Brennos:
Einführung in die Keltologie


Mag.phil. Raimund Karl
Mit Zustimmung aufgenommen auf Boudicca's Bard


Auf dieser Seite wollen wir eine Einführung in die verschiedenen Wissenschaften geben, deren Forschungen in der Keltologie Anwendung finden. Es handelt sich dabei primär um die folgenden:Archäologie, Geschichte (allgemein), Geschichte des Altertums, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Neuere Geschichte, Musikwissenschaft, Numismatik, Religionswissenschaft, Soziologie und Sprachwissenschaft (primär keltische, die es aber nur sehr selten als solche eigenständig gibt, ansonsten Indogermanistik).

Ausserdem soll auf dieser Seite auch eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der keltischen Kultur gegeben werden.



Archäologie

Die erste Wissenschaft aus dem Bereich der Keltologie, die hier behandelt werden soll, ist die Archäologie. Die Archäologie versucht, aus Fundobjekten und deren Fundumständen, ein Bild einer Kultur zu zeichnen. Hierzu werden normalerweise Ausgrabungen unternommen, bei der Fundumstände möglichst exakt aufgenommen werden, und zwar in Form von verbaler Beschreibung, Zeichnung und Photographie. Die Funde werden ebenfalls gezeichnet und verbal beschrieben, seltener auch photographiert. Dann wird versucht mittels der Funde selbst und, sofern genügend Geldmittel für naturwissenschaftliche Untersuchungen vorhanden sind, auch mittels naturwissenschaftlicher Altersbestimmung versucht, die Funde und ihre Begleitumstände zu datieren.
Aus der Interpretation der Fundumstände wird dann versucht, ein Bild der Kultur, sowohl der materiellen als auch wo möglich der geistigen, die dahinter steht, zu gewinnen.

Für die keltische Archäologie sind mehrere Gebiete und mehrere Zeiten interessant. Zu Beginn steht die Hallstattkultur, vor allem deren westliches Verbreitungsgebiet, das sich zwischen Frankreich, West- und Süddeutschland und der Schweiz erstreckt, gefolgt von der Latenekultur, die sich über den beschriebenen Bereich hinaus auch auf die britischen Inseln im Nordwesten, Spanien und Portugal im Südwesten, Italien im Süden, den nördlichen Balkan, Rumänien und Polen im Osten, mit einem einzelnen Auftreten auch in Galatien in der Türkei und im Nordosten nach Norddeutschland und Ostdeutschland ausbreitet und somit das weiteste Verbreitungsgebiet der keltischen Kultur darstellt.
Danach folgt ein Rückzug auf die britischen Inseln, während der römischen Periode sogar nur auf Schottland und Irland, mit einer erneuten Ausbreitung auch auf England, Wales und die Bretangne in der Völkerwanderungszeit, schon zu ieser Zeit aber auch wieder mit Gebietsverlusten, vor allem in England.
Im Mittelalter verbleibt die keltische Kultur dann in diesem Rückzugsgebiet, mit andauernden, wenn auch minimalen Gebietsverlusten an germanische Gruppen, vor allem Angeln und Normannen, aber auch Wikinger.
In der frühen Neuzeit geht das Verbreitungsgebiet der keltischen Kultur noch weiter zurück. Damit endet der Zeitraum, in dem Archäologie normalerweise für Untersuchungen von Kulturen herangezogen wird.


Einführung in die Geschichte der keltischen Kultur

Im folgenden soll noch eine kurze Zusammenfassung über die Geschichte der keltischen Kultur von ihren Anfängen bis heute gegeben werden.


