Kurze Geschichte der Runen

Copyright deutsche Fassung: GardenStone, 1999.
Quelle der Überarbeitung:
"Runen" von M. Philippa & A. Quak
Mit Dank an Merlynn für die Korrektur



'Runen' ist der Name der Schriftzeichen, die wahrscheinlich seitdem Anfang unserer Zeitrechnung durch die germanischen Stämme inEuropa benutzt wurde. 'Buchstaben' mit Namen: das 'acrophone Prinzip'.(Acrophon = Einem Buchstaben einen Namen geben, dessen Buchstabe auch der erste Buchstabe dieses Namens ist).


Die Benutzer der Runenschrift nannten eine Rune oft einen 'Stab', und sie machten Unterschied zwischen 'Runenstab' (Runenzeichen) und 'Bockstab' (Lateinische Buchstabe. Vergleiche: Bockstab und Buchstabieren).
Die Benennung 'Rune' bedeutete ursprünglich wahrscheinlich 'Geheim'. Dieses Wort ist verwandt mit dem  mittelniederdeutschen Verb 'runen', (Hochdeutsch 'raunen') das 'flüstern' bedeutete, oder 'eine geheime Besprechung halten'. Eine Rune war also ein geheimes Zeichen. Die meisten Menschen waren damals Analphabeten, nur einige Eingeweihte beherrschten, jedenfalls am Anfang, die Kunst des Schreibens der Runenzeichen.

Die Germanen haben die Runen nicht selber bedacht. Die Runenschrift ist aus einem anderen 'Alphabet' übernommen. Es ist aber (noch?) nicht sicher welches Alphabet das gewesen ist, und wo die Übernahme stattgefunden hat.
Früher war man der Meinung, die Germanen hätten die Runen selber erfunden. Dabei stützte man sich zu unrecht auf Tacitus, einen römischen Chronikschreiber aus dem ersten Jahrhundert nach Chr. Dieser schreibt im Kapitel 10 seines Buches 'Germania', dass die Germanen Zeichen (notae) in Äste machten, und diese Zum Vorhersagen der Runen benutzten.

Diese 'Notae' sollten Runen gewesen sein. Diese Auffassung hat man aber schon lange wieder verworfen.

Es gibt viel zu viele Übereinstimmungen zwischen den Runen und dem lateinischen und griechischen Alphabet. Tacitus hätte das mit Sicherheit gesehen.  Und wegen dieser vielen Gemeinsamkeiten ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die Runen eine reine germanische Erfindung sind.

Im Jahre 1899 kam der Norweger Sophus Bugge mit der Möglichkeit, dass die Germanen die Runenschrift von den Griechen übernommen hätten. Diese Theorie wurde von dem Schweden Otto von Friesen übernommen und erweitert. Diese Übernahme soll passiert sein, als die Germanen im dritten Jahrhundert am Kaspischen Meer mit den Griechen in Kontakt kamen.

Die Goten sollten dabei wie eine Art Vermittler funktioniert haben, denn über sie sollten die Runen dann nach Skandinavien gebracht worden sein. Diese Theorie kann aber unmöglich stimmen. Die ersten Runen- Inskriptionen stammen vielleicht schon aus dem ersten Jahrhundert - z.B. die Inskription von Meldorf - oder jedenfalls aus dem zweiten Jahrhundert.
Das ist aber lange vor den ersten Kontakten zwischen Griechen und Germanen, die im dritten Jahrhundert stattfanden. Außerdem kommen die ältesten Inskriptionen alle aus Skandinavien und nicht aus der Gegend des Kaspischen Meers.

