NINJA:
Fragen und Antworten

Ralf Schomacher
(last updated 18.3.1996)
Bearbeitet für Boudicca's Bard durch GardenStone


*Einleitung*

Ninjutsu verfügt durch die umfassende Verbreitung des Bujinkan mittlerweile weltweit über viele tausend Anhänger, von denen viele öffentlichkeitswirksam arbeiten. Dennoch werden immer wieder dieselben Fragen über Ninjutsu gestellt, da sich die Mehrzahl der Bevölkerung noch immer ein völlig falsches Bild dieser traditionellen japanischen Kampfkunst macht. Diesem Umstand soll dieser FAQ Text über Ninjutsu Abhilfe verschaffen.



*FAQ*
Dieser Teil der OGF über Ninjutsu versucht so kurz wie möglich, einige
stets wiederkehrende Fragen über Ninjutsu zu beantworten.

Was ist Ninjutsu und wie entstand es?

Das Wort Ninjutsu kann man in zwei Teile zerlegen: Nin und Jutsu. Ninjutsu bedeutet übersetzt "die Kraft des ausdauernden Herzens". Das Kanji "Nin" oder "Shinobi" bedeutet versteckt, geheim oder ausdauernd. Das Kanji-Zeichen "Nin"besteht aus zwei Teilen. Der obere Teil bedeutet "Ken" (Schwert), der untere Teil "Kokoro", d.h. Herz oder Seele. Hiermit ist gemeint, daß das Herz die Waffe kontrolliert bzw. daß das Herz scharf, hart und ausdauernd wie eine Klinge sein soll. "Jutsu" bedeutet "Kunst" oder "Faehigkeit".

Es gibt viele Theorien und Legenden üeber die Entstehung derjenigen Kampfkunst, die heutzutage unter dem Begriff "Ninjutsu" bekannt ist. In Wahrheit gab es nie eine eigene, völlig entwickelte Kampfkunst bzw. ein klar abgegrenztes Kampfsystem mit dem Namen Ninjutsu.
Diejenigen, die man zu einem späteren Zeitpunkt "Ninja" nennen sollte, bezeichneten sich selbst durchaus nicht alssolche. Die ersten Aufzeichnungen, in denen das Wort "Ninja" auftaucht, stammen aus dem 18. Jahrhundert.
Die Kunst des Ninjutsu ist jedoch weitaus älter. Diejenigen, die Ninjutsu ausübten, sahen ihre Kunst als eine Mischung vonpolitischen Auffassungen, Religion, Militärstrategien und Kampftechniken und hielten diese Kunst streng geheim, da sie als kultureller Gegenpart zu der damaligen Klasse der Samurai ständiger Oppression unterlagen.
Im Laufe der Zeit fand eine immer stärkere Spezialisierung einzelner Techniken statt, die im genauen Gegensatz zu den bestehenden Samurai-Etiketten standen.


Waren Ninja früher Killer und gedungene Mörder?

*Nein.* Die ersten sogenannten Ninja dienten als Wegführer (Scouts) oder Berater. Soke Dr. Masaaki Hatsumi sagt hierzu:

"Wenn man die Beobachtungen des Takamatsu-Sensei über die Lehren der Toda Familie, Großmeister der Togakura Ryu besieht, dann wird es schnell deutlich, daß die Geschichten, wo Ninjas als kaltherzig, krimminell-orientiert, professionelle Mörder abgeschildert werden, durch grobe Übertreibung die wirkliche Geschichte Japans gewalt antun. Sicher, frühere Jahrhunderte in Japan hatten ihren Teil an Meuchelmörder, diebe und Saboteure, die den physischen Pfad der Ninjas zu imitieren versuchten und gegen eine entsprechende Belohnung in Geld jeden Auftrag ausführten.
Solche kriminelle Personen waren, ohre der Ethik und geistliche Führung eines Ältesten einer Ninjutsu Ryu oder Clan, sogar keinen Schatten der richtigen Ninja Japans, und deshalb brauchen wir uns damit nicht zu beschäftigen."
(Übersetzung aus dem Englischen von GardenStone)


Was heißt "Ninpo Ikkan"?

Ninjutsu ist der Anfang und kennt kein Ende.
Nin: Körperliche Ausdauer und Stärke
Po: Weg, Methode
Ik: Kurzform von Ichi (Eins)
kan: In Bewegung halten


Was heißt "Shikkin Haramitsu Daikomyo"?

Jede Erfahrung (ist heilig, und) kann der alles vermögende Schlüssel zu dem großen universellen Licht (Erleuchtung) sein, das (die) wir suchen.


Was bedeutet der Name Bujinkan? Woher kommt dieser Name und wie nannte man die im Bujinkan gelehrten Kampfkunsttechniken vorher?