Die Entstehung der keltischen Kultur

Die Enstehung der keltischen Kultur ist im Augenblick stark umstritten. Es gibt zwei hauptsächliche Theorien. Die erste geht von einer Enstehung um ca. 750 vor Christus im Bereich der sogenannten westlichen Hallstattkultur aus. Zu dieser Zeit entstehen grosse Höhensiedlungen, häufig als "Fürstensitze" bezeichnet, die auf eine verstärkte Strukturierung der Gesellschaft und ein erhöhtes Repräsentationsbedürfnis der herrschenden Schicht oder der ganzen Bevölkerung hinweisen. Gleichzeitig werden auch besonders reiche Gräber unter Riesengrabhügeln angelegt, die of als Fürstengräber interpretiert werden, und in denen sich Mitglieder der Oberschicht bestatten liessen. Noch während dieser Zeitspanne kommt es auch zu einem verstärkten Kontakt mit dem Mittelmeerraum, vor allem durch die Gründung der griechischen Kolonie Massalia um 680 v.Chr. Von Massalia aus das Rhonetal hinauf findet nun ein Handel mit mediterranen Luxusgütern statt, die auf den Fürstensitzen und in den Fürstengräbern als Funde auftauchen und die darauf hindeuten, daß diese mediterranen Güter zumindest zum Teil auch als Statussymbole für diese herrschende Schicht dienten. Noch in diese Periode, die bis ca. 450 v.Chr. dauert, fallen auch die ersten historischen Nachrichten über Kelten. So berichtet uns Herodot, der große griechische Geograph des 6. Jhdts. v.Chr., daß im Hinterland von Massalia Völker lebten, die sich selbst als Kelten bezeichneten. Er spricht auch davon, daß sie an den Quellen der Donau, nahe einer Stadt namens Pyrene wohnen.

Die zweite, ältere Theorie geht davon aus, daß sich die keltische Kultur erst entwickelte, nachdem die Hallstattkultur zu Ende war. Sie geht davon aus daß die keltischen Stämme, die bei Herodot erwähnt werden entweder eine spätere Interpolation darstellen, oder aber daß es sich dabei um den "Eigennamen" der Stämme handelt, diese aber erst später das entwickelten was allgemein unter keltischer Kultur verstanden wird. Diese Entwicklung setzen die Anhänger der zweiten These um 450 v.Chr., am Beginn der sogenannten Latenekultur, an. Zu dieser Zeit werden die meisten der "Fürstensitze" der Hallstattkultur niedergebrannt und auch die Sitte, "Fürstengräber" anzulegen, hört auf. Viele Forscher nehmen hier eine "soziale Revolution" an, die die vorkeltische Gesellschaft in eine keltische umwandelte, und gleichzeitig damit die Enstehung einer Kunstform, die die charakteristischen Elemente keltischer Kunst festlegt, die bis heute erhalten blieben. Diese Entwicklung findet vermutlich zuerst im Bereich zwischen Mitteldeutschland, Westböhmen, Westösterreich, Süddeutschland, der Ostschweiz und dem östlichen Frankreich statt.


Kulturgeschichte des keltischen Altertums

1. Historische Entwicklung

Nach ihrem ersten Auftreten in den historischen Quellen im 6. Jahrhundert vor Christus erfährt man die nächsten gut 100 Jahre nichts mehr von ihnen. Das erste mal deutlich ins Licht der Geschichte treten keltische Stämme am Beginn des 4. Jahrhunderts vor Christus, als eine starke keltische Einwanderungswelle nach Norditalien kommt und dort die etruskischen Städte erobert. Die Stämme der Boier, Semonen und Insubrer siedeln sich in der Poebene an, wo sie die unter anderem die Sttadt Mediolanum, das heutige Mailand gründen. Ebenfalls noch zu Beginn des 4. Jahrhunderts vor Christus, im attischen Jahr 387/386 vor Christus, versetzen die oberitalienischen Kelten den Römern den wohl schwersten psychologischen Schlag in der Geschichte Roms überhaupt.
Nach der Schlacht am Fluss Allia, an dem die römischen Legionen vernichtend geschlagen werden, gelingt es den Kelten unter ihrem Heerführer Brennos, die Stadt Rom selbst zu erobern, die einzige Ausnahme hier bildet das Kapitol, wo sich die Römer erfolgreich verteidigen. Dennoch müssen sie schließlich den Abzug der Kelten mit hohem Tribut bezahlen.