In 1928 kam der norwegische Gelehrter C.J.S. Marstrander mit der 'Nord- etruskischen Theorie'.  Nach dieser Theorie soll die Runenschrift aus Alphabeten entstammen, die in Norditalien und in den Alpen gebraucht wurden. Dies würde tatsächlich einige 'Eigenartigkeiten' der Runen erklären. Runen können nämlich Gruppenweise von links nach rechts, aber auch von rechts nach links gelesen werden.  (Boustrophedon). Außerdem gibt es einige auffallende Übereinstimmungen zwischen einigen Runen und Zeichen aus diesen norditalienischen Alphabeten. Aber man muss sich hier dann auch fragen, wie die Germanen mit diesen norditalienischen Alphabeten in Kontakt gekommen sein könnten. Denn es gibt hier das Problem von 'Zeit' und 'Ort'. Die Alphabete im Alpengebiet waren vor Anfang unserer Zeitrechnung vom lateinischen Alphabet ersetzt worden.
Die Germanen hätten also wohl kaum im ersten Jahrhundert etwas aus diesem schon verschwundenen Alphabet übernehmen können. Außerdem stammen die ältesten Runeninskriptionen ohne Ausnahme aus Skandinavien, insbesondere aus Dänemark. Das heißt, dass im grossen Raum zwischen den Alpen und Dänemark keine Runen aus dieses frühen Zeiten gefunden wurden. Erst ab den 4. Jahrhundert gibt es Runeninskriptionen südlich und südöstlich von Skandinavien.
Um das Fehlen solcher frühen Inskriptionen erklären zu können, könnte man daran denken, dass diese nur auf Holz gemacht wurden und dieses Holz, gemäß seiner Art, verschwunden ist. Aber in Skandinavien sind auch Runeninskriptionen auf Holz überliefert, und es ist eigentlich nicht anzunehmen, dass gerade im deutschen Raum alle diese Sachen verschwunden sind. Dazu kommt noch, dass die ältesten Inskriptionen hauptsächlich auf Waffen und Schmuck angebracht sind. Wenn man das in südlicheren Gebieten auch gemacht hätte, wäre bestimmt einiges davon bewahrt geblieben.

Als wahrscheinlichste Theorie bleibt dann die Lateinische und die ist schon ziemlich alt. Schon im Jahre 1874 kam der Däne Ludwig Wimmer mit der These, dass die Runenschrift aus dem lateinischen Alphabet stammt. Ins besondere die Ähnlichkeit zwischen den Runen Fehu (f), Berkana (b), Raidho (r), Isa (i) und Mannaz (m) und den entsprechenden lateinischen Buchstaben F, B, R, I und M sind auffallend. Das große Problem hier ist aber, dass - wie schon gesagt -die Runeninskriptionen von links nach rechts und von rechts nach links laufen, und das ist eine Eigenschaft, die die lateinische Schrift schon lange vor den ersten Jahrhundert verloren hatte. Ausserdem weicht die Reihenfolge der Runen stark vom lateinischen Alphabet ab. Die Bezeichnung 'Alphabet' sollte auch nicht für die Runenschrift benutzt werden, weil es kein Alphabet ist; es fängt nicht an mit a(lpha) - b(eta). Die Reihenfolge stimmt also nicht überein mit den genannten Alphabeten.
Wo also einige der Runen deutliche Ähnlichkeit mit einigen lateinischen Buchstaben zeigen, gibt es auch Runen, die sehr stark von möglichen lateinischen Beispielen abweichen. Gerade deshalb kam man dann mit der nordetruskischen Theorie.
Vielleicht müssen wir uns aber nicht auf die offizielle lateinische Schrift aus dem Süden konzentrieren, sondern auf die lateinische Kursivschrift, so wie sie von Soldaten und Händlern im Grenzgebiet mit den Germanen verwendet wurde. Denn darin kommen manchmal Buchstaben vor, die stark den Runen ähneln.

Trotz den Argumenten gegen die lateinische Theorie, ist das die am wenigsten Unwahrscheinliche. Die Germanen könnten das lateinische Alphabet kennen gelernt haben, und es in etwas geänderter Form übernommen haben.
Nach den ältesten Runen-Inskriptionen sind Dänemark und die angrenzenden Gebiete Norwegens und Schwedens das Ursprungsgebiet der Runen. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass die Funde in den beiden letztgenannten Ländern aus deren Küstenregionen stammen.
 
