|

Kurze Geschichte der Runen
Copyright deutsche Fassung: GardenStone,
1999.
Quelle der Überarbeitung:
"Runen" von M. Philippa & A. Quak
Mit Dank an Merlynn für die Korrektur
'Runen' ist der Name
der Schriftzeichen, die wahrscheinlich seitdem Anfang unserer Zeitrechnung durch
die germanischen Stämme inEuropa benutzt wurde. 'Buchstaben' mit Namen: das
'acrophone Prinzip'.(Acrophon = Einem Buchstaben einen Namen geben, dessen Buchstabe
auch der erste Buchstabe dieses Namens ist).
Die Benutzer der Runenschrift nannten eine Rune oft einen 'Stab', und sie machten
Unterschied zwischen 'Runenstab' (Runenzeichen) und 'Bockstab' (Lateinische Buchstabe.
Vergleiche: Bockstab und Buchstabieren).
Die Benennung 'Rune' bedeutete ursprünglich wahrscheinlich 'Geheim'. Dieses
Wort ist verwandt mit dem mittelniederdeutschen Verb 'runen', (Hochdeutsch
'raunen') das 'flüstern' bedeutete, oder 'eine geheime Besprechung halten'.
Eine Rune war also ein geheimes Zeichen. Die meisten Menschen waren damals Analphabeten,
nur einige Eingeweihte beherrschten, jedenfalls am Anfang, die Kunst des Schreibens
der Runenzeichen.
Die Germanen haben
die Runen nicht selber bedacht. Die Runenschrift ist aus einem anderen 'Alphabet'
übernommen. Es ist aber (noch?) nicht sicher welches Alphabet das gewesen ist,
und wo die Übernahme stattgefunden hat.
Früher war man der Meinung, die Germanen hätten die Runen selber erfunden.
Dabei stützte man sich zu unrecht auf Tacitus, einen römischen Chronikschreiber
aus dem ersten Jahrhundert nach Chr. Dieser schreibt im Kapitel 10 seines Buches
'Germania', dass die Germanen Zeichen (notae) in Äste machten, und diese Zum
Vorhersagen der Runen benutzten.
Diese
'Notae' sollten Runen gewesen sein. Diese Auffassung hat man aber schon lange wieder
verworfen.
Es
gibt viel zu viele Übereinstimmungen zwischen den Runen und dem lateinischen
und griechischen Alphabet. Tacitus hätte das mit Sicherheit gesehen.
Und wegen dieser vielen Gemeinsamkeiten ist es äußerst unwahrscheinlich,
dass die Runen eine reine germanische Erfindung sind.
Im Jahre 1899 kam
der Norweger Sophus Bugge mit der Möglichkeit, dass die Germanen die Runenschrift
von den Griechen übernommen hätten. Diese Theorie wurde von dem Schweden
Otto von Friesen übernommen und erweitert. Diese Übernahme soll passiert
sein, als die Germanen im dritten Jahrhundert am Kaspischen Meer mit den Griechen
in Kontakt kamen.
Die
Goten sollten dabei wie eine Art Vermittler funktioniert haben, denn über sie
sollten die Runen dann nach Skandinavien gebracht worden sein. Diese Theorie kann
aber unmöglich stimmen. Die ersten Runen- Inskriptionen stammen vielleicht
schon aus dem ersten Jahrhundert - z.B. die Inskription von Meldorf - oder jedenfalls
aus dem zweiten Jahrhundert.
Das ist aber lange vor den ersten Kontakten zwischen Griechen und Germanen, die
im dritten Jahrhundert stattfanden. Außerdem kommen die ältesten Inskriptionen
alle aus Skandinavien und nicht aus der Gegend des Kaspischen Meers.
In 1928 kam der norwegische Gelehrter C.J.S. Marstrander mit der 'Nord- etruskischen
Theorie'. Nach dieser Theorie soll die Runenschrift aus Alphabeten entstammen,
die in Norditalien und in den Alpen gebraucht wurden. Dies würde tatsächlich
einige 'Eigenartigkeiten' der Runen erklären. Runen können nämlich
Gruppenweise von links nach rechts, aber auch von rechts nach links gelesen werden.