Dieses Ereignis fällt in die erste Expansionsphase der keltischen Kultur in Europa. In dieser Phase wird, ausgehend vom Gebiet zwischen Mitteldeutschland, Ostböhmen und - Oesterreich, Süddeutschland, der Nordostschweiz und Ostfrankreich, ein Gebiet keltisiert, daß sich von Südengland und Norddeutschland über Polen, Rumänien, Ungarn, Slowenien, Norditalien, Nordspanien bis an die Atlantikküste erstreckt. Dabei sollte man sich diese Keltisierung jedoch nicht unbedingt als kriegerische Eroberung vorstellen, eher im Gegenteil scheint es in den meisten Gebieten mit Ausnahme von Norditalien und später Galatien großteils eher eine friedliche Übernahme der keltischen Mode und Lebensweise gewesen sein. In diesen Zeitabschnitt fallen auch noch der Bericht von Aristoteles über das Treffen Alexander des Großen mit Kelten am Unterlauf der Donau, die zeigen, daß auch dieses Gebiet bereits teilkeltisiert war und der Vorstoß der Kelten, neuerlich unter einem Heerführer Brennos, nach Griechenland bis nach Delphi, das nur knapp einer Plünderung entging und dann von dort aus weiter nach Kleinasien, wo sie als Galater bekannt wurden.

Ab ca. 300 vor Christus setzt eine neue Phase ein. Zwar wird der Einflussbereich der Kelten in manchen Bereichen Europas noch weiter ausgeweitet, in anderen beginnt die keltische Kultur bereits, Gebiete zu verlieren. In dieser Phase findet eine Expansion des keltischen Einflußes nach Nordwesten hin statt, Großbritannien und in folge auch Irland dürften in dieser Phase keltisiert werden. Andererseits beginnen die Römer in dieser Phase mit der Eroberung der Gallia Cisalpina, also den keltischen Gebieten in der Poebene, die bis Mitte des zweiten Jahrhunderts vor Christus auch vollständig unter römische Kontrolle gebracht wird.

Ab ca. 150 vor Christus beginnt endgültig der Abstieg der keltischen Kultur in Kontinentaleuropa. Römische Eroberungen noch im zweiten Jahrhundert vor Christus bringen den Balkan und Südfrankreich sowie Spanien unter römischen Einfluß, während auch im Norden germanischer Druck stätig wächst und die Gebiete östlich des Rheins langsam germanisiert werden. Im ersten Jahrhundert vor Christus findet dann die kontinentalkeltische Kultur endgültig ihr Ende.
Um 50 vor Christus wird Gallien bekanntermaßen von Cäsar erobert, wodurch das freie keltische Gebiet in Kontinentaleuropa fast nur mehr auf den Alpenraum und Böhmen und Ungarn beschränkt ist. Ungefähr 40 vor Christus unterliegen die Boier den germanischen Dakern, danach wird auch Böhmen langsam germanisiert.
Den Schlußpunkt für freie keltische Kultur in Kontinentaleuropa bildet der Alpenfeldzug von Tiberius und Drusus und die gleichzeitige Annexion des Königreichs Norikum durch die Römer im Jahr 15 vor Christus.

Das endgültige Ende für die keltische Kultur des Altertums stellt die Annexion des größten Teiles von Großbritannien gegen 70 nach Christus dar. Von da an gibt es nur noch ein Nachleben der keltischen Kultur des Altertums in den römisch besetzten Gebieten sowie in den freigebliebenen Rückzugsgebieten in Schottland und Irland. Erst nach dem Ende der römischen Besetzung gibt es in vielen dieser Gebiete ein kurzes, erneutes Aufleben einer romano-keltischen Kultur, die jedoch bereits die Entwicklung hin zum Frühmitelalter einleitet.


