zwar in den allermeisten Ritualen dieser Art findet, den sich die Praktikanten und Autoren aber nur selten bewußt machen. Es ist jedoch hilfreich, wenn man diese Grundstruktur verstanden hat, weil man dadurch symbol-logische Fehler oder Widersprüch bei der Entwicklung eigener Rituale vermeidet.



Ein typisches Ritual der Kreistradition ist folgendermaßen
aufgebaut:


1. VORBEREITUNG DES RITUALS


2. EROEFFNENDE BANNUNG/REINIGUNG


3. HAUPTTEIL


4. ABSCHLIEáENDE BANNUNG/REINIGUNG u. ENTLASSUNGSFORMEL


5. NACHBEREITUNG DES RITUALS



Die Punkte im einzelnen:


1. Die Vorbereitung des Rituals


Zur Vorbereitung gehören die Bestimmung der Zielsetzung, die Auswahl der Utensilien, die Terminierung der Operation, das Festlegen des Ritualablaufs, bei Gruppenritualen die Aufgabenverteilung - soweie natürlich auch das
innere Sicheinstellen auf das Ritual und seinen Zweck. Häufig gehen Perioden des Fastens, des Schlafentzugs, des ekstatischen Tanzens oder andere, die rituelle Gnosis fördernde Praktiken dem eigentlichen Ritual voraus, ebenso Waschungen und bestimmte Formen der Reinigung. Auch das Anlegen von Ritualkleidung, das Entzünden des Weihrauchs und andere für das Ritual erforderliche Maánahmen sind Bestandteil der Vorbereitung.


Häufig stellt die Ritualplanung auf der feinenergetischen Ebene bereits eine Art Durchführung des Rituals selbst dar: Wenn man dann endlich anfängt, merkt man, daá eigentlich schon alles erledigt ist! Dennoch sollte man das Ritual auch dann noch durchführen, und sei es nur als symbolische Krönung und Danksagung. Immerhin zeigt dieses Phänomen aber auch, daá mit einer gründlichen Vorbereitung schon die halbe Arbeit erledigt wurde.


2. Die eröffnende Bannung/Reinigung


Hier sind das "Kleine Bannende Pentagramm-Ritual" und das "Gnostische Bannungs Ritual" die wohl bekanntesten Bannungs- und Reinigungsformen. Nähere Beschreibungen hierzu sind sicher in der
ChaosBox und in der Dateiliste des Boudicca's Bard zu finden.



3. Der Hauptteil


Im Hauptteil finden spezielle magische Operationen statt. Dazu gehören beispielsweise das Rufen von Energien, ihre Polarisierung, Lenkung und "Verwertung", ebenso aber auch ganz schlicht ihre Erfahrung. Invokationen, Ladung von Talismanen und Amuletten, mystische Erlebnisse, Evokationen, Fernbeeinflussungen - die Liste der Möglichkeiten ließe sich beliebig fortsetzen, und wir wollen erst später detaillieter darauf eingehen. In der Regel gehört auch eine Meditation zur Arbeit im Hauptteil des Rituals, gegenenenfalls auch - speziell bei festlichen Ritualen in der Gruppe, etwa zu Ehren von Pan, der Mondgöttin oder anderer Energien - ein lockerer Teil, bei dem beispielsweise Opfergaben verzehrt werden, gelacht und geplaudert wird, usw.


4. Die abschließende Bannung/Reinigung u. Entlassungsformel


Mit der abschließenden Bannung/Reinigung und der Entlassungsformel wird unter anderem der Wiedereintritt ins Alltagsbewußtsein symbolisch signalisiert.


5. Die Nachbereitung des Rituals


Die sorgfältige Nachbereitung ist sicherlich ebenso wichtig wie das ganze Ritual selbst. Dazu gehört nicht nur die Eintragung ins Magische Tagebuch, auch die anschließende Erfolgskontrolle und Auswertung des Rituals (ebenso die Ritualkritik!) müssen dazugezählt werden.


Kreisrituale verlaufen stets mehr oder weniger symmetrisch: Beginnt man beispielsweise mit einem Gnostischen Bannungsritual zur Bannung und Reinigung, so wird man auch mit diesem enden; wird der "Schleier der Mysterien" durch eine symbolische Geste geöffnet, so wird er zum Schluß auch wieder geschlossen, usw. Die zyklische Symmetrie ist einer der wichtigsten Bestandteile dieser Ritualform und sollte stets beachtet werden. Verstößt man unbeabsichtigt dagegen, stellt dies oft den Erfolg der gesamten Operation in Frage, da es, bildlich gesprochen, dem Versuch gleichkommt, einen eckigen Klotz in eine runde Öffnung zu treiben - so etwas nimmt das magische Unbewußte nur selten gnädig auf. Bestenfalls geschieht überhaupt nichts (oder zumindest nichts Wahrnehmbares), schlimmstenfalls bekommt man es mit einem magischen Rohrkrepierer zu tun, bei dem die aktivierten Energien sich gegen den Magier selbst wenden.



