|

FREYJA - DIE TRÄNENSCHÖNE
GÖTTIN
Die dichterische Kenning "tränenschöne Göttin" will uns
nicht weismachen, wir hätten es bei dieser Göttin mit einer Heulsuse zu
tun (Nein!) beim Anblick dieser Göttin kommen einem die Tränen und Freyjas
Tränen werden mit dem Gold in Zusammenhang gebracht.
Freyja ist die vornehmste nach Frigg; sie ist einem Manne namens Odhr vermählt,
und ihre gemeinsame Tochter heißt Hnoss; die ist so schön, daá
nach ihrem Namen alles (hnossir) genannt wird, was schön und kostbar ist.
Odhr zog fort auf ferne Wege und Freyja weint ihm nach und ihre Zähren sind
rotes Gold.
Diese Göttin hat viele Namen: Mardöll, Hörn, Gefn und Syr. Sie besitzt
den Halsschmuck Brisingamen und wird Wanadis (Wanengöttin) genannt.
Ihr Wohnsitz ist Folkwang. Dorthin kommen die im Kampf gefallenen Frauen, während
Odin die andere Hälfte, nämlich die Männer in Walhall aufnimmt.
Einherjer und Walküren leben jedoch nicht nur getrennt, denn dann wäre
das Leben der Toten ja viel zu langweilig!
Freyjas Tiere sind die Katzen und diese spannt sie vor ihren Wagen, wenn sie eine
Reise macht. Ebenso gehört ihr ein Eber namens Hildiswini - ein Gegenstück
zu dem Eber Gullinborsti ihres Bruders Freyr.
Katzen, Falken und Schweine gehören zu Freyjas Krafttieren. Mit dem Krafttier
Katze können wir auch gut ihren Charakter beschreiben; sie ist wie eine Katze.
Alle Männer des Götterhimmels begehren sie, ebenso die Riesen und alle
hätten sie gern für sich, doch Freyja ist die Jungfrau, die Keinem gehört.
Jungfrau ist hier nicht im christlichen, unbefleckten Sinn zu verstehen, sondern
als die Frau, die mit allen und keinem das Lager teilen kann, wenn sie will. In
Lokis Schmähreden heißt es, sie habe mit allen Göttern, Riesen und
Zwergen geschlafen - wie auch in allen späteren Texten Freyja als freizügige
Frau dargestellt wird.
Sie war natürlich auch eine sehr freizügige Frau, nur hatte dies nicht
einen schamlosen Charakter wie er durch Loki dargestellt wird. Der Stellenwert der
Sexualität muß früher ein völlig anderer gewesen sein.
Den Zwergen ist Freyja ebenfalls sehr zugetan. Von ihnen hat sie ihren Eber Hildiswini
und ebenso das kostbare Halsband Brisingamen. Dafür mußte sie allerdings
mit den vier Zwergen schlafen, welche es erschaffen hatten - das war der Preis.
Die vier Zwerge hießen: Alfrigg, Berlingr, Dvalinn und Grerr.
Freyja stammt aus dem Geschlecht der Vanen und bei diesem hat sie auch den Seidr
gelernt und ihn als erste unter die Asen gebracht.
Seine Zauberkraft hat Odin von Freyja. Dieser Seidr, zu übersetzen als Seil
oder Fesselung, zielt in den Bereich des Fesselns und Bindens. Ein Liebeszauber
gehört z.B. zur Technik des Seidr.
Ihre Liebe zum männlichen Geschlecht läßt bereits ihren magischen
Hauptzuständigkeitsbereich erahnen. Sie ist Fruchtbarkeitsgöttin, an der
Seite ihres Bruders Freyr und es ist gut sie in Liebesangelegenheiten anzurufen.
Auch wenn wir Menschen begegnen, die es fertigbringen Katzen zu quälen, ist
eine Invokation Freyjas hilfreich, um diese treffsicher zu verfluchen.
Freyja vereinigt in sich die Kräfte von Frigg und Frija. Daraus ergibt sich
für ihre Zuständigkeitsbereiche: Lebenskraft; Wissen um das Schicksal
von Göttern und Menschen; Wahrsagerei; Freiheitsliebe; Liebesangelegenheiten;
Fruchtbarkeit; Reichtum; Flüche und Gestaltwandel.
Wir können die Bedeutung von Frigg und Freyja auch folgendermaßen übertragen:
Frigg ist die Ur-Mutter und Freyja ist die freiheitsliebende schöne Ur-Tochter
- die immerwährende, jungfräuliche Tochter; geistige Gemahlin der Götter
und Zauberer; geistige Schwester der Göttinnen und "Hexen".
Freyja ist Schutzpatronin der Skalden, Minnesänger und Musikanten; ebenso der
Völvas, den nordischen Wahrsagerinnen. Freyja steht für Liebe, Hexerei
und Krieg und ist somit alles andere, als das liebe Götterfrauchen. Sie verkörpert
alle Aspekte des femininen auf einem Weg zur Gleichberechtigung und gerade in diesem
Bereich kann ich sie mir heute als für Frauen besonders wichtige Göttin
vorstellen.
|