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Das Keltentum:
Glaube, Religion und Kultur
Tuan
McMyrddinn
©Tuan McMyrddinn
Geschrieben für Publikation auf Boudicca's Bard
Schriften
über die Celten zu verfassen ist für ein Mitglied der celtischen Gemeinschaft
( hier ab jetzt einfach Celtoi genannt sehr schwer, was zum einen daran liegt, dass
allen Celtoi die Schrift verboten ist (eine Regel die verhindern sollte,
das einmal aufgeschriebenes Wissen verloren geht oder vergessen wird.), zum anderen
darauf zurückgeht, daß nur eine sehr geringe Anzahl von Celtoi in alter
celtischer Tradition erzogen worden sind.
Triskel

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Es ist allerdings so, daß es
ein immer größeres Interesse der Öffentlichkeit gibt, etwas über
die Celtoi zu erfahren, was dann zu dem Problem führt, welches sehr einfach
zu beschreiben ist:
Das
Reich der Celtoi war viel größer, als das des römischen Reiches,
aber nur, wenn man es als Gesamtes betrachtet und nicht in seiner Struktur.
Die Celtoi bildeten unzählige Clans und bildeten so kleine unabhängige
Gebiete, welche nur durch den Bezug auf die gleiche Kultur miteinander verbunden
waren.
Hier ist es also logisch, warum es so viele mehr oder weniger unterschiedliche Versionen
der »Glaubensauslegungen und der Kultur« gibt.
Alle
hier niedergeschriebenen Sachverhalte usw. entstammen der mündlichen Überlieferung
oder aus Buchquellen. Alle diese Informationen stellen aber nur einen kleinen Teil
einer großen Kultur dar, denn es ist längst nicht alles niedergeschrieben
worden, und es werden auch viele Fragen offen bleiben .
Ursprung
Ihre
Geschichte beginnt wohl auf im Vorderindischen bis in den Kaukasischen Bereich liegenden
Gebieten, eben dem wahrscheinlichen Ursprungsgebiet der indoeuropäischen Völker,
denen sie angehören. Woher diese nun kamen, kann bis heute nicht wissenschaftlich
erklärt werden.
Wir
müssen also an dem Punkt ansetzen, als die Individualisierung der verschiedenen
Kulturstämme, wie z.B. der Kelten, Germanen, Slawen und der verschiedenen Mittelmeerkulturen,
einsetzte. Von hier aus nun zogen jene Stämme, die später die "keltische"
Kultur darstellen sollten, aus, um das Gesicht Europas zu verändern.
Nachdem
Eis und Kälte, "der unsichtbare Feind" der Überlieferung, sich
aus den Europäischen Ländern zurückgezogen hatten, machten sich verschiedene
Stämme auf, das nunmehr frei gewordene Land im Westen in Besitz zu nehmen.
Während jene Stämme, die eine nördliche Route einschlugen, später
unter dem Begriff "Germanen" zusammengefaßt wurden, erhielten die
Stämme, welche nach Westen und Südwesten zogen, die Bezeichnung "Kelten".
Diese Gruppen beeinflußten mit ihrem Zug durch den nördlichen Mittelmeerbereich,
den Balkan, die Alpengebiete bis Mitteleuropa, Frankreich, Spanien bis zu den Britischen
Inseln die dortigen Kulturen und vermischten sich mit diesen.
Auf
ihrem Weg zu den endgültigen Siedlungsgebieten hinterließen sie in den
Mythen der verschiedensten Völker ihre Spuren, ebenso wie diese in den Keltischen
Mythen Einzug hielten. So lebten sie in der Griechischen Geschichte als "Streitaxtleute"
fort, später fanden sie sich als "letzter Zug aus Troja", auf die
sich die "Söhne des Mile" berufen. Spaniens Mythen sprechen von einem
Kriegerstamm aus dem Osten kommend, der das Land von einer Tyrannei befreit haben
soll. Das reichste Mythenmaterial entstand jedoch bei der Besiedlung der Britischen
Inseln, dabei sind wohl vor allem die "Fomoráin", die "Thuátha
de Danán" und die "Picti" und Ur-"Scoti" zu nennen.
Die
Keltischen Gruppen, die sich schon auf dem Festland niederließen, also die
Ostkelten des Balkans, die Lepontischen und Helvetischen Gruppen sowie die Hispano-Kelten
verschmolzen recht schnell mit anderen Stämmen zu eigenständigen Kulturen.
