Perht, Holda
und
verwandte  Gestalten
Ein Beitrag zur deutschen Religionsgeschichte.

Von

Dr. Viktor Waschnitius

Vorgelegt in der Sitzung am 23. April 1913.

Wien, 1914.

k. u. k. Hof- und Universitats-Buchhandler, Buchhandler der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften

Eingescant und bearbeitet von GardenStone, 2005.

EINLEITUNG

Unter den mythischen Gestalten des deutschen Volksglaubens, die J. Grimm und die auf ihn folgende mythologische Forschung ans Licht gebracht haben, ist Holda, meist als Frau Holle, am lebhaftesten in das Bewußtsein unseres Volkes aufgenommen worden. Beigetragen haben dazu außer der Mythologie selbst auch die Kinder- und Hausmärchen (KHM) und die Deutschen Sagen (DS), vor allem erstere, bei denen das vollendet wiedergegebene Märchen von der Frau Holle auch heute noch einen vollen Eindruck auf jeden Leser ausübt. Aber auch den Namen Berta umgibt seit Grimm, zumindest im Unterbewußtsein eines jeden Gebildeten, ein gewisser mythischer Schimmer. So erfreulich und verständlich dieser Widerklang, den der seelische Gehalt der von Grimm veröffentlichten Sagen und Märchen in dem Empfinden der Nation hervorrief, ist, hat dieser Umstand doch auf die wissenschaftliche mythologische Forschung an sich sehr ungünstig eingewirkt. Gerade auf dem Gebiete der Volkskunde kann ja auf die Mitarbeit der Laienkreise nicht verzichtet werden, und so gut gemeint diese auf unserem Gebiete auch immer war, hat sie neben manchem Wertvollen doch im allgemeinen sehr verwirrend gewirkt. Wie gerade bei einem volkskundlichen Gegenstand Empfindungsfaktoren, vor allem das Nationalbewußtsein eine große Rolle spielt, ist ja jedem, der sich nur ein wenig mit Volkskunde beschäftigt hat, bekannt. Natürlich kann sich auch der wissenschaftlich Arbeitende dem Einflüsse derartiger im Gemüt wurzelnder Kräfte nicht immer entziehen, während anderseits manche, um dem zu entgehen, in das entgegengesetzte Extrem einer kritischen, in der Tat aber meist oberflächlichen Skepsis undNegation verfallen.
Diese beiden Strömungen können wir in der wissenschaftlichen Behandlung des Holda-Perhtproblems speziell in den sogenannten Handbüchern der Mythologie deutlich beobachten. Noch heute stehen die Gegensätze einander schroff gegenüber.

Im folgenden will ich eine kurze Übersicht über die Entwicklung der Anschauungen über unser Thema in der wissenschaftlichen und halbwissenschaftlichen Literatur geben; dann wende ich mich gleich zu der Darstellung des vorhandenen Materials.

