Schützender Mantel der Weiblichkeit

Der Frauenmantel
Alchemilla vulgaris

von Igor Warneck
Igor.Warneck@boudicca.de


Umgangssprachliche Namen:

Marienmantel, Taukraut, Himmlisches Wasser, Alchimistenkraut, Löwenfuß, Frauenbiß, Sinau, Sonnentau, Wiesensinau, Tauhaltauf, Marienkraut, Tränenschön, Taubecherl, Wasserträger, Wasserkelchblume.

Beschreibung:

Der Frauenmantel ist eine kleine Pflanze mit gelblichgrünen Blättern deren Form an Venusmuscheln erinnert, oder an vom Wind umgeknickte Regenschirme. Die feinen Zacken des handförmigen Blattes tragen Wasserperlen, die nicht etwa der Tau hinterlassen hat, sondern die durch das Schwitzen der Pflanzen entstanden sind. Der honigähnliche Duft der Blüten macht diese Pflanze neben ihrer eigenen Wuchsform zu einem unverwechselbaren Wegbegleiter.

Blütezeit:
Mai bis Oktober

Sammelzeit (medizinisch):
morgens bei trockenenem Wetter zwischen September und Oktober

Sammelzeit (traditionell):
Während des Frauendreißigers 15. August bis 8. September (Altweibersommer). Die Pflanzen dürfen nicht mit dem Messer geschnitten werden. Bei abnehmenden Mond gesammelt wirkt er besonders blutstillend.

Sammelgut:
das blühende Kraut, auch mit Wurzel

Wenn man sehr früh am Morgen durch den Wald geht und noch mit der nötigen Phantasie ausgestattet ist, kann man die Holzfräulein sehen, die sich um die großen Blätter des Frauenmantels tummeln und sich mit dem Himmelswasser, welches sich in seinen Blättern sammelt waschen. Die Holzfräulein, auch bekannt als Waldweiblein, Lohjungfern, Moosleute oder Buschweibchen wohnen vereinzelt in den Wäldern oder abgelegenen Siedlungen, fern moderner Städte. Sie sind den Menschen sehr wohl gesonnen, sprechen eine fremde Sprache, tragen altertümliche Trachtenkleidung und sind überaus allergisch gegen moderne Zeiten. Ein Kümmelbrot reicht schon um sie zu vertreiben. Sie brauen Bier und backen Kuchen und geben davon gern den Bauern auf dem Feld oder den Waldarbeitern. Der Nebel des Waldes ist ihr Küchenrauch. Die Moosleute sind dankbar, gütig, helfen und beschenken. Mancher soll schon Laub von ihnen geschenkt bekommen haben, das sich anschließend in Gold verwandelt hat. Da sie den Menschen wohl gesonnen sind kann man sie auch nach den rechten Heilmitteln oder um andere Hilfe fragen und bitten. Bei der Ernte oder bei den Mahlzeiten werden sie mit den letzten Büscheln, Halmen oder Resten bedacht. Traditionell werden ihnen drei Getreidekörner gestreut. Wenn man sie heute so selten antrifft, so liegt dies an der modernen, technisierten Zeit, die die Moosleute nicht leiden können und sich so immer tiefer in die Wälder und abgelegene Gegenden zurückziehen.

Doch nicht nur die Holzfräulein waschen sich gern mit dem Tau des Frauenmantels. Früher benetzten auch Menschenfrauen ihr Gesicht mit diesem edlen Naß um die Sommersprossen zu vertreiben oder bereiteten sich aus den gesottenen Blättern einen Brei der erschlaffte Brüste wieder zu regenerieren vermochte. Der frische Saft oder ein starker Tee helfen ebenfalls gegen Hautunreinheiten und Sommersprossen.

Die Tau-Perle welche sich am Morgen in den kelchartigen Blättern findet faszinierte die Menschen schon seit eh und je. Die Alchemisten sammelten diese Tautropfen als Heiliges Wasser, da sie in dessen Produktion den alchemistischen Weg der Veredelung erkannten; nach ihrer Meinung nahm der Frauenmantel das Wasser der Erde auf und führte es dem Himmel zu, er läuterte es sozusagen. Da verwundert es uns auch nicht wenn die Alchemisten es selbst dann zur Herstellung des mystischen Steins der Weisen verwendeten.

Der Name dieser Pflanze weist uns schon den Weg zu der ihr zugehörigen Gottheit: Venus, die Göttin der Liebe spiegelt sich in den gerundeten Formen, sowie den grünlichen, duftenden Blüten. Bei den Germanen wird es wohl Freya gewesen sein die ihre schützende Hand durch diese Pflanze über ihre menschlichen Partnerinnen hielt. Nach der Christianisierung arbeitete diese Pflanze dann im Namen der Maria. Der Frauenmantel ist eine besonders den Frauen zugehörige Pflanze, auch wenn er durch seinen großen Gehalt an Gerbstoffen ebenfalls ein gutes Wundkraut für die Männer ist. Paracelsus lobte bereits die Kraft der Pflanze, konnte sie doch als Tee getrunken oder äußerlich angewendet jede Wunde heilen und Geschwüre günstig beeinflussen.

Der Tee des Frauenmantels wirkt ausgleichend auf den gesamten Organismus, sowie auf die großen und kleinen Beckenorgane der Frau. Eine Teekur über sechs Wochen vor der Geburt, mit 3 Tassen täglich stärkt den Uterus und kann so auf eine gute Geburt vorbereiten. Der Tee sollte dann auch noch drei Wochen lang nach der Geburt getrunken werden, denn so kann er eventuell entstandene Verletzungen heilen und den Uterus reinigen.

Frauenmantel wirkt bei inneren wie äußeren Verletzungen. Als Tee oder mittels Umschlag, in Wasser oder in Wein gesotten, heilt er innere Brüche. Frauenmantelblätter, frisch auf schmerzhafte Schwellungen oder Entzündungen gelegt, wirken lindernd und führen die Heilung herbei.

Bei folgenden Krankheiten kann Frauenmantel als zusätzliche Teekur verwendet werden: Neigung zu Fehlgeburten, unregelmäßige Menses, Uteruslageveränderungen, sowie Eierstockschwäche und - entzündung.

REZEPTKASTEN:

Frauenmanteltee

Überbrühen Sie einen Eßlöffel Frauenmantel-Tee mit einer Tasse Wasser und lassen Sie diesen 20 Minuten ziehen. Dieser Tee hilft bei allen Erkrankungen des Unterleibs, bei Entzündungen und Geschwüren. In größeren Mengen getrunken, vertreibt er Wundfieber, wie es nach inneren Verletzungen, oder bei inneren Entzündungen auftreten kann. Frauenmanteltee kräftigt oft getrunken auch Kinder, die unter Muskelschwäche leiden.

Frauenmantel, in Wasser gesotten und im Breizustand auf erschlaffte Brüste gelegt, strafft und kräftigt das Bindegewebe in ungewöhnlichem Maße. Auch die Drüsenfunktionen regt Frauenmanteltee wieder an, besonders die der Bauchspeicheldrüse (auch bei Zuckerkrankheit) und der Schilddrüse.

Frauenmantel mit Wurzeln in Wein gesotten und getrunken heilt innere Brüche.

Bei Schlaflosigkeit bereitet man einen Tee aus Frauenmantel und Schlüsselblumen, zu gleichen Teilen gemischt. Davon gibt man einen flachen Eßlöffel auf eine Tasse Wasser, brüht ihn 20 Minuten, süßt ihn mit Kandiszucker und trinkt ihn abends. Fördert einen beschützten Schlaf.