Die Germanischen Stämme


Auch die Germanischen Stammesnamen geben der Wissenschaft noch heute Rätsel auf, da eine Vielzahl von anderen Kulturen, mit schriftlicher Geschichte, meist von den Römern, überliefert sind, die Stämme selbst sich jedoch zu diesen ihnen gegebenen Namen kaum geäußert haben.
Die Dreiteilung der "Mannus"- Stämme des Tacitus in Istwäonen, Ingwäonen und Herminonen und verschiedene "alter Gruppen", wie die Sueben und Wandilier Ende des 1.Jh. n.Chr. sind wohl die ersten historisch halbwegs zutreffenden Namen. Diese passen in das sprachhistorische Schema, das die zwei Hauptgruppen, die Nord- und Südgermanen des 2.Jh. v.Chr., ab der Zeitwende auf drei aufstockt: aus Schweden abgewanderte Nordgermanische Stämme bilden eine neue, Ostgermanische Gruppe, die Südgermanen werden in Westgermanen umbenannt. Die Stämmenamen unter dieser Aufteilung und die dazugehörigen "Völker" wechseln im Lauf der Geschichte, manche sind Namen von Kultgemeinschaften mehrerer Stämme, die später als eigener Stamm auftauchen und umgekehrt. Das zeigt nochmals, daá wir es nicht mit "Volk", sondern mit Kultur zu tun haben.


Nordgermanen

Die Nordgermanischen Sippen hielten es am längsten an einem Ort aus und mußten deshalb nicht zu eigenständigen Stämmen auswachsen. Erst die Trennung in Norweger, Schweden und Dänen im 8.Jh. n.Chr. und die spätere Unabhängigkeit Islands teilte den Altnordischen Kulturraum. Diese Teilung ist jedoch bis heute nicht tief, die Skandinavier verstehen sich nicht nur sprachlich noch heute untereinander sehr gut.


Ostgermanen

Unter die Wandilier des Tacitus rechnet man heute die aus Schweden ausgewanderten Goten und Gepiden, die eine Wandergemeinschaft gebildet hatten, ebenso wie die Burgunder und Rugier, die Wandalen, Ambronen, Hasdingen und Warnen, aber auch die Kimbern, die allerdings so der wissenschaftlichen Datierung widersprechen.


Westgermanen

Hier findet wieder eine Teilung statt, in die Weser- Rheingermanen, diese sind die Mannus- Stämme des Tacitus, wobei letztlich neben kleinen Rheinstämmen nur die Chatten, Bataver, Canninefaten und Franken namentlich überliefert sind, die Nordseegermanen, die sich aus Cheruskern, Angeln, Sachsen, Chauken und Friesen zusammensetzen, und den Elbgermanen, den Sueben des Tacitus. Diese gliederten sich in Semnonen, Sweben, Markomannen, Quaden, Alamannen, Juthungen, Hermunduren, Thüringer, Baiern und Langobarden.
Aus den Dialekten der Baiern, Thüringer, Alamannen und Franken entstand letztendlich die Hochdeutsche Sprache, aus dem Sächsischen das Niederdeutsche. "Deutsch" stellt sich somit wieder als Mischkultur heraus, und rechnet man Keltische, frühe Römische, Hunnische, Slawische, Türkische und Semitische Einflüsse hinzu, die den Stämmen in unterschiedlicher Verteilung und Stärke zugekommen sind, ist Deutsche Kultur schon im 8.Jh. n.Chr. multikulturell.
Erst die christlichen Dogmen sorgten für eine konservativere Haltung, die letztlich in schiere Angst Fremdem gegenüber gipfelte. Die Stärke der Germanischen Kultur, sich furchtlos anderen Kulturen gegenüber zu stellen und so brauchbare Elemente zur eigenen hinzuzufügen, war den "Deutschen", aber nicht nur ihnen, genommen. Der Verlust dieser Stärke, die es Germanischen Stämmen ermöglichte, sich in ganz Europa wohl zu fühlen, die Wikinger kamen gar bis Amerika, wirkt sich bis in unsere Generation aus, in der er psychopatische Reaktionen auslöst und Konfliktstoff liefert, und die zu zwei Weltkriegen während nur eines Jahrhunderts geführt haben.

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