Jacob Grimm behandelt unseren Stoff im cap. X. Göttinnen seiner ,Deutschen Mythologie', I. Aufl. 1835, S. 164 f. Ausgehend von der Mitteilung des Tacitus Germ. Kap. IX über den Isiskult bei den Sueven wirft er die Frage auf, ob Holda nicht eine Nebenbezeichnung dieser Göttin gewesen sei. Den Namen stellt er zu hold got. hulþs und bringt die ihm bekannten Belegstellen des Appellativs für genius. Darauf geht er zu den Zeugnissen über Holda selbst über. Als ältestes: Burchard von Worms (in späteren Auflagen Walahfrid Strabo). Im heutigen Volksglauben findet er sie vor allem in Thüringen und Hessen, ferner im Voigtland, Nordfranken, Wetterau, Westerwald und in dem an Thüringen angrenzenden Niedersachsen; Im ganzen eine richtige Begrenzung. Weniger zutreffend ist die Schilderung der Vorstellung von Holda, wobei er sie entsprechend seiner Namensdeutung besonders als milde, freundliche, gnädige Göttin charakterisiert mit starker Betonung ihrer Beziehung zu Gewässern und zum wilden Heer. Ihr Auftreten in abstoßender Gestalt erklärt er aus priesterlicher Beeinflussung. Aus ihrem Verhältnis zum Spinnen schließt er auf ,Oberaufsicht über den Feldbau und die strenge Ordnung im Haushalt', die ganz das Amt einer mütterlichen Gottheit wie Isis und Nerthus bezeichnen; ihre Sorge für Flachs und Spinnen führe unmittelbar auf die an. Frigg. Nach einer Zwischenbemerkung über die Hulda in der Bibel II. reg. 22,14 wendet er sich zur nordischen Überlieferung. Auch hier zieht er die Etymologie aus an. holla propitius der aus an. hulda obscuritas vor. Das r in Huldra, Huldre berührt er, ohne sich für eine Deutung zu entscheiden. Deutlich aber fühlt er den Gegensatz der nord. Vorstellung zur md. (S. 169). Als ident mit Holda betrachtet er die Frau Berchte ahd. Perahta, die Leuchtende, in Schwaben, Elsaß, Schweiz, Bayern und Österreich. Das Gebiet ist, wie wir sehen werden, zu weit ausgedehnt. Die Hervorhebung der grauenvollen Seite an dieser Gestalt führt er auch hier auf Herabwürdigung durch christliche Volksansicht zurück. Dann wendet er sich zur Darstellung der volkstümlichen Vorstellungen, wobei er besonderes Gewicht auf ihre angebliche Festspeise legt. Er streift dann die Geschichten vom aufgeschnittenen Bauch und die wilde und eiserne Berta und bringt endlich ein Stück vom mhd. Gedicht von Berchten mit der langen nas, wobei er Stempe mit ihr identifiziert. Nach Erwähnung des Perchtenlaufens wendet er sich zur Schweiz, wo er das bechten behandelt und von Berchtold als männlicher Berta spricht. Aus seiner Deutung des Namens entspringt die Identifizierung der weißen Frau mit Perahta. Endlich behandelt er noch die angeblich ,aüs der Göttersage in die Heldensage aufgenommene' Frau Berta in der ital. und fzs. Redensart: zur Zeit als Berta spann, und die Mutter Karls d. Gr., die durch ihren großen Fuß ihren mythischen Ursprung nicht verleugne. Als Abschluß spricht er noch über das Verhältnis zu der Bezeichnung Perhtennaht, wobei er die Möglichkeit des zufälligen Entstehens eines dämonischen Wesens aus der Personifikation dieser Kalenderbezeichnung erwägt, aber sich doch zum heidnischen Ursprung von Vorstellung und Namen bekennt. Anschließend handelt er über die verschiedenen, als Anführerinnen des Hexenzuges genannten angeblichen Gottheiten: Herodias, Abundia etc.
Grimm geht also auch hier von dem Gesichtspunkte aus, daß die Vorstellungen des jüngeren deutschen Volksglaubens nur Veränderungen und Verfälschungen einer ursprünglichen germanischen Göttervorstellung seien, deren Bild er sich nach dem Muster der Edda konstruiert. Dabei wird Grimm gerade dem Wesentlichen der heidnischen Weltanschauung nicht gerecht. Auch die Auffassung der Einzelzüge ist dadurch getrübt. Nichtsdestoweniger muß man auch hier die großen Vorzüge Grimms mit Bewunderung anerkennen: Die mustergültige Zusammenstellung des Materials und die Klarheit und Schönheit seiner Darstellung.   In den späteren Auflagen
hat Grimm das neuhinzugekommene Material, besonders Böfners Orlagausagen verarbeitet, aber seinen Standpunkt in keiner Weise geändert.

Die auf Grimm reichlich folgenden Mythologen aus Gelehrten- und aus Laienkreisen machten es sich vor allem zur Aufgabe, Holda und Perht als gemeindeutsche Göttinnen zu erweisen und ihnen ihren Platz in dem von ihnen konstruierten gemeingerm. Olymp mit mehr oder weniger Zwang anzuweisen. Ich kann auf die geäußerten Ansichten nur ganz kurz eingehen.