2. Nahrung, Kleidung, Hausbau

Das Leben des typischen Kelten des Altertums war das eines Bauern. Der Haupterwerb des großteils der Bevölkerung dürfte aus dem Ackerbau und der Viehzucht gekommen sein. Auf den Feldern, die eventuell bereits in Dreifelderwirtschaft bestellt wurden, baute man Emmer, Einkorn, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer sowie Ackerbohnen und andere Feldfrüchte. Der Großteil der Nahrung dürfte sich daraus und aus Milchprodukten zusammengesetzt haben.
Zusätzlich zu den Erträgen der Äcker und den Milchprodukten konnten auch die Tiere selbst als Nahrung dienen. Auf keltischen Siedlungen wurden bisher Rind, Schwein, Schaf und Ziege, Pferd, Hund und Huhn/Gans festgestellt, ergänzt durch Wildtierknochen von Rotwild, Wildrind, Wildschwein und Bär. Fischereierträge konnten bisher nicht direkt sondern nur durch die Funde von Netzsenkern für Fischernetze nachgewiesen, es ist aber anzunehmen, daß die Kost auch dadurch ergänzt wurde. Hauptsächliche Getränke waren wohl Wasser und Milchprodukte, im Herbst eventuell auch Fruchtsäfte und als primäres alkoholosches Getränk das Bier, für das uns aus dem altkeltischen mehr als 20 verschiedene Bezeichnungen wie Cervisia, Curmi und Curu bekannt sind.

Die Kleidung der Männer bestand aus einer Hose, genannt Bracä, einem einfachen Hemd sowie einem wollenen Umhang, laut Plinius einem dünnen im Sommer und einem dicken im Winter, der Sagum oder auch Mantellum genannt wurde. Der Umhang wurde vor der Brust oder an der Schulter von einer oder mehreren Fibeln (eine unserer Sicherheitsnadel ähnliche Konstruktion) gehalten. Die Kleidung war mit Karo- und Würfelmustern verziert, sodaß sie vermutlich dem schottischen Tartan nicht unähnlich gesehen haben dürfte. Die Hose wurde von einem Gürtel gehalten, der im Fall von reicheren Personen mit einer metallenen Schnalle verziert sein konnte. Ebenfalls zu Ausrüstung gehörten Schnabelschuhe, die ebenfalls mit Metallschnallen verziert sein konnten. Je nach Reichtum und sozialem Stand trugen die Männer auch Schmuckstücke, vor allem Armringe aus Metall, Glas oder Stein, aber auch Finger- und Fussringe, und im Fall von Personen edler Abstammung auch den berühmten keltischen Halsring, den Torques. Die Standardbewaffnung des keltischen Mannes war Speer, Gäsum genannt, Lanze, Lancea genannt und Schild, eventuell auch noch ein Waffenrock aus gestepptem Stoff oder Leder. Reichere Männer konnten sich auch ein Schwert leisten, wirklich reiche auch einen Helm und die Spitze der Gesellschaft trug als zusätzliche Verteidigungswaffe auch ein Kettenhemd. Während der frühen Zeit (5. bis 3. Jahrhundert), besaß der Krieger vermutlich auch noch einen Streitwagen, ab dann stiegen die kontinentalen Kelten auf Kavallerie auf Kosten des Streitwagens um.

Die keltischen Frauen trugen vermutlich einen langen, bis kurz über den Knöchel reichenden Rock, ebenfalls ein einfaches Hemd und denselben Umhang wie auch die Männer. Auch sie benutzten eine oder mehrere Fibeln, um den Umhang an der Schulter oder vor der Brust zusammenzuhalten. Der Rock wurde auch von einem Gürtel gehalten, bei reicheren Frauen konnte er entweder auch einen elaboraten metallenen Gürtelhaken aufweisen, zu gewissen Zeiten gibt es sogar ganz aus Metall bestehende Gürtelketten. Auch Frauen trugen vermutlich Schnabelschuhe, ebenfalls bei reicheren mit metallenen Schnallen verziert, und ebenso wie die Männer nur in noch stärkerem Maß, Schmuck. Regelhaft kommen in Frauengräbern mehrere Armringe aus Metall, Glas und/oder Stein vor, ebenso gibt es häufig Finger- und Fußringe und in manchen Fällen trugen auch Frauen einen Torques.

Genauere Informationen zu Hausbau und Siedlungswesen finden sie hier.


