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Aufbau der Germanischen
Gesellschaft
Die Germanische Gesellschaftsstruktur entspricht weitestgehend der Indoeuropäischen
Vorgabe. Diese teilte die Gesellschaft auf in Priester, Krieger und Hirten bzw.
Bauern.
Die Kelten zeigten diese Aufteilung beinahe unverändert, von den Germanen wurde
dieses etwas grobe Raster allerdings etwas verfeinert, und so entstanden unter den
drei Hauptgruppen etwas differenziertere Abstufungen:
Der Priesterstand, die "Goden", war letztlich am weitesten ausdifferenziert,
indem die Priester nach ihrer Grundausbildung (Vitki) bei einem Lehrmeister (im
Rang eines Drighten) sich für einen der Schwerpunkte Runenmeister (Erilar),
Sänger und Geschichts"verwalter" (Skalde), Heiler, Schamane (Seidman),
u.a. entschied, im ganzen neun "Fachbereiche". Mit der Erlangung dreier
Fachdisziplinen erreichte er den Meisterrang. Je nach Spezialität und Neigung
gingen die Germanischen Priester nun auf Wanderschaft, suchten sich einen Gefolgsherrn
oder suchten sich selbst Gefolgsleute.
Da, im Gegensatz zu den Kelten, sie ihre Sippenbindung nicht verloren, konnten sie
auch der eigenen Sippe voranstehen, was sie meist auch taten, da es für die
Sippe nur ein Vorteil sein konnte, von einem Goden geführt zu werden. Im Lauf
der Zeit war es dann auch üblich, den gewünschten Sippenvorstand zum Goden
ausbilden zu lassen.
Die Kriegerkaste wurde zu den "Aedelingen", den Adligen. Im Normalfall
rekrutierten sich aus diesem Stand die Sippenvorstände, die allerdings von
allen Angehörigen des Stammes, also allen "Freien", gewählt
wurden. Diese genossen als einziges echtes Privileg das Recht, zu Pferde in den
Kampf zu ziehen.
Adlig war man durch Geburt, aber auch ein Freier konnte mit Zustimmung aller in
den Adelsstand erhoben werden. Die Germanen hatten keine Könige im Sinne einer
Monarchie, vielmehr wurde auf dem Thing ein Heerführer gewählt, der meist
ein erfolgreicher Adliger mit großem Gefolge war, da er dafür gewählt
wurde, wenn ein Kampf nötig war den Stamm zum Sieg zu führen. Dazu war
ein Mann der Kriegerkaste nötig, der großes "Heil" besaß,
das zu einem Sieg notwendig war und eine kampf- wie sieggewohnte Gefolgschaft.
Außerhalb der Kriegsbelange hatte dieser König (Kuning) keine Befugnisse,
die die von anderen Freien überstiegen.
Die Berserker stellten eine Art eigene Kaste dar, deren Voraussetzung die Fähigkeit
der Berserkerwut war. Von einem Drighten ausgebildet, damit er seine Kräfte
unter Kontrolle halten konnte, waren die Berserker relativ hoch gebildet und ebenso
hoch angesehen.
Den Freien wurden alle übrigen zugerechnet, man konnte sie daran erkennen,
daá sie in der Öffentlichkeit Waffen tragen durften, an ihren langen
Haaren und einem Bart. Auf dem Thing besaßen sie das gleiche Stimm- und Mitspracherecht
wie ein Adliger oder Priester.
Auf einem Thing konnte ein Freier auch freiwillig seine Freiheit für begrenzte
Zeit aufgeben, wenn er zum Beispiel dann als Leibeigener Schulden bei einem Gläubiger
abarbeiten wollte. Dazu mußte er sich die Haare kürzen lassen und die
Dauer der Leibeigenschaft wurde bemessen in der Zeit, die die Haare brauchten, um
wieder auf "freie" Länge zu wachsen, je nach Schuld auch mehrmals.
Sklaven waren in diesen Epochen noch unentbehrlich, und so gab es sie auch bei den
Germanen. Ein Freier des Stammes konnte nicht, wie etwa bei den Römern, versklavt
werden, es sei denn von einem anderen Stamm. Sklaven rekrutierten sich zumeist aus
Kriegsgefangenen oder wurden bei Plünderungen mitgenommen. Den Germanischen
Sklaven ging es meist verhältnismäßig gut, viele wurden nach einiger
Zeit wieder freigelassen oder sogar in die Sippe aufgenommen, denn das war eine
Möglichkeit, den Stamm zu vergrößern. Die Goten, auf nur drei Schiffen
aus Schweden übergesetzt, konnten fünf Generationen später nur so
auf ihren einige tausend Menschen starken Stamm kommen.
Als aus dem Naturgefüge ausgeschlossen und damit auch aus dem Stamm, ohne Chance
von einem anderen aufgenommen zu werden, da sie ihr sämtliches Heil verloren
hatten, waren die Vogelfreien, meist Leute, die schweren Verrat gegenüber Sippe
oder "Natur" begangen hatten. Rechtlich unter dem kleinsten Grashalm stehend,
wurde ihnen der Kopf gänzlich geschoren. Darauf wurden sie verstoßen.
Die Überlebenschancen für einen vom Gefüge getrennten waren gleich
Null.
Eine Sonderstellung hatten die Geiseln inne, die meist ausgetauscht wurden, um einen
Friedensvertrag zu besiegeln. Die Götter machten es vor, die drei Wanengeisel
wurden neben den Asen Odin, Thor und Tyr u.a. mit zu Hauptgöttern (Freyr und
Freya).
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