Wie Grimm sah W. Müller in seinem 1844 erschienenen Werk ,Gesch. und System der altdsch. Religion/, das Mogck und E. M. Meyer lobend erwähnen, in Holda und Perht verblaßte Gottheiten (S. 122), die der n. Freyja entsprechen. Neu ist, daß ihm der Perhtenlauf mehr slawisch als deutsch erscheint und daß er bei Perht die Möglichkeit keltischer (!) Entlehnung erwägt.

Viel weiter geht Albert Schott, der in seiner Einleitung zu Vollmers Ausgabe des Gudrunliedes 1845, S. XLIX und L die epische Gestalt der Plilde zu einer mythischen macht und direkt vrou Hilde in Anlehnung an eine Stelle bei Gr. M.4, S. 236 mit frau Hulda identifiziert, wobei er ganz indiskutable Vergleichungspunkte herbeizieht.

Kuhn behauptet in den inhaltlich ganz von ihm besorgten NDS 1848 (nur das Eegister von Schwarte), S. XXIII die Identität von Frick, Holda, Berhta, dazu Harke, Frü Gode etc. Diese faßt er als verblaßte Göttinnen auf, die der n. Frigg auf deutschem Boden entsprächen.

Anders sein Mitarbeiter Wilh. Schwartz, der diese Gestalten bereits als Prototype auffaßt, ihnen also primären Charakter zuschreibt. (Vgl. ZdVfVK. IX, S. 1 f.) Er sieht in ihnen, wie es seiner meteorischen Deutungsweise entspricht, im Sturm umfahrende Gewitterwesen. Allerdings kommt auch Annäherung an Kuhns Ansicht vor. (Vgl. Poet. Naturanschauungen I, 211 Holda als hexenartig werdende Sonnenfrau.)

Ähnlich wie Kuhn erklärt J. W. Wolf Hess. Sagen 1853, S. XII, die Identität der Holda und der Freyja-Frouwa über jeden Zweifel erhaben.

Das im selben Jahre erschienene Handbuch der deutschen Mythologie 1853—1855 von Simrock dagegen greift die Idee Schotts auf und konstruiert sich eine Göttin Hilde, die der an. Hei entsprechen soll. Mit Hilde aber ist Holda und Berhta ident, daher auch mit der an. Hei. (Holda von heln.) Ursprünglich drückten diese beiden Gestalten die Gegensätze von Licht und Finsternis aus, die sich in der Erscheinung der Hei verbunden zeigen.   (Vgl.  § 114.)

Weit besser als seine Vorgänger, wenn auch damals noch unter dem Einflüsse der alten vergleichenden Mythologie behandelt W. Mannhardt unser Thema in großer Ausführlichkeit in seinen ,Germ. Mythen' 1858. Er widmet ihm das Kap. II, Holda und die Nornen, S. 243—736; über Holda spez. § 2, S. 255—273. Seine Ansicht faßt er S. 269 folgendermaßen zusammen: ,Es ist klar, daß Holda eine himmlische Gottheit ist, welche in Wind und Sonnenschein ihre Macht entfaltet, vorzugsweise aber den Segen der Wolke spendet, in dieser ihren Hauptsitz hat und daher auch von ihr ausgegangen sein wird. Sie ist mit einem Worte die alte Brunnenfrau. Ihr Aufenthaltsort, die Wolke, wurde als Berg, Brunnen oder Wald gedacht.' Perht ist ihm mit Holda ident. (S. 294.) Es sind dies aber, wie auch Freyja, Frigg etc. nur verschiedene Namen für ein und dieselbe Göttin, die im wesentlichen eine Wolkengöttin ist (S. 297), aber alle möglichen Funktionen in sich vereinigt.