RITUALPLAN


für ...................-Ritual


1. Tempel-/Ritualplatzaufbau:


2. Zubehör:


a, Beleuchtung:


b, Weitere Korrenspondenzen:
Metall:
Farben:
Edelsteine:
Duftstoffe:
Pflanzen / Räuchermittel:
Sonstiges:


3. Ritualablauf:

1, Vorbereitung:
2, Bannungsritual:
3, Invozierendes Hexagrammritual:
4, Anrufung der Energie:
5, Konzentration der Energie:
6, Arbeit mit der Energie:
7, Danksagung und Verabschiedung:
8, Bannungsritual:
9, Entlassungsformel:


Anrufungstext:



RITUALPLAN für Merkur-Ritual


1. Tempel-/Ritualplatzaufbau:
- Altar in der Mitte d. Tempels
- Vorraum für Disput

2. Zubehör:
a, Beleuchtung/Kerzen: 8 gelbe Kerzen / Punktstrahler
b, weitere Korrespondenzen:
Metall: Messingplatte, achteckig
Farben: orange, gelb - Schleier, Stirnband
Edelsteine: Opal
Duftstoffe: Äther
c, Pflanzen/Räuchermittel:
Mastix & Salbei
d, Sonstiges:
Fisch, Weáswein, Schieábaumwolle,
Flügelsandalen, Wörterbuch, Rap-Musik


3. Ritualablauf:

1, Vorbereitung:
Med. über Intellekt/Sprache, Lösung v. Mathematikaufgaben/Denkpuzzles, philosoph. Disput
2, Bannungsritual: wie üblich
3, Invorzierendes Hexagrammritual:
A. ELOHIM B. TZABAOTH
4, Anrufung: s.u.
5, Konzentration der Energie: Meditation,
Mantras
6, Arbei mit der Energie: Talismanladung, Tarotbefragung, Verzehr der Opfergaben
7, Danksagung und Verabschiedung: wie üblich
8, Bannungsritual: wie üblich
9, Entlassungsformel: wie üblich

Anrufungstext:
HYMNE AN MERKUR
Hoher Geist des Intellekts,
spielerischer Narr der Diebe:
gibst uns Wissen um das Wissen,
flinkes Spiel des Worts und Denkens.
Wirst gerufen schon seit Zeiten
von den Ahnen unser Zunft:
Denker, Magier und Gauckler
heischen stets nach Deiner Gunst.
Gibst uns spottend deine Gaben,
schnell gewonnen, schnell verloren:
glänzend scheint Mercurius,
scheint und blitzt nur kurz im Auge,
bricht das starre Denken auf.
Gib mir, ach, Ideen zum Leben,
mach mich reich in Deinem Wissen,
lehr mich Suchen, lehr mich Streben -
zeig die Fugen in den Rissen !

(danach 8 Glockenschläge)


Erlauterungen zum Ritualplan-Beispiel


Anhand dieses Beispiels wollen wir stellvertretend für alle Rituale dieser Art einmal durchgehen, worauf es bei der Gestaltung einer magischen Zeremonie ankommt. Betrachte den Ritualplan bitte nur als Vorschlag, eben als Beispiel - es soll niemand hindern, alles nach den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen umzugestalten!


Zu Punkt 1.:
Tempel-/Ritualplatzaufbau
Bei den meisten Planetenritualen ist der Aufbau des Tempels oder des Ritualplatzes derselbe. Doch bei manchen Operationen ist eine Veränderung erforderlich, beispielsweise bei traditionellen Dämonenevokationen, die nach einem Dreieck außerhalb des Kreises verlangen. Auch Gruppenarbeiten erfordern eine gewisse Vorbereitung des Raumes, denn schließlich sollen sich alle teilnehmende Magier nicht gegenseitig auf die Füsse treten. Rituale in der winkligen Tradition verlangen gelegentlich sogar nach einer richtig ausgefeilten Choreographie, nicht selten muß dabei ein Tempelbeamter den Teilnehmern ihre Plätze zuweisen usw. Auch bei der Arbeit allein sollte man darauf achten, daß alles an seinem Platz ist, denn eine zeitraubende Suche nach einem benötigten Gegenstand - zudem in magischer Trance! - stört den Ablauf empfindlich.


