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LOKI - ANARCHIST DES
NORDENS
Ohne diesen Gott (wenn auch Einige seine Göttlichkeit in Frage stellen...)
gäbe es keine Fischerei! Er ist Erfinder des Fischernetzes, das dann eines
Tages gegen ihn selbst eingesetzt wird, wie das nunmal mit den hilfreichen Erfindungen
so ist, warum sollte es bei den Göttern auch anders sein, als bei uns Menschen.
Der schöne, aber böse und hinterlistige Loki ist Sohn des Riesen Farbauti,
seine Mutter heißt Laufey oder Nal, seine Brüder sind Byleistr und Helblindi.
Lokis Frau heißt Sigyn (Altnordisch = Freundin des Sieges), ein Sohn Nari
oder Narfi, der andere Vali.
Mit der Riesin Angrboda hat Loki drei Nachkommen: Den Fenriswolf (Fenrisúlfr),
die Midgardschlange (Jormungandr) und die Göttin Hel, welche wir bereits im
vorigen Abschnitt behandelt haben. Als Stute zeugte Loki mit dem Hengst Svadilfari,
Odins Götterpferd Sleipnir.
Jan de Vries schreibt zu Loki: (õ 501) In mehreren mythischen Erzählungen
erscheint Loki als der Begleiter von Thor: Im Gegensatz zu dem gutmütigen,
aber derb zuschlagenden Gott zeigt Loki einen verschlagenen Charakter. Dadurch gelingt
es ihm zuweilen, dem Donnergott in einem heiklen Abenteuer zu helfen, wie das in
der Thrymskvida erzählt wird. Hier begleitet Loki den als Braut verkleideten
Thor in die Wohnung des Riesen, der um Freyja geworben hat, und es gelingt ihm,
den durch Thors riesisches Gebaren geweckten Argwohn mit einer schlauen Ausrede
zu beschwichtigen.
... Wieder in einer anderen Rolle tritt Loki in der sogenannten Baumeistersage auf.
Sie wird von Snorri in der Gylfaginning erzählt und dient eigentlich dazu,
die Umstände von Sleipnirs Herkunft vorzuführen. Aus Strophe 40 der Hausdlöng
wissen wir, daá Odins Roß aus der Vereinigung von Loki und Svadilföri
geboren war. Die näheren Umstände berichtet Snorri:
Die Götter haben mit einem Riesen verabredet, daß er ihnen eine Burg
erbauen soll; der Riese hat sich als Lohn Sonne, Mond und Freyja ausbedungen, darf
als Hilfe aber nur sein Pferd benutzen. Loki hat diesen Kauf befürwortet. Als
aber der Riese vor dem festgestellten Termin fertig zu werden droht, weil sein Pferd
ihm übernatürliche Dienste leistet, wird Loki von den Göttern gezwungen,
der Katastrophe vorzubeugen; er verwandelt sich in eine Stute und lockt in der Nacht
das Pferd des Riesen von der Arbeit fort. So wird der Riese betrogen und als er
wütend auf die Götter losfährt, wird er von Thor zermalmt. ...
Der Inhalt dieses Mythus ist ganz derselbe wie der einer weitverbreiteten Volkssage,
die erzählt, wie ein dämonischer Baumeister an der Vollendung einer Arbeit
gehindert wird; sie heißt oft nach einigen bekannten skandinavischen Varianten
die Finn-Sage. ...
Loki läßt sich ähnlich wie sein Blutsbruder Odin, nur schwer begreifen.
Man pendelt immer zwischen den beiden Extremen Gut und Böse und wahrscheinlich
ist es die Aufgabe dieses Gottes, einem die geistige Idee dieser Polaritäten
ein für allemal auszutreiben, um den wahren Hintergrund zu verstehen und zum
einem im Menschen, wie in allem anderen Leben im Multiversum das wahre Sein zu erkennen,
welches sich immer in beide Richtungen entwickelt. Die Götter wären ohne
Loki auch nicht im Besitz ihrer wertvollen Kraftgegenstände:
... Die Götterkleinodien sind die Symbole der drei göttlichen Mächte,
die dem Aufbau der archaischen Gesellschaft entsprechen.