Auf einem ganz anderen Standpunkte steht bekanntlich Mannhardt in seinem 1875 und 1877 erschienenen ,Wald-und Feldkulten'. Hier berührt er Holda nur ganz kurz in ihrer Beziehung zur wilden Jagd und bezüglich ihres hohlen Kückens, wobei er sie in Parallele mit anderen Vegetationsdämonen setzt. (I, 85, 120.) Perht aber führt er, was schon Grimm erwogen, Schmeller BW s. v. als erwiesen angenommen (1827—1837), auf eine Personifikation aus dem Perhten-tag zurück, II 185 Anm., wobei er allerdings hinweist, ,daß mit diesen Personifikationen der Jahreszeiten und Kalendertage sich ältere mythische Vorstellungen aus dem Kreise der Vegetationsdämonen, der Sagen vom wilden Heer usw. verbunden haben'. Mannhardt hat als erster die Göttlichkeit der Holda und Perht mit triftigen Gründen zweifelhaft gemacht, an die man seit Grimm wie an ein Dogma zu glauben sich verpflichtet fühlte.

Zu dieser letzteren Richtung gehört noch vor dem Erscheinen der WfK. Karl Blind, der im Cornhill Magazine May 1872, S. 610 f. einen Artikel über ,Freia-Holda, the Teutonic Goddess of love' schrieb.

Henne am Khyn knüpft (Dtsch. Vs. Leipzig 1874, S. 405) an Simrocks Ansicht an und betrachtet Hei als Grundvorstellung aller weiblicher Götterwesen; für J. G. v. Hahn Sagws. Studien 1876, S. 429 18 aber ist ,der Vollmond der natürlichste Naturkern unserer Holda'. B. Symons jGids' Juli 1883, S. 19, faßt Holda als primäre Gottheit, von der sich die anderen wie Frigg, Freyja etc. abgespalten haben.

1887 erschien eine Spezialarbeit über Holda, die Dissertation eines holländischen Theologen L. Knappert ,De Beteekenis van de Wetenschap van het Folklore voor de Gods-dienstgeschiedenis onderzocht en aan de Holda-Mythen getoetst'. Das Buch bringt nicht Neues. Knappert geht aus von Holda als ursprünglich adjektivischen Beinamen einer Göttin Frigg-Freyja; daraus entstand durch Hypostase eine wesentlich chthonische Göttin Holda, die vegetabilische und animalische Fruchtbarkeit verleiht (III, § 3) und Herrin über Geburt und Tod (§ 4) und über die häusliche Arbeit ist (§ 5). Ihr Verhältnis zu den Wettererscheinungen (§ 6) erklärt sich aus der ursprünglichen Identität mit Frigg und ist nur angeflogen ; darin polemisiert er gegen Mannh. GM. Perht bezeichnet er im Vorübergehen als besondere Göttin, die aber in manchen Punkten mit Holda in eins verfloß. In seiner Darstellung der Holdamythen glaubt Knappert die folkloristische Deutung aus gesellschaftlichen Verhältnissen, Gebräuchen, Totenkult etc. mit der naturmythischen glücklich vereint zu haben. Dazu verwendet er alle vermeintlichen und echten Quellen der früheren Mythologen von der Hludana-inschrift bis zu den Marienkäferreimen unter Heranziehung fast sämtlicher dämonischer Wesen.

Laistner behandelt ,Eätsel der Sphinx', 1889 II, c. 63 Berchtholda, Holda und Perht aus dem sein Werk beherrschenden Gesichtspunkt der Alp vor Stellung. Aus den umziehenden Alpwesen hat sich Berchthold und Berchtholda als Führer und Führerin emporgeschwungen. Kurz zusammengefaßt hat diese Anschauungen Dr. M. Höfler ,Perchta', Urquell n. F. II, 199—202.

Auf den Bahnen Knapperts wandelt E. H. Meyer in seiner Germ. Mythologie 1891. Wie Mannhardt seinerzeit setzt er — offenbar wie dieser durch indische Vorstellungen stark beeinflußt ¦— eine germ. Wolkengöttin an, deren Name und Gestalt in Deutschland als Gode, Holda, Perlita etc. noch erhalten ist und die in dreifacher Art: als dunkle, schädliche, als mittlere erlösungsbedürftige, bald holde, bald unholde und als lichte, liebliche Göttin erscheint, je nach der Art des Wetters.