Die Wahrscheinlichkeit Dänemarks als Entstehungsgebiet für die Runen ist leicht aus der relativ hohen Kultur erklärbar, die dieses Land am Anfang der christlichen Zeitrechnung kannte. Die sogenannte Römische Eisenzeit war für Dänemark eine große Blütezeit. Es gab auch enge Kontakte zwischen dem Römischen Reich und Dänemark. Zahlreiche archäologische Funde beweisen, dass lebhaft Handel getrieben wurde.
Eine wohlhabende Schicht der dänischen Bevölkerung war im Stande römische Waren zu importieren. Auf Gefäßen, die von Archäologen bei Ausgrabungen gefunden wurden, wurden lateinische und manchmal sogar griechische Inskriptionen vorgefunden.
Einige germanische Soldaten im römischen Heer werden die Bedeutung dieser Zeichen gekannt haben. Vielleicht haben sie eine Rolle gespielt beim Verbreiten der lateinischen Schrift im germanischen Stammgebiet.
Im Jahre 1979 wurde in einen Lagerraum eines Museums in Norddeutschland eine eine Fibula aus dem 1. Jahrhundert entdeckt. Darauf gibt es eine Inskription, die von manchen Leuten für Runenschrift gehalten wird, von anderen für lateinische Schriftzeichen. Jedenfalls scheint diese Fibula einen germanischen 'Text' zu enthalten - 'entweder 'hiwi' oder 'idin', abhängig davon, ob man Runen oder lateinische Zeichen liest.Die frühesten Runeninskriptionen haben einen speziellen Charakter: es sind nämlich alle Namen auf Schmuck, Waffen und Ähnliches. Gerade das erinnert an römische Gewohnheiten. Es ist wahrscheinlich auch kein Zufall, dass im Fehn bei Thorsberg (Schleswig-Holstein, früher dänisch) sowohl Runeninskriptionen als auch römische Inskriptionen gefunden worden sind.  Auch das zeigt wieder auf eine spezielle Verbindung zwischen Dänen und Römern. Es liegt dann auf der Hand anzunehmen, dass ein Däne aufgrund des lateinischen Alphabets eine eigene Schrift entworfen hat. Weil es verhältnismäßig wenig Variationen der verschiedenen Runenzeichen gibt, darf man annehmen, dass dieser Entwurf eine bewusste Handlung war. Außerdem hatten die Runen schon früh eine feste Reihenfolge, die abweicht von den verschiedenen Alphabeten, wie schon gesagt wurde. Auch das deutet auf ein bewusstes Entwerfen hin.

Seinen Namen verdankt die Runenschrift  den ersten sechs Runen, die übersetzt das Wort 'FUTHARK' formen. Weshalb die Reihenfolge der Runen so ist, wie sie ist, weiß keiner. Man vermutet einen religiösen Hintergrund, denn einige Runennamen deuten Götter an. Vielleicht hat es auch ein wenig damit zu tun, dass die erste Rune, FEHU, Mobilien bedeutet und der letzte Rune, ODAL, Immobilien.

Die Runenschrift muss also in Skandinavien entstanden, später aber bei allen germanischen Völker bekannt geworden sein. Denn im Laufe der Zeit 'wandert' sie langsam Richtung Südosten und Süden. Im 3. und 4. Jahrhundert erscheinen Inskriptionen in Polen und Russland und die man in Verbindung mit den Völkerwanderungen bringen darf.

Im Rahmen dieser Wanderungen zogen Stämme wie z.B. die Gothen aus Skandinavien in Richtung des Schwarzen Meeres und des Balkan. Die Runeninskriptionen, die man in Rumänien hat gefunden, sind wahrscheinlich mit den Gothen dorthin gekommen. Die Inskriptionen in Ungarn verbindet man mit einem anderen Stamm, die Longobarden, der Stamm der 'Langbärtigen'. Diese wohnten ursprünglich in Norddeutschland, sind aber über Ungarn und Österreich in die italienische Lombardei (entstanden aus: Longobardia) angekommen.