Die Erzählung [Snorra Edda 122-124] nennt zwei Gruppen; als die ursprünglichere
der beiden darf man betrachten: Draupnir, das Attribut Odins, Mjöllnir, Wahrzeichen
des Kriegergottes Thor, und Gullinborsti, Symbol des Wachstumsgottes Freyr.
Dumézil hat ähnliche Vorstellungen, wiewohl in jeweils verschiedener
Form, bei den meisten anderen indogermanischen Völkern nachgewiesen; es sei
zum Vergleich auf die irische Überlieferung von den Kleinodien der Tuatha Dé
Danann (des alten Göttergeschlechtes) verwiesen: Der Königsstein L¡a
Fail, das Schwert des Nuadu (der Speer des Lug) und der Kessel des Überflusses
von Dagda.
Der, der die Götter foppt, an der Nase herumführt und ihnen einige Süppchen
zum Auslöffeln vor die lange Nase stellt, liefert sinnvolle und unentbehrliche
Kraftgegenstände, zeugt sogar für Odin ein Roß.
Ganz so schlecht kann er also nicht sein. Er ist der Narr und vielleicht mit dem
liebevollen Familienvater zu vergleichen, der trotzdem seiner Frau nicht treu ist,
weil er seiner eigenen Anschauung und Art nach leben möchte, wobei dann wieder
die Frau, vielleicht eines Tages, die Unsinnigkeit des Menschenbesitzes einsieht.
Loki ist als der beste Lehrmeister unter den Göttern anzusehen. Er kann uns
durch seine unverständlichen Rätsel manche Nuß zu knacken geben
und bringt uns Nüßchen für Nüßchen weiter auf dem Weg
unserer inneren Entwicklung, unserem Weg der Reife, bis wir dann eines Tages vielleicht
zur großen Lehrmeisterin Hel, seiner Tochter kommen. Ja Loki können wir
als Lehrmeister des Lebens und Hel als Lehrmeisterin des Todes ansehen; es gibt
bestimmt keine besseren.
Allgemein wird Loki mit dem Feuer (Wortverbindung Loki zu Lohe) in Verbindung gebracht,
doch ist dies lediglich der hilflose Versuch einiger Esoteriker und Wissenschaftler,
etwas Unverstandenes zu begründen. Die reinigende Kraft des Feuers allein reicht
nicht aus um Loki zu erklären.
Loki ist der angeblich Schuldige am Tode Balders. Er war es, der dem blinden Hoenir
den Mistelzweig in die Hand drückte und sagte: Mach mal, dem kann sowieso nichts
passieren. Naja, und Hoenir machte es.
Herauszufinden wer denn nun der Schuldige ist, ist wieder eine typische Loki Aufgabe.
Er scheißt nämlich auf Moral und Ansichten, er fordert uns auf, uns unsere
eigenen Vorstellungen zu machen und sie immer wieder gründlich zu überdenken.
Das dieser Gott auch eine ganz besondere Beziehung zum derben humor hat, beweißt
die Geschichte von der Riesin Skadi, welche nach dem Tode ihres Vaters Thjazi tiefbetrübt
ist und nie mehr lachen will und eine Aussöhnung zwischen Göttern und
Skadi steht erst durch eine Trauerwende ins Haus.
So tritt Loki in Aktion, bindet das eine Ende einer Schnur um sein Glied und das
andere um den Bart einer Ziege; beide ziehen und schreien vor Schmerz, was der Skadi
so gut zu gefallen scheint, das sich das Lachen bei ihr wieder einstellt und Loki
ihr in den Schoß fällt.
Wer das Leben begreifen will, findet mit Loki einen Gott, der es einem von allen
Seiten zeigen und durch seinen (britischen) Humor in all seinen Varianten zu erklären
vermag. Mit grauslichem, festgefahrenen Ernst kommt man sowieso nicht mit dem Leben
zurecht, naja und wenn doch, dann ist eben der Gott Loki der falsche Gott für
diesen ernsthaften Sauertopf. Respektlosigkeit kann manchmal sogar eine Tugend sein.
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