Der Germanische Götterhimmel


Die Germanische Religion kannte jedoch auch einen Götterhimmel, der eine Vielzahl göttlicher wie dämonischer Wesen beherbergte. Dadurch kann auf den ersten Blick der Eindruck entstehen, daß der Naturglaube von einem Vielgötterglauben abgelöst worden sei.
Dies geschieht jedoch wieder nur aus der heutigen Sichtweise, die aus einem "Gott" ein über Allem, auch über der Natur stehendes Wesen gemacht hat. Das gilt für die Germanischen göttlichen Wesenheiten so nicht. Zunächst gibt es verschiedene Wesenheiten, die teilweise als Gegenspieler auftreten: Die Asen und die Wanen, die "Götter", auf der einen Seite, die Riesen und deren monströsen Geschöpfe auf der anderen. Darüber hinaus existieren noch weitere "magische" Rassen, die Zwerge, Alben, magische Tiere etc.
Diese Aufteilung wird allerdings relativiert: Unter den Göttern, also den vom Menschen ansprechbaren Wesenheiten, gibt es auch Riesen, man denke z.B. daran, daß Loki, der "listige Ase", genetisch Riese ist, aber durch die Blutsbrüderschaft mit Odin unter die Asen aufgenommen wurde. Hier sieht man wieder, daß die Germanen keinerlei Interesse an "genetischer Reinheit" hatten:
Loki ist im Folgenden als vollständiger Ase anzusehen. Die Götter unterscheiden sich von den Menschen in ihrer Unabhängigkeit von der Materie, stellen also eine Vorbildfunktion, ein Ziel, dar, denn das ist das Ziel, dem der Germane entgegenstrebt. Er weiß jedoch auch, daß er dieses Ziel nicht durch die Ablehnung des Materiellen erreicht, sondern durch eine lange Entwicklungszeit, in der er lernt, mit der Materie umzugehen, und diese Entwicklung umfaßt einige Wiedergeburten, in denen er jeweils einen anderen Aspekt der Materie zu verstehen versucht. Da die Götter also zwar überirdische und dadurch sehr machtvolle, keinesfalls jedoch "absolute" Wesen sind, muß ihnen kein Germane entgegen "kriechen", man nähert sich ihnen aufrecht, mit erhobenem Kopf.
Die Götter sind Vorbilder, sie zeigen dem Menschen seine evolutorischen Möglichkeiten und seine derzeitigen Grenzen, indem er diese nur mit Hilfe der Götter überwinden kann. Die überirdischen Wesen stehen zwischen Mensch und Schöpfung und vermitteln in beide Richtungen, indem sie für bestimmte energetische Aspekte des Gesamtgefüges stehen und dieses damit in der Struktur verstehbar machen.
Tyr stand zunächst für den Himmel, das männliche Prinzip, bevor er von Odin verdrängt wurde. Odin stellt nämlich die nächste Evolutionsstufe dar, indem er ein "intellektueller" Gott ist und das männliche Prinzip damit ausdifferenzierter zeigt: Der Intellekt lenkt und leitet die anderen aktiven Aspekte, die individuell- emotional- triebhaften, für die Thor steht, der durch sein Ungestüm ohne diese Anleitung destruktiv wirken würde, die gesellschaftlich- idealistischen, die Tyr als Kriegsgott vertritt und die den kompromißbereiten Schachspieler benötigen, um nicht zum Fanatismus zu führen, und die befruchtend- lebensspendenden Aspekte, die Ing oder Freyr darstellen, und die ohne Plan und Ziel nur zu wilder Wucherung führten.
Frigg, seine zukunftsahnende Frau, kontrolliert die weiblichen Aspekte. Die sinnlich- fruchtbaren Apekte, von Sif und Freya vertreten, werden ebenso in eine produktive Bahn gelenkt, wie auch die sensibel- heilerischen, für die Idun einsteht. Durch die Regeln, die Frigg vorgibt, sie ist unter Anderem für die Ehe, also das Miteinander von Mann und Frau, zuständig, sorgt sie dafür, daá weibliche Energien durchaus
stabil bleiben können. Die Verliebtheit, Schwärmerei und männlich- triebhafte Energie, der ebenfalls zunächst Stabilität und Ziel fehlen, bekommt so Struktur und dies ermöglicht eine zwischenmenschliche Beziehung, die auf Vertrauen und dauerhafter Liebe basieren und so zur Partnerschaft, zum Entstehen von "zwei Ganzen", führen kann.
Die Goden stellen die direkte Verbindung zwischen Mensch und Gott her. Ein Gode kommuniziert nicht auf materielle Weise, also ratio- analytisch- verbal, mit ihnen, sondern "verschmilzt" mit dem Gott auf allen neun Weltebenen, von denen die materielle nur eine ist, er ist gleichzeitig Gott und Mensch, denn er legt dabei nicht seine Persönlichkeit ab, wie dies in manchen anderen Naturreligionen geschieht. Die Mythen um die Götter stellen keine Tatsachenberichte dar, sie sind vielmehr für die materielle Ebene verbildlichte, "begreifbare" Beschreibung der Dynamik und Struktur des Gefüges der Natur, Hilfsmittel zum Verständnis der neun Energieebenen der Welt oder neun Welten des Universums.
Der Germane versteht diese Mythen so, wie der Maler es versteht, über Techniken wie dem Hilfsmittel des Fluchtpunktes, drei Dimensionen auf nur zwei zu übertragen. Der Unterschied liegt allerdings darin, daß nach diesem Beispiel hier neun Dimensionen auf eine reduziert werden
müßten.

Zurück