(Boustrophedon). Außerdem gibt es einige auffallende Übereinstimmungen
zwischen einigen Runen und Zeichen aus diesen norditalienischen Alphabeten. Aber
man muss sich hier dann auch fragen, wie die Germanen mit diesen norditalienischen
Alphabeten in Kontakt gekommen sein könnten. Denn es gibt hier das Problem
von 'Zeit' und 'Ort'. Die Alphabete im Alpengebiet waren vor Anfang unserer Zeitrechnung
vom lateinischen Alphabet ersetzt worden.
Die Germanen hätten also wohl kaum im ersten Jahrhundert etwas aus diesem schon
verschwundenen Alphabet übernehmen können. Außerdem stammen die
ältesten Runeninskriptionen ohne Ausnahme aus Skandinavien, insbesondere aus
Dänemark. Das heißt, dass im grossen Raum zwischen den Alpen und Dänemark
keine Runen aus dieses frühen Zeiten gefunden wurden. Erst ab den 4. Jahrhundert
gibt es Runeninskriptionen südlich und südöstlich von Skandinavien.
Um das Fehlen solcher frühen Inskriptionen erklären zu können, könnte
man daran denken, dass diese nur auf Holz gemacht wurden und dieses Holz, gemäß
seiner Art, verschwunden ist. Aber in Skandinavien sind auch Runeninskriptionen
auf Holz überliefert, und es ist eigentlich nicht anzunehmen, dass gerade im
deutschen Raum alle diese Sachen verschwunden sind. Dazu kommt noch, dass die ältesten
Inskriptionen hauptsächlich auf Waffen und Schmuck angebracht sind. Wenn man
das in südlicheren Gebieten auch gemacht hätte, wäre bestimmt einiges
davon bewahrt geblieben.
Als wahrscheinlichste Theorie bleibt dann die Lateinische und die ist schon ziemlich
alt. Schon im Jahre 1874 kam der Däne Ludwig Wimmer mit der These, dass die
Runenschrift aus dem lateinischen Alphabet stammt. Ins besondere die Ähnlichkeit
zwischen den Runen Fehu (f), Berkana (b), Raidho (r), Isa (i) und Mannaz (m) und
den entsprechenden lateinischen Buchstaben F, B, R, I und M sind auffallend. Das
große Problem hier ist aber, dass - wie schon gesagt -die Runeninskriptionen
von links nach rechts und von rechts nach links laufen, und das ist eine Eigenschaft,
die die lateinische Schrift schon lange vor den ersten Jahrhundert verloren hatte.
Ausserdem weicht die Reihenfolge der Runen stark vom lateinischen Alphabet ab. Die
Bezeichnung 'Alphabet' sollte auch nicht für die Runenschrift benutzt werden,
weil es kein Alphabet ist; es fängt nicht an mit a(lpha) - b(eta). Die Reihenfolge
stimmt also nicht überein mit den genannten Alphabeten.
Wo also einige der Runen deutliche Ähnlichkeit mit einigen lateinischen Buchstaben
zeigen, gibt es auch Runen, die sehr stark von möglichen lateinischen Beispielen
abweichen. Gerade deshalb kam man dann mit der nordetruskischen Theorie.
Vielleicht müssen wir uns aber nicht auf die offizielle lateinische Schrift
aus dem Süden konzentrieren, sondern auf die lateinische Kursivschrift, so
wie sie von Soldaten und Händlern im Grenzgebiet mit den Germanen verwendet
wurde. Denn darin kommen manchmal Buchstaben vor, die stark den Runen ähneln.
Trotz
den Argumenten gegen die lateinische Theorie, ist das die am wenigsten Unwahrscheinliche.
Die Germanen könnten das lateinische Alphabet kennen gelernt haben, und es
in etwas geänderter Form übernommen haben.
Nach den ältesten Runen-Inskriptionen sind Dänemark und die angrenzenden
Gebiete Norwegens und Schwedens das Ursprungsgebiet der Runen. Und es ist sicherlich
kein Zufall, dass die Funde in den beiden letztgenannten Ländern aus deren
Küstenregionen stammen.
Die Wahrscheinlichkeit Dänemarks als Entstehungsgebiet für die Runen ist
leicht aus der relativ hohen Kultur erklärbar, die dieses Land am Anfang der
christlichen Zeitrechnung kannte. Die sogenannte Römische Eisenzeit war für
Dänemark eine große Blütezeit. Es gab auch enge Kontakte zwischen
dem Römischen Reich und Dänemark. Zahlreiche archäologische Funde
beweisen, dass lebhaft Handel getrieben wurde.
