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HEIMDALL - BESCHÜTZER
DER REGENBOGENBRÜCKE
Wie ist Heimdall zu bezeichnen? Als der Neun Mütter Sohn und der Götter
Wächter, oder der weise Ase, Lokis Gegner, der Wiedererkämpfer Brisingamens.
Heimdalls Haupt heißt das Schwert, denn es wird gesagt, er sei mit eines Mannes
Haupt durchbohrt worden.
Von ihm handelt das [verlorene] Heimdallslied, und das Schwert heißt seitdem
manns Miötud [Messer, Schöpfer],
denn das Schwert ist des Mannes Miötud [Durchbohrer]. Heimdall ist Gulltopps [des Rosses] Besitzer, Wagaskers und
Singasteins [[Singasteinn = Zauberstein oder "singender
Stein"]] Heimsucher, weil er dort mit Loki um Brisingamen stritt; desgleichen
heißt er Windhler. - Skaldskaparmal 6.[C.8] Gylfaginning, 27:
Heimdall heißt einer, der auch der weise Ase genannt wird. Er ist groß
und hehr und von neun Mädchen, die Schwestern waren, geboren. Er heißt
auch Hallinskidi und Gullintanni, weil seine Zähne von Gold sind. Sein Pferd
heißt Gulltopp. Er wohnt auf Himinbjorg bei Bifröst.
Er ist der Wächter der Götter und wohnt dort an des Himmels Ende, um die
Brücke vor den Bergriesen zu bewahren. Er bedarf weniger Schlaf als ein Vogel
und sieht sowohl bei Nacht als bei Tag hundert Tagreisen weit; er hört auch
das Gras in der Erde und die Wolle auf den Schafen wachsen, mithin auch alles, was
einen stärkeren Laut gibt. Er hat eine Trompete, die Giallarhorn heißt, und bläst er hinein,
so wird es in allen Welten gehört.
Heimdalls Schwert heißt Haupt.
Heimdall [altnordisch Heimdallr, auch Heimdalr und Heimdali] bedeutet "Der, der die Welt beleuchtet." Dieser Gott nimmt
eine Wächterposition ein und steht in engem Zusammenhang mit dem Morgengrauen.
Dann, wenn die Welt noch frisch ist, sich die ersten Sonnenstrahlen in den durch
Tau benetzten Spinnenweben brechen, ist Heimdall-Zeit.
Er wird in den Quellen meistens als Schöpfer der Menschen dargestellt und als
Rig geht er auf die Erde und begründet, indem er mit den Frauen dreier Männer
schläft, die drei Stände.
Wenn die Welt und ihr Bestand bedroht sind, bläst Heimdall warnend in sein
Horn - dies könnte jedoch eine Übernahme aus dem Christentum sein, welche
uns an das Jüngste Gericht erinnert.
Seine ungewöhnliche Geburt durch die 9 Mädchen, welche Schwestern waren,
stellt für jeden Menschen ein individuelles Rätsel dar, was jedoch gar
nicht so schwer zu lösen ist. (Viel Spaß und fröhliche Erkenntnis!)
Sein Tier ist der Widder, (Analog selbstverständlich auch das Tierkreiszeichen
Widder, welches das Frühjahr einleitet.) der ihm geopfert wurde. Diese Verbindung
wirft Licht auf die Macht, welche Heimdall innewohnt. Man stelle sich nur einen
Widder als Wächter vor. Wer einmal mit einem solchen Tier Bekanntschaft gemacht
hat, wird wissen was ich meine.
Leider ist das Lied, in welchem wir sicherlich mehr über Heimdall erfahren
könnten, verloren gegangen und es sind nur noch zwei Zeilen übrig geblieben,
in denen von seiner Geburt durch die neun Schwestern die Rede ist. Diese beiden
Zeilen des Heimdallargaldr lauten:
n¡o em ek moethra mogr,
n¡o em ek systra sonr.
Heimdall können wir heutzutage begegnen, wenn wir die Regenbogenbrücke
in die Anderswelt passieren. Möglicherweise wird er uns dann prüfen und
uns nach seinem Ermessen Zugang gewähren oder nicht.
Er erinnert mich immer an einen freundlichen Oberförster, der mit der Natur
eng verbunden lebt und meistens auch zur Morgendämmerung, zur Heimdall-Zeit,
im Wald anzutreffen ist. Die heutige Bedeutung von Heimdall sehe ich als Bindungsglied
zwischen Erde und Himmel und Wächter der hiesigen Traditionen. Metaphorisch
könnte man ihn als religiösen Filter des nordischen Himmels betrachten,
der die Traditionen bewahrt und mit dem Wissen bereichert, welches im Einklang mit
dem Alten Wissen steht und sich verträgt.
Odin wird Vater Heimdalls genannt, wobei ich dies für eine neuere Betrachtungsart
halte, da der alte Himmelswächter sicherlich schon vor Odin eine große
Bedeutung hatte und erst durch den Machtgewinn Odins zu seinem Sohn wurde. Über
die Familienverhältnisse Heimdalls ist sonst leider nichts bekannt.
Wer einen poetischeren Zugang zu Heimdall sucht, der lese in der Edda in folgenden
Liedern nach: Rigsth£la; Gylfaginning; Grimnismal; Voluspa.
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