Zu Punkt 2.:
Zubehör
Hier braucht nur das für das Ritual spezifische "Sonderzubehör" aufgeführt zu werden, also nicht etwa auch die üblichen Paraphernalia wie Robe, Dolch, Gürtel usw. Vergeßliche Magier sollten allerdings auf jeden Fall daran denken, daß sie Schreibzeug auf einem Beistelltisch bereithalten, denn oft erhält man in der Ritualtrance wichtige Informationen, die man sofort festhalten sollte - man kann dies mit Traumarbeit vergleichen, bei der die sofortige Aufzeichnung ebenfalls eine Garantie für das Weiterkommen darstellt. Die Auswahl des ritualspezifischen Zubehörs richtet sich nach den persönlichen Korrespondenzen des Magiers. (Deshalb sei hier noch einmal
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Ritualplan nur ein Beispiel sein will und kann!) Oft wird dabei der Faktor "Beleuchtung" vergessen, obwohl sich dieser (besonders in Form von farbigen Kerzen oder Lampen) zur Herstellung einer korrespondenzorientierten Atmosphäre geradezu anbietet. Es gibt zwar einige Autoren, die jedes elektrische Licht im Tempel ablehnen, doch lassen sich auch zahlreiche Gegenbeispiele aufführen - auf jeden Fall bietet die moderne Beleuchtungstechnik dem aufgeschlossenen Magier eine Menge Möglichkeiten, um mit ihrer Hilfe korrespondenz- entsprechende Farbeffekte herzustellen, nach denen sich unsere Ahnen sicherlich alle zehn Finger geleckt hätten - ein ganzer Tempel in orangefarbenes (Merkur) oder grünes Licht (Venus) getaucht, ist als theatralisches Stimulanz gewiá nicht zu verachten. Der Zahl der weiteren Korrespondenzen sind bei der Tempelausstattung natürlich keine Grenzen gesetzt, und so wollen wir hier nur auf einige übliche Beispiele eingehen, zumal diese den Umgang mit den magischen Analogien der Tradition veranschaulichen. Zunächst einmal finden wir unter 2.b eine achteckige Messingplatte eingetragen - hier liegt also eine Verbindung der Korrespondenzen "8" und "Messing" vor, und eine solche Verschmelzung ist relativ typisch für das praktische magische Denken. (Ebenso könnte man beispielsweise bei einer Marsarbeit einen fünfeckigen Eisenring mit eingefaástem Rubin verwenden, auf den mit Blut Symbole aufgetragen wurden usw.) Die verwendeten Korrespondenzen sind nicht einmalig, d.h. sie können durchaus mehrfach auftreten. Wir könnten also beispielsweise eine zusätzliche achteckige Messingplatte an einem gelben oder orangefarbenen Stirnband befestigen, den Gürtel mit acht orangefarbenen achteckigen Lederstücken verzieren und in die (Messing-)Schnalle einen Achat einlassen usw. Dies mag manchem zwar als ziemlich aufwendig, ja theatralisch und geschmacklos erscheinen, doch sollten wir uns bei solchen Überlegungen auch immer daran erinnern, dass das Unbewußte in seiner "kindlichen" Art auf ein Uebermaß an Reizen sehr dankbar reagiert. Denn in der Magie ist bekanntlich nichts so wirksam wie der Exzess! Oder wie es der Volksmund ausdrückt: "Viel hilft viel". Insofern kann man es mit den Korrespondenzen garnicht übertreiben, und intellektuell- ästhetische Erwägungen müssen in den Hintergrund treten. Vieles am Magischen mag dem ästhetischen sensiblen Laien ohnehin recht geschmacklos vorkommen, doch geht es dabei - wie in jedem Handwerk auch - in erster Linie um die Funktionalität. Wird es jedoch konsequent genug betrieben, entwickelt es schon von allein eine eigengesetzliche, spezifische Ästhetik, in die der Betrachter ebenso hineinwachsen muß wie beispielsweise in die Ästhetik des Futurismus oder des Kubismus.


