THOR (DONAR) - DONNERNDER SOHN DER ERDE


Odin zeugte zusammen mit Jörd (Nerthus), unserer Mutter Erde, einen Sohn. Dieser Sohn ist Thor: Er ist der gutmütige Freund der Arbeiter, der Knechte und Bauern; er beschützt Midgard vor den Übergriffen aus Utgard (Außenwelt) und hat schon so manchen Riesen erschlagen. Kein Wunder also, daá er in manchen Gegenden des alten Germaniens mehr Ansehen als sein Vater genoß, der ja nunmal auch dem Krieg vorstand und eher für die Intelektuellen, als das einfache Volk zuständig war.

Wir können uns diesen Kraftgott ungefähr so vorstellen: Er ist ein kräftiger, leicht bäuchiger Bauarbeiter, der den ganzen Tag lang schwer arbeiten muß und abends gern mit Freunden ein Bier trinken geht. Am liebsten hätte er seine Ruhe, doch ständig kommen Nachbarn daher, die sich mit einem anderen Nachbarn im Streit befinden und er soll ihn schlichten, denn vor ihm hat man Respekt. Naja und da er eben so gutmütig ist, beschützt er auch seine Nachbarn und kommt nicht zur Ruhe.
Er ist zwar verheiratet, doch hält er nicht sonderlich viel von Frauengeschichten. Er ist treu und zuverlässig, eben ein wirklich guter Kumpel. Thor ist der Bauarbeiter, der Kranführer oder Hausmeister in einem spirituellen Seminarzentrum...

Von den Römern versklavte Steinbruch-Arbeiter am Niederrhein verehrten einen Hercules Saxanus und einen Hercules Maliator. Hercules ist Thor/Donar. Einem Hercules Magusanus begegnen wir auf vielen Votivsteinen und Armreifen, ja sogar auf römischen Münzen ist er zu finden. Wir können also davon ausgehen, daß die Römer vor einem so gutmütigen Gott, zusammen mit den Menschen die sie unterdrückten, gemeinsam den Hut zogen.

Bonifatius machte dann dem Treiben um die alten Götzen ein Ende, zumindest versuchte er es und er tat etwas, daß ihm den Zorn der Götter bis in alle Ewigkeit eingetragen hat: Er fällte die Donareiche bei Geißmar. Die Sage erzählt, daá Holz wäre für einen Altar benutzt worden und ich denke mir, daá sich in dieser Kirche ganz besondere Geister treffen werden...

Donareiche und Geißmar passen wunderbar zusammen: Dem Donar ist die Eiche heilig, sie entspricht auch seiner Mutter, ebenso die Eberesche. Weiters ist Donar Herr der Ziegen und so nehme ich einmal an, daß der Name Geiß-mar nicht zufällig gewählt wurde.
Solchen Analogien begegnen wir übrigens häufig, vorausgesetzt, wir öffnen uns für dieses große Geheimnis.
Zwei Böcke ziehen den Wagen des Thor. Wenn er auf Ostfahrt gegen die Riesen ist, nährt er sich und seine Begleiter von diesen.
Er beherrscht einen sehr praktischen Zauber, denn wenn er seinen Hammer
Mjöllnir über den abgenagten Knochen kreisen läßt, stehen die Böcke wieder in Fleisch und Blut vor ihm.
Ein Knecht, den Thor einst zum Essen eingeladen hatte, beging einen schweren Fehler: Er spaltete einen Knochen der Böcke auf, um an das köstliche Mark zu gelangen und seit dieser Zeit hinkt einer von Thors Böcken. Es darf den Opfertieren nämlich kein Knochen gebrochen werden, da sie sonst bei der Wiedergeburt einen bleibenden Schaden davontragen.

Thors Familienverhältnisse sind schnell erzählt. Er ist mit Sif verheiratet, einer Erntegöttin mit langen blonden Haaren, mit welcher er drei Kinder auf die Welt brachte: Magni, Modi und eine Tochter namens Thrud. Die Namen der Kinder stehen alle für die hervorstechende Eigenschaft des Thor, die Kraft.