 Die Verbreitung Richtung Süden findet etwas später statt, als die in Richtung Südosten. Aus Dänemark verbreitet sichdie Runenschrift - ab den 5. Jahrhundert - nach Norddeutschland und später, im Laufe des 6. Jahrhundert, nach Mittel- und Süddeutschland. Im 5. und 6. Jahrhundert fand auch die Invasion Englands statt durch die Jüten, die Angelen und die Sachsen. Diese drei Völker kamen aus Dänemark, Schleswig-Hollstein und angrenzende Teile Norddeutschlands. Zur Zeit dieser Invasion kannten sie die Runenschrift wahrscheinlich schon.
Das erweist sich auch aus der Tatsache, dass in den ältesten englischen Inskriptionen die H-Rune nur eine Querlinie hat, (N) - wie in Skandinavien und Norddeutschland -, während um 650 eine H-Rune mit zwei Querstrichen erscheint, die weiter nur in Friesland, Mittel- und Süddeutschland vorkommt. Möglich gab es später noch einen zweiten 'Strom'  vonRunenkenntnissen, die über die Friesen gegangen sind. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den ältesten englischen Inskriptionen aus dem 5. und 6. Jahrhundert und den späteren englischen und friesischen Inskriptionen ab dem 7. Jahrhundert.

Durch die Wikingerzüge wurde das Gebiet, in dem  Runeninskriptionen vorkommen beachtlich erweitert von Grönland im Norden, Irland im Westen, Russland im Osten bis nach Piräus und Istanbul im Süden. Fast überall wo die Wikinger gewesen sind, hat es Funde mit Runeninskriptionen gegeben. Insgesamt sind im Moment etwa 5000 Gegenstände bekannt mit Runeninskriptionen. Diese befinden sich zum  weitaus größten Teil in Skandinavien.

Das Aufkommen des Christentums und damit auch die der lateinischen Schrift machte in den meisten Fällen ein Ende am Gebrauch der Runen. Es gibt auf den europäischen Festland außerhalb Skandinaviens keine Runeninskriptionen, die mit Sicherheit als christlich zu bezeichnen sind. Im Laufe des 7. und 8. Jahrhunderts  verschwanden die Runen. Und wenn nach 800 in einigen Handschriften noch Runen vorkommen, dann handelt es sich ausschließlich um importierte Runen. Akademisches Interesse in Deutschland für allerhand Alphabete führte dazu,  dass man die angelsächsische Runenreihe und ab und zu auch den skandinavischen Futhark als Kuriosität vermeldete. Deutschland selber kannte die Runenschrift anscheinend zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Hingegen blieb die Runenschrift in England und Skandinavien fortbestehen.  Dort übernahm die Kirche diese Schrift und benutzte sie für Texte in der Volkssprache, z.B. für Grabinschriften. Die Tatsache, dass man manchmal Runen in Handschriften benutzte, zeigt auf große Bekanntheit mit dieser Schriftart. Mönche benutzten Runen ab und zu als Abkürzungszeichen, z.B. bei der D-Rune (M) für den Begriff ‘Tag’. Der englische Dichter Cynewulf (1. Hälfte des 9. Jahrhunderts), benutzte Runen um seinen Namen in einem Acrostichon (die Anfangsbuchstaben der Zeilen eines Gedichts) anzugeben.

Die Stellung der Runenschrift in England als Konkurrent der lateinischen Schrift führte sogar dazu, dass die Runenschrift um mehrere Runen (Buchstaben) erweitert wurde. Der Futhark enthielt ursprünglich 24 Zeichen. Das reichte wahrscheinlich für die Zahl der Vokale (Selbstlaute) in den ältesten germanischen Sprachen und Dialekten. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden in den germanischen Dialekten viele Änderungen, die dazu führten, dass der Moment kam, an dem es mehr Vokale als Runenzeichen gab. In England löste man dieses Problem, indem man neue Runen hinzufügte. Zuerst kamen, wahrscheinlich schon vor dem 6. Jahrhundert, drei neue Zeichen dazu, später wurde das noch erweitert, bis man schließlich in Northumbria auf 33 Runenzeichen kam.

Diese englische Runenreihe blieb bestehen bis ins 11. Jahrhundert. Erst nach der Eroberung Englands durch die Normannen und das damit zusammenhängende Hochkommen und die Übermacht der französischen Sprache, brachte der Runenschrift auf den britischen Inseln das Ende.

Auch in Skandinavien wurden nach der Christianisierung die Runen von den Christen benutzt. So gibt es z.B. den berühmten Runenstein von Jelling, (eine Kopie gibt es auf dem Domplatz in der niederländischen Stadt Utrecht). Dieser Stein wurde etwa im Jahr 960 aufgestellt, als der dänische König Harald sein Volk zum Christentum gebracht hatte. Auf dem Stein ist denn auch eine Christusfigur abgebildet.

