Das Gefolgschaftsprinzip


Die Gefolgschaft ist eine der mißgedeutetsten Einrichtungen der Germanischen Gesellschaft. Gefolgschaft ist zunächst ein Rahmen für das Leben des Germanischen Mannes, da sie etwas aktives bedeutet. In der Natur werden aktive Energien als "männlich" bezeichnet, bzw. umgekehrt. Da in der Gefolgschaft sowohl Gefolge als auch Gefolgsherr aktiv auf den jeweilig anderen Part ausgerichtet sind, stellt sie einen maskulin polarisierten Teil der Tischgemeinschaft, des "Munt", dar. Mit dem Austritt aus der Familie, der neutralen Tischgemeinschaft, durch Volljährigkeit findet der Jungmann seine Identität nur in aktiven, männlichen Strukturen, da ihm die passive verwehrt bleibt, die ist den Frauen vorbehalten. Je nach den Umständen der Entlassung aus dem Hausstand konnte der Jungmann zwischen verschiedenen Strukturen wählen. Zunächst begab er sich meist auf Wanderschaft, erhalten noch heute in den Wanderzunften, um verschiedenes zu lernen.
Er suchte sich einen oder auch mehrere Meister, meist auch den einen oder anderen Goden, der ihn in seinen jeweiligen Spezialfächern unterrichtete, um auch Handwerke wie z.B. das Schmieden, Kämpfen oder Tischlern, Singen, Schwertkampf u.v.m. noch weiter zu verfeinern. Der Jungman zog als Recke einher, das kommt von "rächen" und zeigt schon, daá meist die Motivation zum Erlernen gerade von Kampfkünsten darin lag, diese anhand einer Rachetat für die Sippe zu erproben. Hatte er nun seine erste Waffenprobe bestanden, konnte er entweder als Recke weiterziehen oder in eine Gefolgschaft eintreten, bzw. selbst eine gründen.
Der Gefolgsmann war nun aber nicht reiner Befehlsempfänger, der sklavisch seinem Herrn folgte. Der Herr selbst war der Teil der Gefolgschaft, der die meisten Pflichten trug. Er sorgte für Kost und Logie, Ausrüstung und körperliches wie geistiges Wohlergehen seiner Gefolgsleute, dem "gasinpa", dem Gesinde. Dieses Wort bedeutete "Weggefährte" und als solche waren Gefolgsleute nicht Diener sondern Familienmitglieder des Gefolgsherren (Truhtin/ Truchseß). Damit war die Gefolgschaft also eine maskuline Tischgemeinschaft.
In der heute noch gültigen Form des Gesindes beim Bauern zeigt sich, daá eine Gefolgschaft nicht zwingend kriegerische Struktur haben muß.
Der Gefolgsherr trägt, wie jeder Mensch, eine gewisse Menge an "Heil", an geistiger Kraft, das mit der Stärke der Verbindung zur Natur und ihres Gefüges zusammenhängt. Die Gefolgsleute haben mit ihrem Treueeid Teil an diesem Heil. Wird dieser Eid gebrochen, egal ob durch Herr oder einen Gefolgsmann, sorgt das natürliche Gefüge für die "Strafe", indem es die gestörte Struktur wiederherstellt. Menschen bestrafen solch einen Eidbruch nicht.
Natürlich bestraft das Gefüge nicht aktiv, vielmehr entsteht eine Reaktion aus der Aktion des Eidbrechers, die als solche empfunden werden kann. Der, der so seine Verbindung zum Gefüge schwächt, verliert in diesem Maße sein Heil und kann es nur wiederherstellen, als Mann wieder aktiv, indem er, meist über eine Opfer- oder Sühnetat, wieder dem Gefüge entspicht. Möglich ist es auch, daß durch die Reaktion des Gefüges, in Form eines Schicksalschlages z.B., der Eidbrecher von allein dem Gefüge wieder entspricht, indem er dieses Schicksal annimmt. Wichtig jedenfalls ist nur, daß der Einzelne sich und seiner Natur gemäß handelt, denn so entspricht er auch dem Gefüge.

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