Zwischen Duftstoffen und Räuchermitteln gibt es häufig Überschneidungen, da das eine oft die Stelle des anderen einnimmt. Im allgemeinen können wir in der Zeremonialmagie allerdings zwischen Duftstoffen unterscheiden, die als Parfüm oder Öl dienen, und solchen, die zur Räucherung verwendet werden. Ihre Verwendungsart ergibt sich häufig aus der Praxis selbst: Wenn gleich Rosen in frischem Zustand recht lieblich duften können und durchaus an Venus erinnern, entwickeln getrocknete (aber auch frische) Rosenblätter beim Räuchern dagegen einen geradezu pestilenzialischen Gestank, der die Assoziation "Venus" und "Lieblichkeit" selbst beim erfahrendsten Magier ziemlich erschweren dürfte. Und nicht jedes Öl, das auf der Haut gut riecht, tut dies auch beim Verdampfen oder Verbrennen. Und es empfiehlt sich auch nicht, um auf unser Beispiel zurückzukehren, hochexplosiven Äther räuchern zu wollen - dagegen wird er, in geringen Dosen gerochen (jedoch möglichst nicht bis zum Rausch!) durchaus etwas von der Beschwingtheit des Merkur vermitteln (aber Vorsicht mit offenem Feuer - Äther entflammt sehr schnell - also nicht offen herumstehen lassen!), während Salbeiöl auf der Haut mit Sicherheit keine intellektuelle Anregung (außer vielleicht dem Nachdenken über den bisweilen doch ziemlich exotischen Charakter der Magie...) bescheren, sondern eher an Krankenzimmer erinnern dürfte, während das Kraut in getrocknetem Zustand durchaus reinigend-klärend wirken kann usw.


Wir haben die sogenannten Sakramente unter der Rubrik "Sonstiges" zusammengefaßt, da nicht jedes Ritual mit Opferungen arbeitet. Generell gesprochen gibt es in der Magie - wie übrigens auch in der Religion - zwei "Opferschulen": Die Anhänger der einen pflegen die Opfergaben nach dem Ritus zu vernichten (was in Form von Verbrennen, Vergraben usw. geschehen kann), die Anhänger der anderen nehmen die Opfergaben zu sich. Letztere Schule, der ich persönlich auch angehöre, läßt sich wieder in zwei Gruppen unterteilen: a) Magier/Mystiker, die die
Opfergabe erhöhen (z.B. im Christentum, wo aus Brot der Leib der Gottheit wird) und b) Magier/Mystiker, die sich selbst zur Gottheit erhöhen, der die Opfergaben zustehen und die diese deshalb auch verzehren. Der Weg b) scheint mir im Rahmen der Invokationsmagie der logischere zu sein, doch soll damit nicht ausgesagt werden, daá für die anderen Richtungen nichts spräche. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Glaubens- und/oder Temperamentfrage, die jeder für sich selbst beantworten muß. Die theophagische (vom griechischen theos - "Gott" und phagein - "essen,fressen") oder kannibalistische ("Gott ist Mensch geworden", "Dies ist mein Leib") Richtung hat unter magischen Gesichtspunkten immerhin den Vorteil, in ihrem Paradigma die Kraftaufnahme von auáen ("Geist Gottes", "Gnade des Höchsten" usw.) zu verankern, was schon psychologisch einen nicht zu unterschätzenden Wert hat.


Die
Flügelsandalen (, die sich jeder Magier wohl selbst anfertigen muß,) entsprechen natürlich der herkömmlichen Gestalt des Merkus-Hermes in seiner Funktion als Götterbote. Auch die Zuordnung Fisch (u.a. wegen der Schnelligkeit und Beweglichkeit dieser Wassertiere) und Weisswein (u.a. wegen der Klarheit und beschwingenden Wirkung dieses Getränks) ist traditionell. Das Wörterbuch als Korrespondenz ergibt sich ganz logisch aus der Funktion des Merkur als Kommunikator (entsprechend dem altägyptischen Thot, dem Erfinder der Schrift). Weniger orthodox mögen dagegen auf den ersten Blick Zuordnungen wie Schießbaumwolle und Rap-Musik erscheinen, doch handelt es sich dabei tatsächlich nur um Erweiterungen der Tradition in die Moderne: Schießbaumwolle sieht völlig harmlos aus, ja sie läßt sich sogar weitgehend wie ganz gewöhnliche Baumwolle bzw. Watte verwenden - erst durch die Berührung mit Feuer wird ihr wahres, durchaus nicht ungefährliches Wesen offenbar: Gibt es eine schönere Analogie für Merkur, der ja immerhin auch der Gott der Diebe und Gauner, der Trickbetrüger und Gauckler ist? Die Rap-"Musik" dagegen lebt vom gesprochenen Wort, Text und Sprache stehen einerseits im Vordergrund, andererseits gehen Wortbedeutungen und -sinn auch eine pfiffige Symbiose mit ihrem rhythmischen Gebrauch ein - dies speigelt das Bild des Merkur mit Sprache, Wahrheit und Witz wider.