Eine wohlhabende Schicht der dänischen Bevölkerung war im Stande römische
Waren zu importieren. Auf Gefäßen, die von Archäologen bei Ausgrabungen
gefunden wurden, wurden lateinische und manchmal sogar griechische Inskriptionen
vorgefunden.
Einige germanische Soldaten im römischen Heer werden die Bedeutung dieser Zeichen
gekannt haben. Vielleicht haben sie eine Rolle gespielt beim Verbreiten der lateinischen
Schrift im germanischen Stammgebiet.
Im Jahre 1979 wurde in einen Lagerraum eines Museums in Norddeutschland eine eine
Fibula aus dem 1. Jahrhundert entdeckt. Darauf gibt es eine Inskription, die von
manchen Leuten für Runenschrift gehalten wird, von anderen für lateinische
Schriftzeichen. Jedenfalls scheint diese Fibula einen germanischen 'Text' zu enthalten
- 'entweder 'hiwi' oder 'idin', abhängig davon, ob man Runen oder lateinische
Zeichen liest.Die frühesten Runeninskriptionen haben einen speziellen Charakter:
es sind nämlich alle Namen auf Schmuck, Waffen und Ähnliches. Gerade das
erinnert an römische Gewohnheiten. Es ist wahrscheinlich auch kein Zufall,
dass im Fehn bei Thorsberg (Schleswig-Holstein, früher dänisch) sowohl
Runeninskriptionen als auch römische Inskriptionen gefunden worden sind.
Auch das zeigt wieder auf eine spezielle Verbindung zwischen Dänen und Römern.
Es liegt dann auf der Hand anzunehmen, dass ein Däne aufgrund des lateinischen
Alphabets eine eigene Schrift entworfen hat. Weil es verhältnismäßig
wenig Variationen der verschiedenen Runenzeichen gibt, darf man annehmen, dass dieser
Entwurf eine bewusste Handlung war. Außerdem hatten die Runen schon früh
eine feste Reihenfolge, die abweicht von den verschiedenen Alphabeten, wie schon
gesagt wurde. Auch das deutet auf ein bewusstes Entwerfen hin.
Seinen Namen verdankt die Runenschrift den ersten sechs Runen, die übersetzt
das Wort 'FUTHARK' formen. Weshalb die Reihenfolge der Runen so ist, wie sie ist,
weiß keiner. Man vermutet einen religiösen Hintergrund, denn einige Runennamen
deuten Götter an. Vielleicht hat es auch ein wenig damit zu tun, dass die erste
Rune, FEHU, Mobilien bedeutet und der letzte Rune, ODAL, Immobilien.
Die Runenschrift muss also in Skandinavien entstanden, später aber bei allen
germanischen Völker bekannt geworden sein. Denn im Laufe der Zeit 'wandert'
sie langsam Richtung Südosten und Süden. Im 3. und 4. Jahrhundert erscheinen
Inskriptionen in Polen und Russland und die man in Verbindung mit den Völkerwanderungen
bringen darf.
Im
Rahmen dieser Wanderungen zogen Stämme wie z.B. die Gothen aus Skandinavien
in Richtung des Schwarzen Meeres und des Balkan. Die Runeninskriptionen, die
man in Rumänien hat gefunden, sind wahrscheinlich mit den Gothen dorthin gekommen.
Die Inskriptionen in Ungarn verbindet man mit einem anderen Stamm, die Longobarden,
der Stamm der 'Langbärtigen'. Diese wohnten ursprünglich in Norddeutschland,
sind aber über Ungarn und Österreich in die italienische Lombardei (entstanden
aus: Longobardia) angekommen.
Die Verbreitung
Richtung Süden findet etwas später statt, als die in Richtung Südosten.
Aus Dänemark verbreitet sichdie Runenschrift - ab den 5. Jahrhundert - nach
Norddeutschland und später, im Laufe des 6. Jahrhundert, nach Mittel- und Süddeutschland.