Soke Dr. Masaaki Hatsumi wählte den Namen Bujinkan (Schule des göttlichen Kriegers) zu Ehren seines Lehrers Toshitsugu Takamatsu.
Soke Dr. Masaaki Hatsumi spricht davon, daß die Inspiration zu seinen Techniken von diesem Bujin kämen. Der Name ist von Soke Dr. Masaaki Hatsumi entwickelt und hat keinerlei Beziehungen zu anderen Systemen, Namen oder Bezeichnungen.
Die Namensgebung war ab dem Zeitpunkt nötig, von dem ab Soke Dr. Masaaki Hatsumi entschlossen war, eine Kampfkunstvereinigung zu gründen, innerhalb der erseinen Schülern sein Wissen weitervermitteln wollte.
Soke Dr. Masaaki Hatsumi selbst hat die neun innerhalb des Bujinkan als Einheit gelehrten Ryu noch als eigenständige Kampfkunststile erlernt.


Wann und warum wurde im Ninjutsu ein Graduierungssystem eingeführt?

Dr. Masaaki Hatsumi ist der Soke (Großmeister) von neun traditionellen japanischen Kampfkunstschulen (Ryu). Als er sich entschloß zu einer Wissensweitergabe, entwickelte er eine Synthese der in den neun Ryu enthaltenen Techniken, die er Ninpo Taijutsu nannte.
Alle, die heutzutage über eine innerhalb des Bujinkan vergebene Graduierung verfügen, besitzen daher eine Graduierung im Ninpo Taijutsu und nicht in einer oder allen dieser neun Ryu. Soke Dr. Masaaki Hatsumi entwarf für das Bujinkan ein Kyu- und Dan-Graduierungssystem. Zuerst gab es darin nur fünf Kyu-Grade und zehn Dan-Grade. Später erhöhte er die Anzahl der Kyu-Grade auf zehn.
Heutzutage gibt es nach dem zehnten Dan noch fünf weitere Graduierungen, die den fünf Elementen zugeordnet sind. Bevor dies eingerichtet wurde, wurden die neun Ryu gemäß dem traditionellen Menkyo-kaiden-System an diejenigen weitergegeben, die das Keppan unterzeichnet hatten (Blutschwur), wodurch sie sich verpflichteten, keinerlei Wissen der Ryu an Aussenstehende weiterzugeben.


Was ist der Godan-Test und warum wird er durchgeführt?

Der Prüfung zum 5. Dan wird nur von Soke Dr. Masaaki Hatsumi durchgeführt. Die Prüfung findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Außer Soke Dr.Masaaki Hatsumi dem oder den zu testenden Schülern sind nur Godan-Träger bzw. höher Graduierte anwesend.
Bei diesem Test sollen nicht wie bei allen vorhergehenden Prüfungen Taijutsu-Techniken sondern vielmehr die "übersinnlichen" Fähigkeiten des Schülers getestet werden.
Man kann diese Fähigkeiten auch als 6. Sinn bezeichnen, mittels dessen man Gefahren erahnen kann, bevor man sie mit den fünf Sinnen wahrnimmt. Der Prüfling muß dabei einem von hinten ausgeführten Schwertangriff in Seiza sitzend genau im richtigen Moment ausweichen, indem er die Tötungsabsicht (Sakki) rechtzeitig wahrnimmt. Heutzutage wird dieser Test übrigens nur noch mit dem Shinai (Bambusschwert) durchgeführt.
Wichtigster Inhalt dieses Tests ist somit die Prüfung des Verhältnisses zwischen Lehrer und Schüler. Der Schüler beweist Vertrauen in seinen Lehrer und wird eins mit ihm. Wenn eine Verbindung zwischendem Herz des Lehrers und dem des Schülers besteht, ist der Test ohne Schwierigkeiten durchführbar. Das Schwert bzw. der Schwertangriff dient lediglich dazu, die Fähigkeit des Schülers bzw. seine Reaktion an sich für Umstehende sichtbar zu machen.


Was wird heute unter dem Begriff Bujinkan Budo Tai Jutsu 'gelehrt?'

Die Kampftechniken von neun verschiedenen traditionellen japanischen Kampfkunstschulen, von denen Dr. Masaaki Hatsumi jeweils der Grossmeister(Soke) ist. Die Bujinkan-Lehrmethode lehrt an stelle eines Katalogisieren von Techniken einheitliche und natürliche Tai Jutsu-Kampfstrategien, auf dem die Handhabung von Waffen (Budogu) jeglicher Art aufbaut. Im wesentlichen umfaßt Bujinkan Budo Tai Jutsu die folgenden Inhalte:

Taihen-jutsu:
Kaiten (Rolltechniken)
Nagare (fliessende Rollen)
Ukemi (Falltechniken)
Tobi (Sprungtechniken)
Shinobi-iri (Fortbewegungstechniken).

Dakentai-jutsu:
Uke-waza (Blocktechniken)
Uchi-waza (Schlagtechniken)
Tsuki-waza (Stosstechniken)
Keri-waza (Trittechniken) aus den Bereichen des
Koppo-jutsu (Knochenbrechertechniken) sowie des
Koshi-jutsu (Angriffe gegen Muskeln und Nerven).

Jutai-jutsu:
Nage-waza (Wurftechniken)
Ha-jutsu (Entkommen),
Gyaku-waza (Gegentechniken)
Shime-waza (Würgetechniken)
Tori-te (Halten und Umstoßen)
Kansetsu-waza (Hebeltechniken)
Osae-komi-waza (Haltetechniken im Boden / Niederdrücken).