Ein wesentlicher Bestandteil des magischen Umgangs mit Korrespondenzen ist ihre Umsetzung in
praktisches Tun. Es hat sich gezeigt, daá dies besonders wirkungsvoll bei der Vorbereitung einer magischen Operation berücksichtigt werden kann. Zu Anfang mag es etwas gekünstelt wirken, wenn man unmittelbar vor dem Ritual gewissermaßen auf Befehl einen philosophischen Disput (noch dazu womöglich mit sich selbst) vom Zaun brechen soll, doch wird sich schon sehr bald zeigen, dass es gerade solche Aktionen sind, die den Erfolg der Arbeit fördern oder sogar garantieren. Einfallsreichtum ist dabei nicht nur erwünscht, er ist sogar integraler Bestandteil der Magie selbst, denn durch die konsequente Umsetzung der Korrespondenzen in Alltagshandlungen und -wahrnehmungen erwachen diese zum Leben und geben dem Magier etwas von ihrer ihnen innewohnenden Kraft und Energie ab.


In die Rubriken 2 und 3 lassen sich vor allem zu Anfang kleine Merkhilfen eintragen, also etwa, wie in unserem Beispiel, die hebräischen Ritualformeln (die Formel "Ararita" haben wir hier als bekannt vorausgesetzt, da diese bei allen Hexagrammen verwendet wird). Ebenso könnten aber auch die Zugrichtungen von Penta- oder Hexagrammen in Form von kleinen Skizzen vermerkt werden usw.


Für die Gruppenarbeit ist es wichtig, daá jeder im voraus seine ihm zugewiesene Rolle kennt, das wird dann entsprechend im Ritualplan vermerkt (z.B. würde dann unter 2 stehen "Frater X", unter 3 "Sorror Y" usw.).


Wie unser Ritualplan zeigt, muß eine Hymne, also ein Anrufungstext, nicht unbedingt ganze Seiten füllen. Doch solltet Ihr Euch von Anfang an daran gewöhnen,

DEINE HYMNEN MÖGLICHST SELBST ZU SCHREIBEN !

Das mag manchen sprachlich nicht sonderlich firmen Magier zunächst in wahre Höllenqualen stoßen, doch ist das eigentlich gar nicht nötig. Denn erstens müssen Hymnen nicht irgendwelchen literaturkritischen Normen entsprechen, Ihr braucht damit ja nicht gleich einen Literaturnobelpreis anzustreben. Und zweitens können Hymnen noch viel schlichter sein als die obige, oft genügt ein inbrünstiges Wiederholen des Planetennamens mit einem "Komm, komm!", um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Aus diesem Beispiel erseht Ihr, dass unsere Hymne selbst wiederum Träger für allerlei Korrespondenzen ist ("Geist des Intellekts", "spielerischer Narr der Diebe" usw.). Wenn ihr Schwierigkeiten mit der sprachlichen Formulierung von Hymnen haben solltet, so haltet den Text kurz und knapp und sorgt statt dessen für eine um so umfangreichere Ausstattung des Tempels mit Korrespondenzen..


Allerdings solltet Ihr Euch auch klar machen, welche Funktion eine Hymne im Ritual hat: Sie ist gewissermaßen der "Telefonanruf", mit dem der endgültige Kontakt mit der gewünschten Energie hergestellt wird. (Man spricht ja aus gutem Grund von "
Anrufungstexten".) Psychologisch gesehen wird das Unbewußte durch eine Merkur-Anrufung darauf hingewiesen, daß es nun Merkur-Energien aktivieren soll. Deshalb sollten wir zumindest in den ersten Jahren der Praxis nicht auf solche Texte verzichten, stellen sie doch zudem eine Artikulation unseres Willens (also Willenssätze) dar. Später werdet Ihr die verwendeten Korrespondenzen reduzieren können.


Durch den häufigen Gebrauch von Korrespondenzen wird das Unbewußte zudem regelrecht konditioniert, bis Ihr schließlich mit Styrax-Duft oder der Farbe Orange schon ganz automatisch "Merkur" assoziiert. Habt Ihr dies erreicht, werdet Ihr in Zukunft nur noch wenige Korrespondenzen benötigen, um die gewünschte Energie wachzurufen.


Auf jeden Fall solltet Ihr Euch im Rahmen Eurer Beschäftigung mit der Planetenmagie auch mit Mythologie auseinandersetzen, da es natürlich große Schwierigkeiten bereiten kann, eine Planetengottheit zu rufen, von der man so gut wie nichts weiß. Auch dies gehört zur magischen Konditionierung.


Sei Narr !


Fra:. Apfelmann


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