Das Germanische Weltbild


Auch die Germanische Weltsicht wurzelt in der Indoeuropäischen Kultur. Die Germanische Welt ist also zuallererst eine zweipolige, geteilt in Aktiv und Passiv, Männlich und Weiblich, Hell und Dunkel, Feuer und Eis.
Entstanden zwischen Muspellheim, dem Reich der Feuerriesen, und Niflheim, der Heimat der Frostriesen. Diese beiden Energien ließen Himmel und Erde entstehen, die gleichzeitig zwei neue Aspekte von aktiver und passiver Energie darstellen, die es erst ermöglichen, Feuer und Eis als solche zu erkennen. Deshalb müssen alle vier Aspekte als gleichwertig betrachtet werden. Die Feuer- Eis- Polarität zeigt sich auf der materiellen Welt als Luft- Erde- Gegensatz. Mutter Erde und Vater Himmel entsprechen die Hauptgottheiten auch der Germanen.
Im Gegensatz zur heutigen Auffassung, durch das dogmatische Bewertungssystem "gut" und "böse" geprägt, war es für den Germanen nicht nötig, sich für eine der beiden Pole zu entscheiden und damit gezwungenermaßen den anderen abzulehnen oder gar als Bedrohung zu empfinden.
Damit kommen wir jedenfalls zu den klassischen vier Elementen, aus denen Materie besteht: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Mit dem klassischen "Äther", dem Geist, kann Materie belebt werden. Der Mensch wurde geschaffen, indem Materie, Baumstämmen, die ohne Wurzel und Krone tot sind, diese zunächst in menschliche Form gebracht, das heißt elementar umstrukturiert, wurden, darauf Geist, also Leben und Bewegung, eingehaucht wurde und zusätzlich etwas neues: Verstand, das heißt, die Möglichkeit, zu wissen.
Wissen (witan) geht in der Germanischen Urbedeutung über das bloße rationale begreifen hinaus. Es schließt alle vier Elemente ein, also auch Gefühl, Idee und Emotion. Wenn ein Germane etwas "wußte", bedeutete dies ein tiefes Verständnis von Form, Wesen und Zusammenhang der Dinge, ein Gefühl für deren und den eigenen Platz im Gefüge der Natur. In dieser Welt strebt der Germane nun danach, sich selbst, seiner Natur, zu entsprechen. Dazu ist es notwendig, sich selbst zu erkennen, sich seiner selbst bewußt zu werden, Selbstbewußtsein zu erlangen. So erlangt er auch Selbstvertrauen, denn man kann nur auf etwas vertrauen, das man kennt. Dieser Wissensdurst nach innen macht sich auch in einer großen Neugier nach außen bemerkbar, denn die Außen- und Innenwelt entsprechen sich und spiegeln einander wider. So ist wohl auch die Bereitschaft zu erklären, sich auf Neues einzulassen und auch teilweise zu übernehmen.
Das Germanische Weltbild ist also ein egozentrisches, d.h., jeder Mensch steht für sich im Zentrum der Welt und reflektiert und erkennt sich an seiner Umwelt, die ihm entspricht und somit auch wieder er selbst ist. In dem Maße, wie er seinem innersten Wesenskern entspricht, erkennt er diesen. Daß er dabei auch seinem Platz im Gesamtgefüge der Natur entspricht, ist ein nicht zu unterschätzender Effekt dabei, denn die Natur hält den energetischen Status so aufrecht, als sei alles an seinem Platz.
Ist etwas real nicht dort sondern woanders, empfindet der Mensch "Schicksalseinflüsse", die die Differenz zwischen dem Energiewert des Menschen und seiner derzeitigen Position ausgleichen. Dadurch strebt er einem Gleichgewicht zwischen den Polen entgegen, denn IN der Waage zu stehen ist seine Möglichkeit, die unangenehmen Konsequenzen eines unnatürlichen Lebens auf der einen oder anderen Waagschale zu entgehen, da deren Kontrolle ihm auf diese Weise genommen würde.

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