Welche sind die elementartechniken des Ninjutsu (Ninpo Sanjurokkei)?

Es gab 36 Wissensgebiete, die ein Ninja zu meistern hatte: die zehn Kampfkunstgebiete (genannt Bugei Juhappan) sowie die zehn Kategorien dergeheimen Techniken (genannt Ninja Juhakkei). Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer wieder neue Listen zusammengestellt, was die Bugei Juhappan angeblich beinhalteten. Nachfolgend ist eine umfassendere - dafür aber auch authentische und wohl auch wahrscheinliche - Zusammenstellung wiedergegeben.

Bugei Juhhapan
1. Ju-jutsu oder Kenpo: Unbewaffnete Verteidigung
2. Ken-jutsu oder Gekken-jutsu: Schwerttechniken
3. Ken-jutsu oder Batto-jutsu: Andere Art von Schwerttechniken
4. Kusarifundo-jutsu (Kusari-dogu): Kettentechniken
5. Kusarigama-jutsu: Kombinierte Ketten-Sichel-Techniken
6. Bo-jutsu: Techniken mit dem Langstock
7. So-jutsu: Speertechniken
8. Naginata-jutsu: Hellebarden-Techniken
9. Sui-ren: Wassertechniken
10. Ba-jutsu: Reittechniken
11. Kisha-jutsu: Bogenschießen vom Pferd aus
12. Jo-jutsu: Techniken mit dem Jo
13. Kyu-jutsu: Bogenschießen
14. Yori-kumi-uchi: Der Kampf mit einer Rüstung
15. Hojo-jutsu oder Hobaku-jutsu: Fesseltechniken
16. Jutte-jutsu: Eisenstabtechniken
17. Ho-jutsu: Täuschungen
18. Nage-ken-jutsu oder Shuriken-jutsu (Token-jutsu): Klingenwerfen


Ninja-Juhakkei
1. Seishin-teki-kyoyo: Spirituelle Meditationstechniken (Meso)
2. Tai-jutsu: Unbewaffneter Kampf (Körpereinsatz)
3. Biken-jutsu: Schwerttechniken
4. So-jutsu: Speertechniken
5. Naginata-jutsu: Hellebardentechniken
6. Bisento-jutsu: Techniken mit der Kriegshellebarde
7. Kusarigama-jutsu: Techniken mit der Sichel-Ketten-Waffe
8. Rokushakubo-jutsu: Techniken mit dem Langstock
9. San-jaku-bo-jutsu (Jo-jutsu): Techniken mit dem Hanbo und dem Jo
10. Shuriken-jutsu und Senban-nage-jutsu: Klingenwurftechniken
11. Kisha-jutsu: Bogenschießen vom Pferderücken aus
12. Inton-jutsu: Spezielle Techniken, um plötzlich zu verschwinden
13. Hoko-jutsu: Gehtechniken (Fortbewegungstechniken)
14. Henso-jutsu: Verkleidungstechniken
15. Kakushi-buki-jutsu: Geheime Waffentechniken
16. Ninryaku-jutsu: Spezielle Techniken, um zu verschwinden
17. Sunryaku-heiho: Strategie
18. Ten-mon (Chi-mon): Wetter- und Länderkunde
19. Kayaku-jutsu: Umgang mit Feuer- und Explosivstoffen
20. Boryaku: Strategie, Taktiken, Kriegslisten
21. Cho-ho: Spionagetechniken


Am wichtigsten unter den oben angeführten Wissensgebieten sind Senshin-teki-kyoyo (Spirituelle Meditationstechniken) und Tai-jutsu (Unbewaffnete Selbstverteidigung). Beide zusammen verleihen dem Ausübenden Kräfte, die einem Außenstehenden "übernatürlich" erscheinen mögen.
Wenn man Seishin-teki-kyoyo beherrscht sowie die Philosophie des Ninjutsu verinnerlicht hat, dann kommen die entsprechenden Kampfstrategien in jeder Situation von ganz allein; beherrscht man darüber hinaus auch noch die Kunst des Tai-jutsu, welche die Grundlage für alle Kampfkünste bildet, dann kann man jegliche andere Kampfkunst spielend meistern.


Was bedeutet Godai - Die großen Fünf?

Hierunter versteht man die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere.Godai wird in fünf Seinsstufen oder Energien zusammengefaßt (Gorin No To).

Erde (Chi) ist die Grundstufe oder auch grundlegende Energie.

Wasser (Sui oder Mizu) ist das Grundwasser sowie das Wasser in Seen, Flüssen und Meeren. Wasser paßt sich an und verändert seine Form.

Feuer (*Ka* oder Hi) ist die Wärme der Sonne (Kampf).

Wind (Fu oder Kaze) bewegt sich immer in Verbindung mit Wärme. Wind birgt viel Macht in sich.

Leere (*Ku*) ist die höchste Stufe. Ohne sie ist keine der vorherigen möglich. Leere meint: ohne Anfang und ohne Beginn. Das Element Leere darf keinsfalls mit "nichts" missverstanden werden.