Was die Zahl der Runen angeht, wählte man in Skandinavien einen Weg, entgegen dem in England.  Die Zahl der Runenzeichen wurde vermindert bis auf einen Futhark von 16 Zeichen. Das ist das sog. ‘jüngere’ Futhark. Da wurde nicht die Zahl de Zeichen erweitert, sondern  die Zahl der Klänge, die von einer Rune dargestellt werden konnte. Außerdem vereinfachte man die Form der Runen.  Im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts wurde durch eine Anpassung  einiger Runenzeichen  die Zahl wieder erweitert auf 19.

Nach dem 12. Jahrhundert wurde auch in Skandinavien die lateinische Schrift maßgebend. Das führte dazu, das die Runenreihe wieder stark erweitert wurde, damit sie ein vollwertiges Äquivalent zur lateinischen Schrift wurde. Dabei wurde sogar die Reihenfolge geändert. Damit können wir ab 1200 auch von einem echten Runenalphabet sprechen.

Die Konkurrenz mit dem lateinischen Alphabet war aber eine verlorene Sache. Wahrscheinlich konnte die Runenschrift sich noch eine Zeit behaupten in Kreisen, wo eine lateinische Schultradition noch nicht so stark vorgedrungen war, wie z.B. bei den Kaufleuten  in Städten wie Bergen (Norwegen). Runeninskriptionen waren ja leicht anzufertigen; alles was man brauchte war ein Stück Holz, -das war in Skandinavien reichlich vorhanden -, und ein Messer um ins Holz zu ritzen.

Aber nach einiger Zeit, besonders nachdem man gelernt hatte Papier herzustellen, wurden die Runen immer weiter in die abgelegenen Gebiete in Schweden zurückgedrängt. Bis ins 19. Jahrhundert hat sich im Gebiet Dalarna noch immer eine, zwar stark vom lateinischen Alphabet beeinflusste, Runenschriftvariation behauptet.


 DIE NAMEN DER RUNEN


Die Namen der Runen waren wahrscheinlich folgende:

*
fehu (f) 'Vieh, Besitz'.

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wuR (u) 'Urochse'. Im späteren Futhark wurde das Wort interpretiert als ür '(Hagel) Schauer'.

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punsaR (p) 'Riese, Dämon'. Diese Bedeutung wurde  in den christlichen, englischen Texte und manchmal  auch in skandinavischen Texte ersetzt durch pora 'Dorn'. Dies wurde möglicherweise getan um Assoziationen mit teuflischen Wesen aus dem Heidentum zu vermeiden.

*
ansuR (a) 'Ase' (Ein Ase ist ein germanischer Gottheit).
Durch spätere Klangentwicklung innerhalb des Wortes fand auch hier eine Veränderung statt ans(uR) entwickelte sich sowohl im altenglischen als auch im Altnordischen (altskandinavisch) zu 'os(s). Dieses Wort wird assoziiert mit dem lateinischen "os / ons" 'Mund/Mündung'    oder mit dem altnordischen "os" 'Mündung'.
Es wäre auch hier möglich, dass von einer Christianisierung der Bedeutung die Rede ist. Für die alten christlichen Engländer und Skandinavier waren alte Götternamen wohl möglichlicherweise anstössig.

 *
raido (r) 'Wagen'. Das 'd' ist eigentlich ein Zeichen aus nordischen Sprachen das es in unser Standard-ASCII nicht gibt. Es ist eine Art 'd', wobei sich der aufrichte Strich oben nach links biegt und im oberen Teil in der Mitte ein kleiner Querstrich ist.

*
kaunan (k) (?). der präzise Name ist nicht bekannt.
Im altenglischen hiess die Rune  'Fackel', im Altnordischen war "kaun" 'Geschwür'?. Möglicherweise hat der ursprünglicher Name etwas zu tun mit dem heidnischen Glauben, und spätere Autoren haben versucht eine Neuinterpretation einzulegen.

*
gebo (g) 'Gabe'.

*
wunjo (w) 'Glück'; es wäre auch möglich, dass der Name
    eigentlich * winjo 'Weide' war.

