Einführung in Hardangersóm
(Stickerei)

© Copyright deutsche Übersetzung: GardenStone, 1999.

 

Dies ist eine kurze (und extrem vereinfachte) Zusammenfassung des Hardangersóm, wie ich es verstehe. Ich bin immer noch bei der Erforschung dieser Dinge, also behaltet bitte im Kopf, daß meine diesbezügliche Gelehrsamkeit begrenzt ist.

Hardangersóm ist eine Stickweise, welche in der Hardangerregion Norwegens bis in die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann. Es stellt eine Mischung aus Schneidearbeiten und gezogener Fadenstickerei dar, welche sich wiederholende geometrische Motive beinhaltet. Ursprünglich umfaßte es sechs Stiche:
Kloster, Eyelet, Fagot, Webriegel, Spitzenfüller (Taubenauge) und ein verdrehter Kreuzfüller.
Hardangersóm wird traditionell "weiß auf weiß" ausgeführt; man verwendete Leinenfäden und -stoffe, die in der Hardangerregion hergestellt worden waren. Die Stickerei wurde in die Blusen und Schürzen des "Bunad" des traditionellen Festgewands der Frauen und ebenso in die Kragen und Manschetten festlicher Männerhemden eingearbeitet. Oft wurde die Arbeit in Form eines separat gesäumten und eingesetzten Bandes ausgeführt. Wenn das Kleidungsstück durchgetragen war, konnte das eingesetzte Band entfernt und auf ein neues Gewand aufgesetzt werden. Als die Menschen begannen, ihre traditionelle Kleidung aufzugeben, fingen die Stickereien an, auch auf Haushaltsgegenständen zu erscheinen (am meisten gegen Ende des 19. Jhdts. bemerkbar). Norwegische Immigranten brachten Hardangersóm nach Amerika.

Die Jahrhundertwende des 19. Jhdts. brachte eine große Veränderung der Stickereikunst (besonders in Amerika). Hardangerstickereien wurden von den viktorianischen Stickereiarbeitern, die immer nach etwas "Neuem und Ungewöhnlichem" suchten, begeistert aufgenommen. Die entsprechenden Firmen (DMC, J.P. Coats etc.) förderten diese neuen Interessen schnell. In der darauffolgenden Schlacht um Kunden produzierten die Textilfirmen Bücher mit Stickanleitungen und Stickmustern sowie Fäden und Grundmaterialien, welche eher auf Gewinnspannen und dem viktorianischen Geschmack denn historischer Genauigkeit basierten. Man förderte die Verwendung farbiger Fäden, und T. Buettner & Co. führten einen neuen, gleichmäßig gewebten Stoff ein, der heute exklusiv als Hardangerstoff bekannt ist. Zu diesem Zeitpunkt wurde fast jede Form von Schnitt- oder Zugarbeit miteinbezogen und als Hardangerstickerei beworben.

Seit etwa fünfzehn Jahren erlebt die Hardangerstickerei eine Renaissance. Wiederum bestimmen scheinbar Gewinnspannen, was man als Hardangerstickerei anzusehen habe, und zwar bis zu einem Punkt, wo «einfach alles geht. In den letzten Jahren gab es Bestrebungen, diese Kunstform in zwei Kategorien zu unterteilen: die traditionelle und die moderne Hardangerstickerei. Die traditionelle Form wird mit den ursprünglichen sechs Stichen weiß auf weiß oder beige auf beige auf Naturmaterialien ausgeführt (Leinen oder Baumwolle). Einige Traditionalisten erweitern dies auf neun Stiche und fügen die Knopflocheinfassung, Tau- und Picotstiche hinzu. Auch gibt es nach wie vor Auseinandersetzungen darüber, wie streng man den Begriff "traditionell" zu interpretieren habe. Die moderne Form scheint alles zu beinhalten, was der Künstler ausführen möchte ..

Hardangerstickerei ist eine überraschend einfach zu erlernende Stickform. Mit etwas Aufmerksamkeit für Einzelheiten und der Fähigkeit zu zählen kann bereits ein Anfänger sehr beeindruckende Stücke erstellen. Ich habe diese Stickform Mädchen in der Junior High School beigebracht, es kann also nicht sooo schwer sein.

Sigrid


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