Thors Wohnsitz ist
Thrudheim (Kraftheim) und sein Saal heißt Bilskirnir. Unter seinen Attributen hebt sich der Hammer Mjöllnir besonders hervor. Seit alten Zeiten ist er Symbol für die Widerstandsbewegung der Heiden gegen die Christen und ein kleiner Thorshammer wurde schon früh dem christlichen Kreuz entgegengesetzt. Daá das Hammersymbol wesentlich älter als das aufkommende Christentum ist versteht sich von selbst. Auf der magischen Ebene kann man diesen Hammer auch bestens gebrauchen, denn wenn man ihn kreisen läßt schmettert er so ziemlich alles nieder, was ihm in den Weg kommt. Man kann ihn auch aussenden und er kommt zurück. Darin liegt ein schönes Gleichnis: Denn der Fluch, welcher mit dem Hammer ausgeschickt wurde, kommt wenn man nicht aufpaßt, auch gleich wieder zurück.
Neben dem Hammer Mjöllnir, der Thor im Kampf gegen die Riesen und zur Eheschließung dient, besitzt er noch einen Kraftgürtel, ein paar Eisenhandschuhe und einen Stab. Diesen Stab, namens Gridavöllr schenkte ihm die Riesin Gridr - und somit ist er mächtig ausgestattet, um Götter und Menschen vor allmöglichen Feinden zu beschützen.

Vor einem Kampf rief man einst seinen Namen in die Kampfschilde und aus dem Widerhall versuchte man den Ausgang der Schlacht vorherzusagen.

Thor verleiht nicht nur auf der körperlichen Ebene Kraft. Er wird auch herbeigerufen, wenn es heißt, Runen zu weihen. "Thor weihe diese Runen" ist ein beliebter Spruch auf Runensteinen und Amuletten, manchmal reicht auch schon das Symbol seines Hammers (umgekehrtes T), um die Kraft in den betreffenden Spruch zu rufen. Hier begegnen wir einer wichtigen Tatsache: Odin ist zwar schlau und er hat auch die Runen gefunden, doch es braucht Thor, um ihnen Kraft zu verleihen.
Wie bei einem solchen Gott auch nicht anders zu erwarten, vermag er Unmengen zu essen und zu trinken. Sein gewaltiger roter Bart fällt neben seinem jugendlichen Aussehen und dem stechenden Blick besonders auf.

Der Donnerstag (Donars-Tag) ist der ihm geheiligte Wochentag, an dem er öfters zusammen mit Frigg auf die Erde kommt, um den Menschen einen Besuch abzustatten und vielleicht auch ab und an mal ein Bierchen mit ihnen zu trinken. (Esoteriker mag er übrigens nicht!)

Alle Götter bewegen sich auf Pferden zur Ratsversammlung, nur Thor zieht es vor, auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Mythologisch können wir Thor mit dem keltischen Taranis oder dem indischen Indra vergleichen.

Orte und Plätze, wie Donnersdorf oder Donnersberg verweisen uns auf den Sohn der Erde und seine Kraft ist dort besonders gut zu spüren.
Wenn es am Himmel blitzt und donnert, dann heißt es im Volksmund, Thor sei wieder mit seinem Wagen unterwegs. Beachtlich dabei erscheint mir, daá ein Gewitter, ebenso wie ein Wutausbruch, reinigende Funktion hat und Thor ja gegen die Feinde der Welt agiert.
Thor ist der Freund und Beschützer des einfachen Volkes. Menschen, die Heavy Metal oder Beethovens Fünfte mögen sind ihm lieber, als "Gandhis die noch nicht aus den Windeln heraus sind".
Wenn Dir Thor aus einer mißlichen Lage geholfen hat, sollte für ihn mindestens ein gutes Essen und ein groáes Bier bereit stehen!
In folgenden Edda Liedern kannst Du mehr über Thor erfahren:
Völuspa, Grimnismal, Harbardsljod, Hymskvida, Ägisdrecka (Lokasenna), Thrymskvida, Alvissmal, Gylfaginning, Skaldskarparmal.
Thors Beziehung zur Rune
Thurisaz kann wie folgt erklärt werden: Er ist der Kraftgott und kämpft gegen die Riesen. Die Riesen vertreten u.a. die Elementargewalten und werden im Futhark durch Thurisaz repräsentiert. Thor kämpft gegen Thurisaz. Er besitzt die gleiche Kraft und kann mit der Riesenkraft Thurisaz umgehen. Für uns Menschen braucht es dafür schon einige Erfahrung, sonst ist sie eine Nummer zu groß. Wer mit dem "Hammer" nicht umgehen kann, sollte lieber die Finger davon lassen, sonst haut er sich auf die mentalen Fingerchen und vor diesem Schaden kann man sich mit einer gesunden Selbsteinschätzung durchaus bewahren.