Die Gallier ließen sich nach der Niederlage durch Cäsar bei Alesia schnell
romanisieren, die Bretonen allerdings, nach denen die Bretagne benannt ist, behielten
ihre Eigenständigkeit teils bis heute bei. Die Inselkelten, hierunter fallen
die Gälen Irlands und Schottlands, die Cymrer und Cornen in Wales, die Picten
Schottlands, der Orkneys und Irlands und die Britonen, die ein auf die Insel übergesetzter
Teil der Bretonen sind, vor langer Zeit dem Druck nachfolgender Stämme nachgebend,
eben diese Inselkelten führten ihre Kultur weitgehend unbeeinflußt von
Außen in die heute bekannte Hochkultur fort.
Die
geographische Lage isolierte nämlich diese Regionen von den großen Veränderungen
auf dem Festland, so kamen Ausläufer des römischen Reiches nur bis in
Britonisches Gebiet. Erst lange Zeit später, mit den Angeln und Sachsen in
Britannien und dann den Wikingern und Normannen auch in den anderen Regionen, bis
Irland hinein, erfuhr die Keltische Kultur auf den Inseln wieder neue Einflüsse
von Außen.
Kultur
Wir
wollen nun das eigentliche "Keltentum" betrachten; hierzu sei nochmals
angeführt, daß der Begriff sich nicht auf den "Stamm" der Kelten
bezieht ( von Celtoi > "Heroen" ), sondern für alle Stämme
"Keltischer Kultur" gilt.
Die
eigentliche Ordnung der Keltischen Gesellschaft basiert auf zwei Grundsätzen,
nämlich erstens dem Clansgesetz und zweitens dem Glauben.
Das
Clansgesetz regelte alle materiellen Angelegenheiten, während alles, was darüber
hinausging, durch die Hüter des Glaubens und der Geschichte behandelt, geprüft
und entschieden wurde, den Druiden, weisen Frauen und Barden. Man kann also von
einem sehr fest gefügten System sprechen, das sich in einer Art horizontaler
Hierarchie manifestierte:
Durch
den Glauben bestimmt, wurde jeder Einzelne als Teil eines Ganzen betrachtet, er
nahm also den Platz ein, der nach seiner Bestimmung und nach seinen Fähigkeiten
für ihn vorgesehen war. Herkunft oder Geschlecht blieb dabei unberücksichtigt,
der Rahmen der Natur zählte. Als Beispiel dazu kann man die staatliche Organisation
anführen:
Viele
Clans bestimmten zum besseren Schutz einen Clansführer, diese wählten
wiederum einen Clanslord für einen Landstrich und die Versammlung der Clanslords
eines Landes bestimmten nun den Landeskönig. Diese bestimmten einen Hochkönig.
Dieser konnte, ebenso wie die "Unter-"Könige, Lords und Führer,
jederzeit wieder abgewählt werden. Die Abstammung war eben auch hier unwichtig,
die Einzelperson zählte.
Der
Grundgedanke dieser Ordnung war also der, daß der, der sich, im Rahmen seiner
Natur, als Einzelperson individualisiert und sich so selbst »gerecht«
wird, dem Kollektiv dient.
Man
wird sich selbst gerecht, indem man all das, was man kann oder wo man ein Talent
hat, weiterbildet oder anwendet.
Clansmänner
und -frauen dachten nie in Begriffen wie "Gesellschaft", "Stand"
oder "Klasse", jeder dachte "nur an sich", im Rahmen einer vom
Naturbegriff geprägten Gedankenwelt, und stand damit an seiner Stelle in der
Gesamtheit aller ebenso Denkenden.
Die
indoeuropäische Grundstruktur, das gleichwertige Nebeneinander einer weiblichen
Erdgottheit und einer männlichen des Himmels, blieb auch bei den Kelten erhalten.
Mit Besiedelung und Landwirtschaft gewann die Leben hervorbringende Mutter Erde
im Alltag des Kelten jedoch so stark an Gewicht, daß aus heutiger (patriarchalischer)
Sicht die Keltische Gesellschaft als matriarchalische gedeutet wird.
Somit
genoß die keltische Frau zwar eine passive, aber auch höhere Stellung
als der Mann. Worte wie Emanzipation oder Gleichberechtigung war dem Clansmenschen
zwar fremd, da sie ja schon aus ihrem Glauben und ihrer Lebensphilosophie heraus
alle gleichwertig waren, doch anders als der Mann konnte die Frau neues Leben hervorbringen,
was ihr eben jene besondere Stellung innerhalb des Clans gab.
Der
Glaube
Die Mystik und Religion der Keltischen Stämme scheint auf den ersten Blick
äußerst kompliziert und verworren, wie eines ihrer so kunstfertig gefertigten
Schlingmuster, doch dieser Schein trügt.