* haglaR (h) 'Hagel'.

*
naudiR (n) 'Not'. Das 'd' ist das gleiche skandinavisches Zeichen wie bei Raido.

*
isan (i) 'Eis'.

*
jeran (j) 'Jahr'.

*
iwaR (ï) 'ijf / Eif', und das ist der einheimischer Name    für Eibe, der Lebensbaum der Germanen.   
Die genaue Klangwert dieser Rune ist unbekannt. Mal steht er für 'i', wird aber auch benutzt für 'h' oder 'x'.
Meistens wird dieses Zeichen als eine 'i' mit zwei Punkte oben transliteriert.

*
perto (p) '?'. Das 't' ist wieder ein skandinavischen Zeichen, dass wie eine  Kombination aus kursiv geschriebenen ‚p’ und ‚b’ aussieht. Die Bedeutung dieses Namens ist unbekannt. Vielleicht deutet es  auf einen Fruchtbaum, und ist es aus dem Keltischen entliehen.
In ein altes keltisches Alphabet, den 'Ogham', gibt es einen Namen, der  'perto' stark ähnelt. Im Übrigen kommt die  P-Rune kaum vor. Schon im 5. und 6. Jahrhundert wird der Klang 'p' mit der B-Rune angegeben.

*
algiR (R) 'Elch'. Dieser Rune steht für das'z', wird aber oft mit 'R' transliteriert. Im Laufe der Zeit entwickelt dieses 'z' sich zu einer Variation des 'r'.
Im 11. Jahrhundert verschmilzt es zusammen mit dem anderen 'r', wiedergegeben von der K-Rune. Später, (im jüngeren Futhark also) bekommt dieses Runenzeichen den Klangwert
    'y' oder 'e'.

*
sowilo (s) 'Sonne'.

*
tiwaR (t) 'Tyr'. Dies ist der Name eines hohen Gottes der     Germanen, nach dem Dienstag benannt ist.
Im Schwedischen heißt dieser Tag Tisdag, und das kommt auch von Tyrs Tag. Vergleiche auch das friesische 'tiisdei' und das englische 'tuesday'.

*
berkanan (b) 'Birke'.

*
ehwaR (e) 'Pferd'.

*
manR (m) 'Mensch, Mann'.

*
laukaR (l) 'look' oder *laguR 'Meer'. Welche von beider Namen     der ursprüngliche ist, ist unbekannt.

*
ingwaR (ng) 'der Gott Ing' oder 'Mann'.

*
dagaR /d) 'Tag'.

*
opalan (o) 'Erbbesitz'. Das 'p' in dieser Name steht für das
    gleiche Zeichen wie das 't' in perto.

Die Sternchen sollen andeuten, dass es hier um rekonstruierte    Formen geht. Wir verdanken den Runologen Wolfgang Krause diese    Rekonstruktion.

Die Namen der Runen sind erhalten geblieben in Handschriften,    wobei die älteste aus dem 8. Jahrhundert stammt. Das ist also ziemlich spät, wenn wir bedenken, dass die Runen wahrscheinlich im 1. Jahrhundert entstanden. Ausserdem sollte man berücksichtigen, dass es christliche Mönche waren, die diese Handschriften schrieben.
Wie der Form der Name ursprünglich war, können wir deshalb nicht immer ausfinden.

Eine Hilfe bei der Rekonstruktion der Namen und die Sicherstellung ihrer Bedeutung, bieten die Namen der gotischen Buchstaben, die von Wulfila entworfen sind. Diese gibt es in ein Handschrift aus Wien aus dem 10. Jahrhundert. Aber auch hier ist Vorsicht erwünscht, denn in 10. Jahrhundert gab es das Gotische als Sprache schon seit einigen Jahrhunderte nicht mehr.

Und schließlich..... sie wussten doch schon, dass der Name 'Runen' erst aus den 18. Jahrhundert stammt. Er ist verwandt mit dem mittelniederländischen Verb 'runen', welches 'flüstern', oder 'ein Geheimtreffen halten' bedeutete. Das passt schon gut zu der vielen Geheimniskrämerei aus dem 18. und 19. Jahrhundert.


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