Im 5. und 6. Jahrhundert fand auch die Invasion Englands statt durch die Jüten,
die Angelen und die Sachsen. Diese drei Völker kamen aus Dänemark, Schleswig-Hollstein
und angrenzende Teile Norddeutschlands. Zur Zeit dieser Invasion kannten sie die
Runenschrift wahrscheinlich schon.
Das erweist sich auch aus der Tatsache, dass in den ältesten englischen Inskriptionen
die H-Rune nur eine Querlinie hat, (N) - wie in Skandinavien und Norddeutschland
-, während um 650 eine H-Rune mit zwei Querstrichen erscheint, die weiter nur
in Friesland, Mittel- und Süddeutschland vorkommt. Möglich gab es später
noch einen zweiten 'Strom' vonRunenkenntnissen, die über die Friesen
gegangen sind. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den ältesten englischen
Inskriptionen aus dem 5. und 6. Jahrhundert und den späteren englischen und
friesischen Inskriptionen ab dem 7. Jahrhundert.
Durch die Wikingerzüge
wurde das Gebiet, in dem Runeninskriptionen vorkommen beachtlich erweitert
von Grönland im Norden, Irland im Westen, Russland im Osten bis nach Piräus
und Istanbul im Süden. Fast überall wo die Wikinger gewesen sind, hat
es Funde mit Runeninskriptionen gegeben. Insgesamt sind im Moment etwa 5000 Gegenstände
bekannt mit Runeninskriptionen. Diese befinden sich zum weitaus größten
Teil in Skandinavien.
Das
Aufkommen des Christentums und damit auch die der lateinischen Schrift machte in
den meisten Fällen ein Ende am Gebrauch der Runen. Es gibt auf den europäischen
Festland außerhalb Skandinaviens keine Runeninskriptionen, die mit Sicherheit
als christlich zu bezeichnen sind. Im Laufe des 7. und 8. Jahrhunderts verschwanden
die Runen. Und wenn nach 800 in einigen Handschriften noch Runen vorkommen, dann
handelt es sich ausschließlich um importierte Runen. Akademisches Interesse
in Deutschland für allerhand Alphabete führte dazu, dass man die
angelsächsische Runenreihe und ab und zu auch den skandinavischen Futhark als
Kuriosität vermeldete. Deutschland selber kannte die Runenschrift anscheinend
zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.
Hingegen
blieb die Runenschrift in England und Skandinavien fortbestehen. Dort übernahm
die Kirche diese Schrift und benutzte sie für Texte in der Volkssprache, z.B.
für Grabinschriften. Die Tatsache, dass man manchmal Runen in Handschriften
benutzte, zeigt auf große Bekanntheit mit dieser Schriftart. Mönche benutzten
Runen ab und zu als Abkürzungszeichen, z.B. bei der D-Rune (M) für den
Begriff ‘Tag’. Der englische Dichter Cynewulf (1. Hälfte des 9. Jahrhunderts),
benutzte Runen um seinen Namen in einem Acrostichon (die Anfangsbuchstaben der Zeilen
eines Gedichts) anzugeben.
Die Stellung der Runenschrift
in England als Konkurrent der lateinischen Schrift führte sogar dazu, dass
die Runenschrift um mehrere Runen (Buchstaben) erweitert wurde. Der Futhark enthielt
ursprünglich 24 Zeichen. Das reichte wahrscheinlich für die Zahl der Vokale
(Selbstlaute) in den ältesten germanischen Sprachen und Dialekten. Im Laufe
der Jahrhunderte entstanden in den germanischen Dialekten viele Änderungen,
die dazu führten, dass der Moment kam, an dem es mehr Vokale als Runenzeichen
gab. In England löste man dieses Problem, indem man neue Runen hinzufügte.
Zuerst kamen, wahrscheinlich schon vor dem 6. Jahrhundert, drei neue Zeichen dazu,
später wurde das noch erweitert, bis man schließlich in Northumbria auf
33 Runenzeichen kam.
Diese
englische Runenreihe blieb bestehen bis ins 11. Jahrhundert. Erst nach der Eroberung
Englands durch die Normannen und das damit zusammenhängende Hochkommen und
die Übermacht der französischen Sprache, brachte der Runenschrift auf
den britischen Inseln das Ende.