Um
sie zu verstehen, müssen wir zunächst eine grundsätzliche Trennung
zwischen Glaube und Religion vornehmen und diese für sich betrachten:
Der
Glaube ist das grundsätzliche Wissen um die Natur und ihre Gesamtbeziehung
zu jedem einzelnen Kelten. Er besitzt dafür ein Symbol zur ständigen Erinnerung.
Das "Triskell".
Es
verkörpert für ihn das Entstehen, das Sein und das Vergehen. Es ist das
Zeichen der "Großen Mutter", der Natur. Also ist es wichtig für
den Einzelnen, diesem Lauf zu folgen, seinen Platz innerhalb des Gesamten einzunehmen.
Auf
der Basis dieses Glaubens verfolgt also jeder seine eigenen Ziele. Da er sich aber,
wie alle anderen, an die Gesetze der Natur hält, wird er jenen Platz einnehmen,
den die Natur für ihn vorgesehen hat und an dem er wiederum durch dieselben
Gesetze geschützt ist. Daraus erklärt sich dann auch der keltische Schicksalsbegriff.
Also
baut sich auf der Individualität des Einzelnen das Kollektiv der gesamten Gesellschaft
auf. Mit diesen Voraussetzungen braucht man keine religiöse Organisation im
Sinne einer "Kirche", denn jeder geht seinem Glauben höchst persönlich
nach, man muß sogar sagen, jeder zeigt seinen Glauben dadurch, daß er
am Leben ist und dieses seiner Natur gemäß führt. Der Glaube im
Keltischen ist also kein katechistischer, sondern im Gegenteil, eine Lebensführung
an und für sich.
Die
Religion
Innerhalb des Ganzen, also der Natur, gibt es Kräfte, die als besonders anzusehen
sind, so z.B. Blitz, Feuer, Klang, Heilung usw. . Um mit solchen Kräften umzugehen,
bedurften sie Namen; Namen, welche ihnen von den Hütern der Gesetze, den Druiden
gegeben wurden. Sie sind nun Hüter, Rächer, Helfer, Führer. Aus ihnen
setzt sich die Religion zusammen. Diese Kräfte sind nicht Götzen oder
Götter im Griechisch-Hellenistischen Sinne. Dort sind sie eigenständige
Wesen außerhalb der Grenzen der Natur, hier sind sie besondere Teile der Natur
mit eigenständiger, individualisierter Handlung in derem Rahmen, wie der Mensch
selbst.
Jene
Regeln zu kennen und auszuführen, um mit ihnen zu kommunizieren, sie um Hilfe
zu bitten oder gar ihnen zu befehlen, oblagen einzig und allein den Priestern.
Bei
der Betrachtung der keltischen Hierarchie zeigen sich Clansmann und Clansfrau, also
Siedler, Krieger, Händler, dann die Clansführer und Könige und die
Druiden, weisen Frauen und Barden und Poeten.
Der
"Beruf" des Druiden war nichts Besonderes, sondern einer unter vielen,
eine Betätigung auf einem bestimmten Aufgabengebiet. Allerdings auf einem Aufgabengebiet,
das viele Bereiche umfaßte:
Gesetzeshüter,
Berater, Zeremonienmeister, Priester, Landschaftspfleger, Tier- und Pflanzensachkundiger,
Seher, Chronist, Schiedsrichter, Lehrer, Geschichtenerzähler und vieles andere.
Durch
diese vielfältigen Arbeitsgebiete konnte wiederum der Grundsatz, daß
jeder das tue, was er am besten kann, eingebracht werden, und so wurde der einzelne
Druide je nach Neigung speziell ausgebildet. Damit gliederten sich auch die Druiden
in die "Gesellschaft von Spezialisten" ein.
Druide
zu werden war Berufung: Der amtierende Druide sah sich die Jungmannen eines Dorfes
oder Landstriches an und erkundigte sich über sie. Nach Eignung wählte
er dann einen von ihnen als Schüler. So übertrug sich das gehütete
Wissen von Generation zu Generation und wuchs mit der Erfahrung jedes einzelnen
Druiden.
Quellennachweis
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Ltd., London
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Matthews,
John "Taliesin" The Aquarian Press,
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MacCrossan,Tadhg
"The
Sacred Cauldron"
LLewellyn Publications Inc. St.Paul MN USA
Fitzpatrick,
Jim "The
Book of Conquest"
Dragon's World Lmt. Limpsfield
Fitzpatrick,
Jim "The
Silver Arm"
Dragon's World Lmt. Limpsfield
Lengyel,
Lancelot "Das
geheime Wissen der Kelten"
Bauer Verlag Freiburg
Markale,
Jean "Die
Druiden"
C.Bertelsmann Verlag München
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