Connlas Entrückung


Einst ging Connla an der Hand seines Vaters Conn auf den Hügel von Uisnech. Da sah er eine Frau auf sich zukommen, die ein wundersames Kleid trug. Sie sprach Connla an, und er antwortete ihr. Conn verwunderte sich; denn nur Connla erblickte die Frau. So fragte er seinen Sohn, mit wem er rede.

Da sagte die Frau zu dem Vater: „Er spricht mit einer Frau, die Jung, schön und edel ist, die weder Tod noch Alter erwartet. Ich habe Connla den Roten lieb. Ich rufe ihn in die Selige Ebene, wo Buadach auf ewig König ist.
Nicht Leid noch Jammer gibt es in seinem Lande, seitdem er regiert. Komm mit mir, Connla, du Roter, du farbig Glühender, du strahlend Glänzender, du mit dem goldenen Haarschopf über deinem Antlitz! Purpurn wird deine Gestalt leuchten, wenn du mich begleitest. Dein Leib wird nie und nimmer welken, Jugend und Schönheit dir nimmer vergehen!"

Als er diese Rede vernahm, erschrak Conn. Er beschied seinen Zauberer zu sich und befahl ihm, die Sidhefrau mit einem machtvollen Spruch zu verJagen. Und so geschah es. Niemand hörte mehr die Stimme der Frau, Connla sah sie nicht mehr. Sie hatte aber bei ihrer Flucht dem Knaben einen Apfel zugeworfen; einen Monat lang verweigerte er Speise und Trank und aß nur von dem Apfel. Die Frucht nahm Jedoch nicht ab.

Nach einem Monat ward in Connla das Verlangen übermächtig, die Frau wiederzusehen. Und eines Tages, als er abermals neben seinem Vater daherschritt, erblickte er sie. Und sie sprach: „Siehe, da weilt nun Connla zwischen vergänglichen Sterblichen und wartet auf den greulichen Tod. Dich laden die ewig Lebenden zu sich! Dich rufen ins Reich der Geister sie, die dich täglich unter deinen Verwandten, zwischen deinen lieben Gefährten sehen!"

Es verwunderten sich alle, daß Connla zu niemandem mehr sprach, wenn die Frau ihm erschienen war. „Connla", fragte sein Vater, „haben die Worte der Frau Macht über dich gewonnen?" „Es wird mir nicht leicht", antwortete der Knabe, „ich habe die Meinen über alles lieb; aber die Sehnsucht nach dieser Frau hat mich ergriffen!" Darauf sprach die Frau wieder: „Connla, komm, wir wollen zusammen in meinen gläsernen Wagen steigen und zu Buadachs Wohnung fahren! In ein fernes, herrliches Land fahren wir, wo die helle Sonne untergeht, auch wenn wir ihm lange vor Einbruch der Nacht nahen. Es ist das Glückselige Land, das jedes Herz bezaubert. Nur Frauen und Jungfrauen wohnen dort!"

Nach diesen Worten der Frau tat Connla einen Sprung in den gläsernen Wagen. Die Zurückbleibenden sahen ihn fahren, so weit das Auge reichte. Dann fuhren die beiden ins Meer hinein und wurden nie mehr gesehen. Seitdem hatte Art, Conns ältester Sohn, keinen Bruder mehr.


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