3. Soziale und politische Organisation

Zur sozialen Organisation der keltischen Bevölkerung im Altertum stehen uns nur wenige Quellen zur Verfügung. Cäsar, die primär in dieseem Zusammenhang zitierte Authorität, berichtet uns, daß es in Gallien nur drei Schichten von Menschen gab. Die erste waren die Druiden, die Recht sprachen, die religiösen Zeremonien leiteten und Wahrsagten sowie Beraterfunktion im Staatswesen hatten.
Die zweite waren die Ritter, die die kriegerische Elite darstellten und die Führung der Stämmen in politischen Belangen überhatten.
Die dritte war das einfache Volk, das in Abhängigkeit des Adels stand und fast keine eigenen Rechte hatte. Dieses Bild kann jedoch durch die Archäologie nicht hundertprozentig unterstützt werden, es scheinen sich mehr soziale Schichten abzuzeichnen. Auch kommt man, wenn man die Berichte der antiken Autoren --- mit den archäologischen Ergebnissen und den insularen Überlieferungen von Rechtstexten vergleicht, zu einem Bild, das sich mit Cäsars Bericht nur zum Teil deckt.

Tatsächlich scheint die Basiseinheit der keltischen Bevölkerung schon im Altertum eine Gruppe gewesen zu sein, die der irischen Fine, einer Art Großfamilie, entspricht. Diese dürfte ein Familienoberhaupt besesssen haben, das dem irischen Ceannfine (Kopf der Familie) entspricht, und der sich in kleineren Gräberfeldern in Böhmen als die einzige Person in einer Generation abzeichnet, die ein Schwert als Grabbeigabe aufweist. Diese Familieneinheiten standen vermutlich in einem Klientelverhältnis, in seinen Formen vergleichbar dem irischen Clientship-System, zu einem oder mehreren niedrigrangigen Adeligen, die wiederum waren auf ähnlicher Basis mit mittleren Adeligen verbunden, die ihrerseits mit höheren Adeligen verbunden waren. Diese höheren Adeligen sind es dann, die Cäsar in seinem gallischen Krieg als Verbündete und gegner entgegentreten und die um die Führung der einzelnen Stämme streiten.

Aus der Schicht des höheren und höchsten Adel stammten vermutlich auch die Magistratsbeamten, die Cäsar für mehrere Stämme beschreibtt, und diese Personen bildeten vermutlich auch den Stammessenat und wählten gegebenenfalls aus ihrer Mitte einen König. Für die politische Organsisation dürfte es hierbei wichtig gewesen sein, wieviele Klienten und Anhänger ein derartiger Hochadeliger aufbringen konnte, um seinen Standpunkt zu unterstützen. So berichtet uns Cäsar, dass sich der Helvetier Orgetorix, der des Verrats am Stamm angeklagt war, seiner Verurtteilung dadurch entziehen konnte, daß er seine Klienten und Anhänger, über 10000 Personen, zu seiner Hilfe mobilisierte.

Die politische Führung der Stämme lag entweder in den Händen eines Königs, der vermutlich aus den Schichten des höchsten Adels gewählt wurde, oder ein Senat, der aus eben diesen höchsten Adeligen bestand. In einigen Fällen konnte auch ein Doppelkönigtum festgestellt werden, bei dem entweder der eine König der sakrale, der andere jedoch der weltliche Führer ist, oder auch der eine für die Innenpolitik, der andere für die Außenpolitik zuständig ist, oder sie sogar als Ersatz füreinander gedacht waren.


4. Totenbrauchtum und Grabanlage

Sowohl Körper- als auch Brandbestattung wurden während der Latenezeit praktiziert. Der Bestattungsritus war dahingehend, dass die Reste des Toten ins Grab gegeben wurden, und dazu all jene Dinge, die als angemessen für ihn betrachtet wurden (Ob dies nun angemessen war, weil der Tote diese Dinge in einem Leben nach dem Tode brauchen würde, oder weil es eine Geste der Ehrerbietung war, oder ob man diese Gegenstände ihm mitgab, weil sie bekannterweise zu seinem engsten persönlichen Besitz gehört hatten und für jeden, der sie später benutzen wollte, mit einem bösen Omen belegt waren, muß dabei offenbleiben). Dies war normalerweise seine Kleidung und Bewaffnung, sowie einige Gefässe, vermutlich mit Vorräten von Speisen und Getränken.

