WAS SIND EIGENTLICH GÖTTINNEN UND GÖTTER?

Götter sind mehr als ein Gott. Die germanische Form der Religion und Mythologie, ist nicht monotheistisch, sondern pantheistisch. Es zählt also nicht die göttliche Einfalt, sondern die göttliche Vielfalt. Unsere Ahnen haben die Götter erschaffen und die Götter haben uns Menschen erschaffen. Beides geschah gegenseitig und somit sind wir ihnen auch ebenbürtig. Die Götterwelt wurde durch den Glauben erschaffen und konnte sich auf einer anderen Wirklichkeitsebene manifestieren.
Erst, wenn kein Mensch mehr an eine Form der Gottheit glaubt, verliert sie ihren Stellenwert und geht ein. Die dabei freigesetzt Energie dient einer neuen Gottheit, die sich gemäß den Veränderungen auf Mutter Erde weiterentwickelt hat und erscheinen kann. Es gilt der gleiche Grundsatz, hier unten, wie da oben: Wer sich nicht weiterentwickelt, stirbt. Jede Mythologie beruhte einst auf einer Erdenmutter und einem Himmelsvater, ebenso die germanische, wenn auch die Quellen hier nur spärlich fließen. "Sie beten nur die Sonne, den Mond und das Feuer an," sagt Cäsar, doch ein wenig mehr dürfte es schon gewesen sein.
Einiges strukturierte sich in der Vergangenheit um - zu vergleichen mit dem Bundestag - und so erklärt es sich auch, daß der Gott Odin später den Platz von Tyr einnimmt, dem ehemals höchsten Himmelsvater.
Himmelsvater und Erdenmutter erzeugen (je nach den Bedürfnissen der Menschheit; schließlich gibt es kein Volk, das nur aus Zahnärzten besteht) mehrere "Untergottheiten", die ein spezielles Sachgebiet bearbeiten. Irgendjemand ist für den Krieg zuständig, eine andere für die Ernte, wieder jemand anderes für die Liebe, und so weiter.
Was Nutzen uns heute aber die Gottheiten vergangener Völkerschaften? Sie sind weiterhin existent, wenn sie auch ihr Verhalten und vielleicht auch ihre Attribute gewechselt haben. Schließlich entwickelten sie sich wie die Menschheit weiter und paßten sich den modernen Bedürfnissen an. Oft ging dies auch mit einer Wandlung des Namens einher.
Solange noch ein Mensch an einen Gott oder eine Göttin glaubt, lebt diese Gottheit! An sie zu erinnern, ist Sinn und Zweck dieser Ausführungen. Im Praktischen können wir die Gottheiten für unser alltägliches Leben sowie die magische Arbeit gebrauchen. Sie dienen als Vermittler zur kosmischen Ur-Kraft, die wir Menschen ohne sie nicht erreichen können. Wir als Menschen, dienen den Göttern wiederum als Vermittler unter Menschen. Auch hier herrscht Ausgewogenheit. Das sollte man nicht vergessen, denn so kann keine göttliche Allgläubigkeit und Selbstaufgabe stattfinden. Ich gehe davon aus, daß wir freie Heiden sind, oder doch zumindest werden wollen.

Im alltäglichen Leben ist das Wissen um die Götter von Nutzen, um ihnen zum Beispiel für gewisse erhaltene Geschenke zu danken, und eben darum, auch die Zuständigkeitsbereiche zu kennen. In der Magischen Praxis, die mit ihrem Willen ja etwas verändern will, brauchen wir das Wissen um die Attribute, die Eigenarten und Zuständigkeitsbereiche der Gottheiten, um sie sinnvoll als Vermittler einzusetzen. Wenn Du auf das Landesamt für Denkmalpflege gehst, um Sozialhilfe zu beantragen, wird Dir das nix nutzen, genauso wie es eben nicht hilft, Saturn bei Liebesangelegenheiten anzurufen, (außer Du möchtest jemanden endgültig loswerden...).

Bevor wir aber nun im einzelnen auf die Gottheiten eingehen, müssen wir kurz eine besondere Eigenart der germanischen Welt beleuchten. Aus sehr archaischen Zeiten stammt eine Art Götter-Vor-Welt, die der Asen, Vanen und Riesen. "In der nordischen Mythologie verkörpern die Riesen, wie etwa die Eisriesen, die Bergriesen oder Feuerriesen, rauhe Naturgewalten in ihrer ursprünglichen Form. Die Völker und Rassen, die vor den heutigen Einwohnern Nordeuropas diese Länder bewohnten, waren Primitive mit einer animistischen Weltanschauung. Alles was sie nicht verstanden, wurde entweder verehrt, oder gefürchtet und beschwichtig. Es ist wahrscheinlich, daá die Riesen einst die Götter dieser Völker waren, die mit dem Aufkommen neuer religiöser Konzepte, die das Prinzip der Erde und Fruchtbarkeit betrafen, zu den Riesen wurden, die sodann als bedrohliche Naturkräfte angesehen wurden. Die Götter, deren Kult sich daraufhin in den nordischen Ländern etablierte, waren die Vanir, die zum Hauptgegenstand der Hingabe und Verehrung wurden. Die Verehrung der Vanen muß um jene Zeit begonnen haben, in der die ersten Jäger und Sammler eine landwirtschaftliche Lebensweise annahmen. Daher sind die Vanen Götter des Wassers und der Erde. Die Aesir hingegen sind Götter des Feuers und der Luft. Wahrscheinlich ist ihr Glaube zu einer späteren Zeit und in anderen gebieten entstanden. Der Asen-Wanen-Krieg könnte die Volkserinnerung an einfallende Stämme sein, die vorwiegend Krieger waren.

So unerfreulich der Krieg auch sein mag, so resultiert er doch meistens aus technologischen Entwicklungen. Es könnte sein, daß die Riesen die Götter der Steinzeit waren, die Vanen die Götter der Bronzezeit und die Asen die Götter der Eisenzeit." Die Asen sind die Götter der sozialen Ordnung und des Bewußtseins, während die Vanen für die Natur und das menschliche Wohlergehen zuständig sind.
Einige der Asen sind: Odin, Tyr, Thor und Frigg.
Einige der Vanen sind: Freyja, Freyr und Njörd.
Heute ist es nicht mehr nötig, blutige Opfer darzubringen. Die alten Götter freuen sich dermaßen über jegliche Kontaktaufnahme, daá ihnen eine Kerze oder ein Keks schon als Opfer genügen. Die Grenze zwischen den Welten ist, ähnlich der Ozonschicht, dünner und durchlässiger geworden.
Die Vielfalt der pangermanischen Mythologie beruht auf den vier Zweigen der Tradition:
dem nördlichen Zweig (skandinavisch),
dem
westlichen Zweig (angelsächsisch),
dem südlichen Zweig (deutsch) und
dem östlichen Zweig (gotisch).

Jeder Zweig beteiligt sich an der Mythologie des anderen. Ein Problem liegt jedoch darin, daß nur der nördliche Zweig durch die Edda in seiner Gesamtheit erhalten geblieben ist und die restlichen in Fragmenten daherkommen.
Im folgenden werde ich nun auf die verschiedenen Gottheiten eingehen, die für Heiden und Hexen von besonderer Bedeutung sind. In dieser Tradition nennt man Menschen, die sich auf den Weg zu den Göttern befinden, Vitki und diese Bezeichnung gilt ein Leben lang.