Auch in Skandinavien wurden
nach der Christianisierung die Runen von den Christen benutzt. So gibt es z.B. den
berühmten Runenstein von Jelling, (eine Kopie gibt es auf dem Domplatz in der
niederländischen Stadt Utrecht). Dieser Stein wurde etwa im Jahr 960 aufgestellt,
als der dänische König Harald sein Volk zum Christentum gebracht hatte.
Auf dem Stein ist denn auch eine Christusfigur abgebildet.
Was die Zahl der Runen angeht,
wählte man in Skandinavien einen Weg, entgegen dem in England. Die Zahl
der Runenzeichen wurde vermindert bis auf einen Futhark von 16 Zeichen. Das ist
das sog. ‘jüngere’ Futhark. Da wurde nicht die Zahl de Zeichen erweitert, sondern
die Zahl der Klänge, die von einer Rune dargestellt werden konnte. Außerdem
vereinfachte man die Form der Runen. Im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts
wurde durch eine Anpassung einiger Runenzeichen die Zahl wieder erweitert
auf 19.
Nach
dem 12. Jahrhundert wurde auch in Skandinavien die lateinische Schrift maßgebend.
Das führte dazu, das die Runenreihe wieder stark erweitert wurde, damit sie
ein vollwertiges Äquivalent zur lateinischen Schrift wurde. Dabei wurde sogar
die Reihenfolge geändert. Damit können wir ab 1200 auch von einem echten
Runenalphabet sprechen.
Die Konkurrenz mit dem lateinischen
Alphabet war aber eine verlorene Sache. Wahrscheinlich konnte die Runenschrift sich
noch eine Zeit behaupten in Kreisen, wo eine lateinische Schultradition noch nicht
so stark vorgedrungen war, wie z.B. bei den Kaufleuten in Städten wie
Bergen (Norwegen). Runeninskriptionen waren ja leicht anzufertigen; alles was man
brauchte war ein Stück Holz, -das war in Skandinavien reichlich vorhanden -,
und ein Messer um ins Holz zu ritzen.
Aber nach einiger Zeit, besonders nachdem
man gelernt hatte Papier herzustellen, wurden die Runen immer weiter in die abgelegenen
Gebiete in Schweden zurückgedrängt. Bis ins 19. Jahrhundert hat sich im
Gebiet Dalarna noch immer eine, zwar stark vom lateinischen Alphabet beeinflusste,
Runenschriftvariation behauptet.
DIE NAMEN DER
RUNEN
Die Namen der Runen waren wahrscheinlich folgende:
* fehu (f) 'Vieh, Besitz'.
* wuR (u) 'Urochse'. Im späteren
Futhark wurde das Wort interpretiert als ür '(Hagel) Schauer'.
* punsaR (p) 'Riese, Dämon'.
Diese Bedeutung wurde in den christlichen, englischen Texte und manchmal
auch in skandinavischen Texte ersetzt durch pora 'Dorn'. Dies wurde möglicherweise
getan um Assoziationen mit teuflischen Wesen aus dem Heidentum zu vermeiden.
* ansuR (a) 'Ase' (Ein Ase ist ein
germanischer Gottheit).
Durch spätere Klangentwicklung innerhalb des Wortes fand auch hier eine Veränderung
statt ans(uR) entwickelte sich sowohl im altenglischen als auch im Altnordischen
(altskandinavisch) zu 'os(s). Dieses Wort wird assoziiert mit dem lateinischen "os
/ ons" 'Mund/Mündung' oder mit dem altnordischen "os"
'Mündung'.
Es wäre auch hier möglich, dass von einer Christianisierung der Bedeutung
die Rede ist. Für die alten christlichen Engländer und Skandinavier waren
alte Götternamen wohl möglichlicherweise anstössig.
* raido (r) 'Wagen'. Das 'd' ist
eigentlich ein Zeichen aus nordischen Sprachen das es in unser Standard-ASCII nicht
gibt. Es ist eine Art 'd', wobei sich der aufrichte Strich oben nach links biegt
und im oberen Teil in der Mitte ein kleiner Querstrich ist.
* kaunan (k) (?). der präzise
Name ist nicht bekannt.
Im altenglischen hiess die Rune 'Fackel', im Altnordischen war "kaun"
'Geschwür'?. Möglicherweise hat der ursprünglicher Name etwas zu
tun mit dem heidnischen Glauben, und spätere Autoren haben versucht eine Neuinterpretation
einzulegen.
