Sternzeichen, Tierkreise und Erdzeitalter

Von Hannelore Goos

Es gibt zwei Tierkreise: den sogenannten "Tropischen Tierkreis", das ist einfach ein Messkreis in der Ebene der Ekliptik, der das (echte) Sonnenjahr in einem Kreis von 360° darstellt. Sein Anfang ist immer die Frühlingstagundnachtgleiche, ca. 21. März.

Dieser Messkreis ist in 12 Abschnitte zu je 30 Grad eingeteilt, die Widder, Stier, Zwillinge, usw. heißen. Die Projektion der scheinbaren Sonnenposition von der Erde aus auf diesen Messkreis ergibt das "astrologische" Tierkreiszeichen. Tatsächlich, nämlich heliozentrisch, ist die Erde natürlich immer im entgegengesetzten Abschnitt.

Sodann gibt es den siderischen Tierkreis, das ist die Konstellation von 12 Sternbildern, durch die die Sonne scheinbar wandert, wenn sie über ein Jahr hinweg von der Erde aus beobachtet wird. Vor ca. 3000 Jahren waren tropischer und siderischer Tierkreis ungefähr deckungsgleich, bereits bei Plato war jedoch das Phänomen der Präzession bekannt, und die beiden wurden als getrennt behandelt.

Es gibt nach meiner Kenntnis 11 verschiedene Methoden, die Abweichung zu berechnen; da die indische Astrologie mit dem siderischen Tierkreis rechnet, ist dort die Methode per Regierungserlass festgelegt. Weiteres findet man unter dem Stichwort "Ayanamsa".

Wie bereits gesagt, schon Plato kannte die Tatsache, dass die geozentrisch beobachtete Sonnenposition zur Tagundnachtgleiche im Frühling ("Frühlingspunkt") sich verschiebt, das beruht auf einer Pendelbewegung der Erdachse. Der Frühlingspunkt wandert rückwärts durch die Sternbilder des siderischen Tierkreises. Einmal "herum" heißt ein Platonisches Jahr, ca. 25.400 Jahre, für jedes Sternbild also ca. 2100 Jahre. So war der Frühlingspunkt in den letzten 2000 Jahren im Sternbild Fische und wandert jetzt ins Sternbild Wassermann. Tatsächlich sind die Bilder aber unterschiedlich groß, es gibt keine festgelegten Grenzen, teilweise liegen Sterne auch "hintereinander", sodaß kein Mensch sagen kann, wann eins diese "Erdzeitalter" aufhört und wann eins anfängt. Die Uhrzeit spielt keine Rolle, der Frühlingspunkt "braucht" 72 Jahre für 1 Grad.