Die Gräber selbst waren oft von einem Zaun oder einer Palisade umgeben, wohl um den Bereich zu markieren, der den Besitz des Toten markierte, das Grab selbst in manchen Fällen gar nicht, oft aber auch durch einen Pfahl oder sogar durch ein darüber errichtetes Gebäude gekennzeichnet.

Der Bestattungsritus selbst ging wohl so vor sich daß zuerst das Grab bereitet wurde, dananch der Tote aus dem Dorf in einem Trauerzug zum Grab gebracht und dort, unter vollzug der entsprechenden Rituale durch einen Druiden, begraben wurde. Vor, während oder nach der Bestattung wurde ein Leichenschmaus im abgezäunten Bereich des Grabes abgehalten. Nach dem Abschluß dieser Feierlichkeiten kehrte man ins Dorf zurück. Ob das Grab später wieder aufgesucht wurde kann man nicht mit Sicherheit sagen, es ist aber zumindest wahrscheinlich, daß zu Samhain (Allerheiligen) den Toten gedacht wurde und zu diesem Zweck das Areal des Friedhofes erneut aufgesucht wurde, eventuell dort sogar wieder eine Feier abgehalten wurde.


5. Glaubensvorstellungen und religiöse Organisation

Zu den tatsächlichen Glaubensvorstellungen der antiken Kelten haben wir nur wenige Informationen. Cäsar berichtet uns, daß die Druiden, über die weiter unten noch gesprochen werden wird, die Lehre verbreiteten, daß die Seele des Menschen nach dem Tod nicht sterbe, sondern vom einen zum anderen wandere. Ob dies einen Glauben an eine Wiedergeburt in dieser Welt bedeutet, oder jedoch einen Glauben an ein Neues Leben in einer anderen Welt, läßt sich daraus leider nicht klar ableiten.

Zusätzlich zu diesen geringen Informationen über die allgemeinen Glaubensvorstellungen kennen wir vor allem keltische Götternamen, wissen aber relativ wenig über deren Funktionen. Es sind über 400 verschiedene Namen bekannt, was aber nicht unbedingt bedeuten muß, dass es sich tatsächlich um 400 verschiedene Götter handelte. Tatsächlich erscheint es eher so, als ob es sich in vielen Fällen nur um Beinamen der Götter handelt, so wie griechische oder der römische Götter ebenfalls eine große Anzahl von Beinamen aufweisen, die oft genug alleine auftreten, wie z.B. Dispater oft allein und nicht in Zusammenhang mit seinem Hauptnamen Iuppiter aufscheint.

Nun aber kurz zu den bedeutenderen Göttern. Als bedeutendsten Gott der Gallier bezeichnet Cäsar Merkur, den Gott des Handels und der Künste. Der keltische Name für diesen Gott war wahrscheinlich Lugos, der nicht nur im Namen sondern vermutlich auch in der Funktion mit dem irischen Lugh gleichzusetzen ist. Des weiteren gab es einen Gott des Krieges, den Cäsar mit Mars gleichsetzt. Dieser Gott war vermutlich auch für den Stamm zuständig, sein Keltischer Name dürfte Teutatis gelautet haben. Dann gab es einen bedeutenden Wetter- und Himmelsgott, Taranis, der vermutlich auch der Gott der Unterwelt war, ihn vergleicht Cäsar mit Dispater. Dazu gab es einen Gott des Waldes und der Wildnis, Esus oder Cernunnos genannt, dargestellt mit Hörnern auf dem Kopf, und eine Sonnen- und Feuergott, Belenos genannt. Des weiteren gab es eine weibliche Gottheit, die oft in dreifacher Gestalt auftrat, und die uns in den römischen Inschriften of als Dea Matrona oder in ihrer Dreigestalt als Deae Matronae entgegentritt, und die gut mit der irischen Landesgöttin/Muttergöttin Eriu (mit ihren anderen Formen als Fotla und Banba ebenfalls dreigestaltig) vergleichbar ist/sind. Diese weibliche Gottheit hatte lokale Namen/Beinamen, so können wir diese Gottheit für den Stamm der Sequani identifizieren, sie hieß Sequana und war vermutlich auch eine Wassergöttin, der Name Seine leitet sich von ihr ab, oder für den Stamm der Noriker die Göttin Noreia. Zusätzlich zu diesen Hauptgöttern gab es aber vermutlich noch andere Götter und Göttinen wiee einen jugendlichen Gott namens Maponos (Gleich dem walisischen Mabon ap Modron) oder die Pferdegöttin Epona (vergleichbar mit der walisischen Rhiannon).