* gebo (g) 'Gabe'.
* wunjo (w) 'Glück'; es wäre
auch möglich, dass der Name
eigentlich * winjo 'Weide' war.
*
haglaR (h) 'Hagel'.
* naudiR (n) 'Not'. Das 'd' ist das
gleiche skandinavisches Zeichen wie bei Raido.
* isan (i) 'Eis'.
* jeran (j) 'Jahr'.
* iwaR (ï) 'ijf / Eif', und
das ist der einheimischer Name für Eibe, der Lebensbaum der Germanen.
Die genaue Klangwert dieser Rune ist unbekannt. Mal steht er für 'i', wird
aber auch benutzt für 'h' oder 'x'.
Meistens wird dieses Zeichen als eine 'i' mit zwei Punkte oben transliteriert.
* perto (p) '?'. Das 't' ist wieder
ein skandinavischen Zeichen, dass wie eine Kombination aus kursiv geschriebenen
‚p’ und ‚b’ aussieht. Die Bedeutung dieses Namens ist unbekannt. Vielleicht deutet
es auf einen Fruchtbaum, und ist es aus dem Keltischen entliehen.
In ein altes keltisches Alphabet, den 'Ogham', gibt es einen Namen, der 'perto'
stark ähnelt. Im Übrigen kommt die P-Rune kaum vor. Schon im 5.
und 6. Jahrhundert wird der Klang 'p' mit der B-Rune angegeben.
* algiR (R) 'Elch'. Dieser Rune
steht für das'z', wird aber oft mit 'R' transliteriert. Im Laufe der Zeit entwickelt
dieses 'z' sich zu einer Variation des 'r'.
Im 11. Jahrhundert verschmilzt es zusammen mit dem anderen 'r', wiedergegeben von
der K-Rune. Später, (im jüngeren Futhark also) bekommt dieses Runenzeichen
den Klangwert
'y' oder 'e'.
* sowilo (s) 'Sonne'.
* tiwaR (t) 'Tyr'. Dies ist der
Name eines hohen Gottes der Germanen, nach dem Dienstag benannt
ist.
Im Schwedischen heißt dieser Tag Tisdag, und das kommt auch von Tyrs Tag.
Vergleiche auch das friesische 'tiisdei' und das englische 'tuesday'.
* berkanan (b) 'Birke'.
* ehwaR (e) 'Pferd'.
* manR (m) 'Mensch, Mann'.
* laukaR (l) 'look' oder *laguR 'Meer'.
Welche von beider Namen der ursprüngliche ist, ist unbekannt.
* ingwaR (ng) 'der Gott Ing' oder
'Mann'.
* dagaR /d) 'Tag'.
* opalan (o) 'Erbbesitz'. Das 'p'
in dieser Name steht für das
gleiche Zeichen wie das 't' in perto.
Die Sternchen sollen andeuten, dass es hier um rekonstruierte Formen
geht. Wir verdanken den Runologen Wolfgang Krause diese Rekonstruktion.
Die Namen der Runen sind erhalten geblieben in Handschriften, wobei
die älteste aus dem 8. Jahrhundert stammt. Das ist also ziemlich spät,
wenn wir bedenken, dass die Runen wahrscheinlich im 1. Jahrhundert entstanden. Ausserdem
sollte man berücksichtigen, dass es christliche Mönche waren, die diese
Handschriften schrieben.
Wie der Form der Name ursprünglich war, können wir deshalb nicht immer
ausfinden.
Eine Hilfe bei der Rekonstruktion der Namen und die Sicherstellung ihrer Bedeutung,
bieten die Namen der gotischen Buchstaben, die von Wulfila entworfen sind. Diese
gibt es in ein Handschrift aus Wien aus dem 10. Jahrhundert. Aber auch hier ist
Vorsicht erwünscht, denn in 10. Jahrhundert gab es das Gotische als Sprache
schon seit einigen Jahrhunderte nicht mehr.
Und schließlich..... sie wussten doch schon, dass der Name 'Runen' erst aus
den 18. Jahrhundert stammt. Er ist verwandt mit dem mittelniederländischen
Verb 'runen', welches 'flüstern', oder 'ein Geheimtreffen halten' bedeutete.
Das passt schon gut zu der vielen Geheimniskrämerei aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Back
|