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Germanische
Überlieferung
Überlieferung fand hauptsächlich mündlich statt und war zunächst
die Pflicht der Priester. Mit wachsenden Aufgaben spezialisierten diese später
ihre Ausbildung, und es entstand der "Beruf" des Sängers oder Skalden.
Diese erfuhren die priesterliche Grundausbildung und setzten ihren Schwerpunkt danach
auf die charakteristischen, in Langzeilen erstellten Lieder, in denen sie die Geschichte
der Sippen und Stämme festhielten. Wenige sind jemals niedergeschrieben worden,
erst Snorri Sturluson sammelte Anfang des 13. Jh. in der "Edda" in diesen
Versen abgefaßte Lieder mythologischen und geschichtlichen Inhalts in Altnordischer
Sprache.
Die "Merseburger Zaubersprüche" gehören zu den wenigen allerdings
auch schon Althochdeutschen Überlieferungen in Skaldenform, ebenso wie das
Hildebrandslied. Inhalte Germanischen Ursprungs tauchen verfremdet in der mittelalterlichen
Literatur, speziell im Nibelungenlied, auf, haben aber schon die Germanische Form
verloren.
Germanische Form mit nichtgermanischem, d.h. meist christlichem Inhalt zeigen die
in den Sprachen der letzten zum Christentum geschlagenen Stämme geschriebenen
Texte, der Altsächsische "Heliand" z.B., auch Angelsächsische
Bibelepen. Das älteste Germanische Sprachzeugnis liegt in der Bibel des Goten
Wulfila aus der Mitte des 5. Jh. vor, dieses jedoch in Prosaform. Diese Texte liegen
allerdings nur in Römischer Schrift vor, außer der Gotenbibel, für
die Wulfila eine eigene Schrift entwickelte, eine Mischung aus der Griechischen
und den Runen. Die Runen waren niemals eine profane Schrift, daran hielt sich sogar
Wulfila, und so liegen in der eigentlichen, einzigen Germanischen Schrift nur Zeugnisse
vor, für deren Zweck die Runen standen: Formeln und magische Zeichen auf Waffen
und anderem Gerät, Grabsteininschriften zum Schutz des Toten bzw. dessen Angehörigen
u.ä..
Trotzdem die Runen niemals literarisch genutzt wurden hielten sie sich, länger
als fast jede andere Schrift auf der Welt, weitestgehend unverändert über
ein Jahrtausend, rechnet man die Nutzung im Untergrund dazu, sind es über zwei
Jahrtausende. Sucht man also authentisches Material der schriftlichen Überlieferung
wird man sich mit den relativ jungen Texten der Edda und der Isländischen Sagas
begnügen müssen, um etwas über die Germanische Mythologie und Geschichte
zu erfahren.
Germanische Kultur
Die Germanische Kultur war bestimmt von einer strengen Trennung von allgemeiner
Religion und dem Glauben des Einzelnen, überhaupt von der höheren Stellung
des Individuellen gegenüber der Außenwelt und der "Masse".
Dies scheint dem bekannten "Gefolgschaftsprinzip" zu widersprechen. Daß
es das nicht tut, bzw. daß die Gefolgschaft später zunächst mißverstanden
wurde und dann sogar miábraucht, wird weiter unten erläutert.
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