Die Leitung der religiösen Handlungen hatte eine Schicht über, die gerne als die keltischen Priester angesehen wird, obwohl sie auch noch andere Funktionen hatten, die Schicht der sogenannten Druiden. Diese waren neben ihrer Funktion als Zeremonienmeister und Priester bei den religiösen Riten aber auch noch Richter, Berater in politischen Angelegenheiten und Mediziner. Sie waren vermutlich in einer Art "Orden" organisiert, zumindest die Druiden Galliens wählten jeweils ein Oberhaupt bei einem jährlichen Treffen im Gebiet des Stammes der Carnuten, das als Mittelpunkt Galliens angesehen wurde (sakrales Zentrum). Die Herkunft des Druidentums liegt, laut dem Bericht Cäsars, jedoch nicht in Gallien, sondern in Brittanien, und nach dort muß man gehen, um diese Kuunst in ihrer höchsten Reinheit zu erlernen. Ob dies einen ähnliichen Mythos darstellt wie die Ausbildung im fremden Land (zumeist Alba, Schottland) in den irischen Sagen, oder ob es sich hier um eine historische Tatsache handelt läßt sich leider heute nicht mehr feststellen. Die britischen Druiden jedenfalls hatten, zumindest nach der Eroberung Galliens durch die Römer aber vermutlich auch schon davor, ein eigenes "Kultzentrum" auf der Insel Anglesey vor der walisischen Küste.

Die Ausbildung der Druiden war eine langwierige Angewohnheit, die bis 20 Jahre dauern konnte und wurde vermutlich schon in früher Kindheit begonnen. Die Druiden lernten sowohl die religiösen Lehren, als auch die Sagen und Legenden und Geschichte ihres Volkes und vermutlich auch die Rechtsbestimmungen und andere Dinge auswendig, da die Druiden gegen die Niederschrift religiöser Bestimungen und Erzählungen waren.

Ebenfalls in den Bereich der religiösen Organisation dürften die Barden und die Vates gehört haben. Die Barden waren Geschichtenerzähler und Dichter, die vermutlich die Geschichte des Stammes weitergaben und Lob- und Schmähdichtungen auf den Stamm und seine Feinde verfaßten. Sie sind in ihrer Funktion vermutlich ident mit den irischen Barden oder Filid. Die Vates dürften Opferpriester und Wahrsager gewesen sein, die aus dem Tieropfer und aus anderen Zeichen die Zukunft vorhersagten.

Alle diese Berufe, die vermutlich generell zur geistigen Elite des Stammes zu rechnen sind, waren hoch angesehen. Zumindest die Druiden, aber möglicherweise auch Barden und Vates waren vom Kriegsdienst freigestellt und Steuerbefreit und wurden mit höchster Hochachtung betrachtet. Von den Druiden wird berichtet, daß sie zwischen kampfbereite Armeen schreiten konnten und diese dazu bewegen, wieder nach Hause abzuiehen, ohne anderen Druck aszuüben als ihre sakrale Autorität. Cäsar berichtet uns auch, dass die schwerste Strafe in Gallien der Ausschluß von den religiösen Handlungen wäre, eine Strafe, die vermutlich auch nur von den Druiden verhängt werden konnte.


