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Übermenschliche
Wesen, die ans Mären und Seelen hervorgingen Die nordischen Fylgjur
Die alte und neue nordische Sage berichtet
viel von der Fylgja, Forynja, Fyreferd, Hamingja, von Erscheinungen, in welchen
der Seelenglauben am deutlichsten zum Ausdruck gelangt, Fylgja /Fyglia) bedeutet
Folgerin; gemeint ist ein jedem Menschen beiwohnendes geisterhaftes Wesen, die
Seele, welche zuweilen sichtbar wird. Die Fylgja zeigt sich ihrem Besitzer und andern
Menschen meistens vor wichtigen Ereignissen, namentlich vor dem Tode. Sie erscheint
in der vollen eigenen Gestalt ihres Inhabers als Doppelgänger, zweites Gesicht
oder in beliebiger Tiergestalt. Die Fylhja offenbart sich gerne im Traum, geistersichtige
Leute vermögen sie aber auch im Wachen zu sehen. So gleicht die Fyigja einerseits
völlig den Hugir, den Seelen, andererseits ist sie aber auch als Fylgjukona,
als Dis, als ein übernatürliches Wesen weiblichen Geschlechtes gedacht.
Wie ein Schutzengel ist sie dem einzelnen Menschen oder auch einer ganzen Sippe
gesellt, manchmal sind sogar mehrere Fylgjur einem Menschen oder einem Geschlechtes
beigegeben. So vollzieht sich also die Ablösung eines selbständigen Geisterwesens
aus dem Seelenglauben, eine spätere Neubildung auf allgemeinem Hintergrund.
Die Seele wird zu einem Schutzgeist in Frauengestalt, zu einer Schicksalsgöttin.
Manche Leute haben stärkere Fylgjur, stärkere Schutzgeister und darum
mehr Glück als andere. In den Fylgjur verkörpern sich gewissermaßen
die eigenen Seelen der einzelnen Menschen und zugleich die Seelen der abgeschiedenen
Ahnen, aber als selbständige Wesen gedacht. Zusammenhang mit dem Seelenglauben
bricht aber immer noch hervor. Von Olaf Tryggwason heißt es, seine Fylgjen
seien besonders schön und glänzend gewesen. In der jüngeren Olafssaga
steht eine merkwürdige Geschichte von einem Isländer namens Thidrandi.
Dieser hörte einmal in einer mondhellen Nacht an die Tür seines Hauses
anklopfen und trat, obwohl gewarnt, mit einem Schwert bewaffnet hinaus. Da sah er
von Norden her neun Weiber in schwarzen Gewändern mit gezogenen Schwertern
in den Händen heranreiten; „Mir schien es, als träten
bei Nacht tote Frauen hier ein, In dürftige Kleider gehüllt, die dich
entführen wollten;Es luden zu ihren Bänken die leidigen Weiber dich ein;
Die Schicksalsjungfrauen, glaub ich, haben den Schutz dir aufgesagt.“ Die Fylgjur in ihrer Eigenschaft als selbständige
Schutzgeister gingen beim herannahenden oder eingetretenen Tode eines Mannes auf
einen beliebigen Verwandten, dem sie sich antrugen, über. So übernimmt
Wigaglum die Fylgja des Wigfuss, dem Hedin bot sich die Fylgja seines Bruders Helgi
Hjorwardsson an, welcher darin ein Zeichen seines nahen Todes sieht. Bei Gunnar
und Thidrandi herrscht die Vorstellung, dass die Fylgjur den Todgeweihten zu sich
holen, d. h. seine Seele geht zu den Toten ein. In der Njälssaga Kap. 41 erblickt
Njäl die Fyigla des Thord in Gestalt eines getöteten Bockes; also vollzieht
sich hiernach an der Fylgja das Schicksal ihres Besitzers. |