Keltische Kultur während der Römerzeit

Nachdem im ersten Jahrhundert nach Christus auch der südliche Teil Britanniens von den Römern erobert wurde, gab es nur noch ein kleines Gebiet in Schottland und Irland, das als "eigenständig keltische" bezeichnet werden kann, und selbst diese Zuordnung ist nicht sicher. Gleichzeitig gab es aber auch noch ein Nachleben der keltischen Kultur im römischen Reich. Mit diesen beiden Dingen wollen wir uns in Folge beschäftigen.


1. Historischer Hintergrund

50 vor Christus ist Gallien von Cäsar endgültig erobert und eine römische Provinz, 15 vor Christus folgen die Alpenkelten und 70 nach Christus wird auch der Großteil von Großbritannien von den Römern erobert und in eine Provinz des Reichs verwandelt. Nachdem die Römer im Norden Probleme mit den immer wieder Übergriffe setzenden Caledoniern haben, wird zuerst der Hadrianswall, in weiterer Folge auch der Antoniuswall errichtet. Diese Maßnahme und die Anwesenheit starker römischer Truppenverbände beschert den Römern die nächsten 200 Jahre relativen Frieden. Dann aber, durch innere Probleme des Reichs bedingt, ist Rom gezwungen, mehr und mehr Truppen abzuziehen. Ungefähr zum selben Zeitpunkt tauchen auch zum ersten Mal die Picti in den römischen Quellen auf. Ob die Picti nun ein vorindoeuropäisches Volk waren, wie einige Theorien behaupten, oder nur schwach keltisierte Hinterwäldler, oder ob es sich dabei bloß um einen Zusammenschluß der einzelnen Stämme der Caledonier handelt, kann heute nicht mit Sicherheit gesagt werden. Ab dem 4. Jahrhundert nach Christus kommt es auch zu verstärkten Übergriffen durch Skotti (der römische Namen für die Iren), während die Provinzverwaltung immer stärker durch Interne Probleme des Reichs und durch Angriffe germanischer und anderer Völker weiter im Osten des Reichs fortwährend geschwächt wird. Im Jahr 409 nach Christus schließlich gibt Rom die Provinz Britannien auf und überläßt die Bewohner der Insel ihrem Schicksal. Der Zusammenbruch des weströmischen Reiches 476 nach Christus schließlich führt dazu, daß auch der großteil der restlichen ehemals keltischen Gebiete wieder frei wird.


2. Keltisches Nachleben im römischen Reich

Zwar wird der Großteil des Gebiets der keltischen Kultur des Altertums vom römischen Reich erobert, doch die keltische Kultur erhält sich als provinziale Mischkultur. Gallorömische Götternamen, Gallorömische Tempel und die Kontinuität vieler Kultstätten deuten darauf hin, daß, trotzdem die Römer das Druidentum mit ungewöhnlicher Härte verfolgten, der Glaube der Kelten selbst langsam in den römischen Glauben inkludiert wurde und mit diesem verschhmolz. Auch an der generellen Lebensweise der Bevölkerung änderte sich
vermutlich kaum etwas bis gar nichts, außer vermutlich, daß die reichen keltischen Adeligen ihre alten Bauernhöfe aufgaben und römische Villen erbauten und in die Provinzverwaltungsstrukturen als Beamte einstiegen. Die einfachen Bauern jedoch blieben vermutlich auf den alten Höfen ihrer Familien und blieben Bauern. Keltische Sprache wurde im einfachen ländlichen Bereich weiterhin unverändert gesprochen, und auch die gebildeteren Schichten erhielten sich teilweise die keltische Sprache, wie der Fall des gallo-römischen Dichters Lucan aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert nahelegt, der sowohl die lateinische als auch die gallische Sprache beherrschte. Auch werden keltiische Namen weiterhin auf römischen Grabsteinen gefunden, diese standen bis zumindest ins dritte Jahrhundert nach Christus, wenn nicht sogar länger in Gebrauch. Im vierten Jahrhhundert berichtet uns dann der Hl. Hieronimus, der Bischof von Trier, daß er in Galatien fast dieselbe Sprache gehört hatte, wie sie auch von den Leuten in der Umgebung von Trier gesprocchen werde, ein Hinweis, daß auch in Galatien noch keltisch gesprochen wurde.


Mag.phil. Raimund Karl, Wien.
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