Auch E. Mogk steht in seiner in der 1. Auflage von Pauls Grundriß, Straßburg 1891, erschienenen germ. Mythologie auf einem ganz ähnlichen Standpunkt. Für ihn sind alle mythischen weiblichen Wesen Hypostasen einer chthoni-sehen Gottheit, der Gattin des Himmelsgottes (§ 71). Als solche erscheint auch Frija-Frigg, deren Spuren auch er in der uckermärkischen Frike ,Fuik etc. findet (§ 73). Harke, Göde, Werre, endlich Holda und Perchta sind germ. Totengöttinnen. Neu ist die ausschließliche Ableitung der Namen von ahd. helan und pergan.

Unterdessen hatte bereits 0. Knoop in Rogasen in der ZfVK. II 1890 eine Artikelserie begonnen, ¦— fortgesetzt ZfVK. III, IV, 91, 92 und Urquell 1894 — in welcher er mit großer Energie den von Kuhn und Schwartz in der norddeutschen Tiefebene entdeckten Göttergestalten den Garaus zu machen suchte, was ihm auch bezüglich der übrigens von Schwartz in der angenommenen Form nie behaupteten Göttlichkeit gelang. Damit wurden der gemeingerm. oder gemeindeutschen Göttin Holda-Perahta die wichtigsten Stützen benommen.

Was Knoop bestehen lassen hatte, verfiel dem kritischen Eifer Wolfgang Golthers. Dieser widmet in seinem Handbuch der germ. Mythologie (1895) den angeblichen Göttinnen einen eigenen Abschnitt (VII). Kap. 2 dieses Abschnittes behandelt ,Holle, Berchte und andere weiße Frauen'. Ausgehend von den aus dem Seelenkult entsprungenen, tatsächlich gegebenen Volksbräuchen der Einstellung der Spinnarbeit und des Speiseopfers stellt Golther Frau Holle al späte Differenzierung aus der Schar der umziehenden Hollen dar. Die übrigen Züge Holdas erklärt er meist aus Beeinflussung seitens romanischen Aberglaubens (wilde Jagd als Hexenumzug) und christlicher Marienlegenden (Kinderparadies, Schneefall etc.). Perht läßt er in ihrer Art aus dem Gespensterglauben, in ihrer Benennung aus dem Kalender hervorgehen. Ein Nachhall germanischer Göttinnen sei nicht erweisbar.

In der 2. Auflage seiner Mythologie (P. Gr. III, 1900) vertritt Mogk unter dem Einflüsse Golthers, Knoops und Kauffmanns (PBB. 18, 145 f.) eine ganz andere Anschauung als in der ersten. In dem Abschnitt über den Seelenglauben — nicht mehr in dem über die Göttinnen — behandelt er in § 35 die Holden und Perhten. Jetzt läßt er wie Golther Holda aus den Holden, seelischen Wesen, im späteren Volksglauben als Führerin hervorgehen, ganz ähnlich aber auch Perhta aus den Perhten, ebenfalls Seelengeistern. An der Etymologie aus helan und pergan wird festgehalten. Die übrigen Gestalten bezeichnet Mogk ganz unter Knoops Einflüsse als Erzeugnisse der Volksphantasie und des Volkswitzes späterer Zeit. Hervorzuheben ist, daß sich für Mogk Holda und Perhta sachlich vollständig decken und nur lokal zu trennen sind.

Bilfinger faßt Germ. Julfest 1901, S. 102 f., in Übereinstimmung mit seiner stark von Tille beeinflußten Theorie über die Entstehung der Weihnachtsfestzeit Berchta-Holda als eine Art Neujahrsfee auf, die mit dem neuen Jahr bei den Menschen erscheint, ihnen die Naturgaben schenkt, die sie im Verlauf des neuen Jahres erhoffen, dafür Opfer empfängt und zugleich über Einhaltung der herkömmlichen (aus römisch-heidnischen oder christlichen Anschauungen stammenden) Neujahrssitte wacht.

Der Standpunkt der älteren Mythologen wurde neuerdings wieder vertreten von E. H. Meyer, Myth. d. Germ. 1903 (etwas geändert gegenüber der G. M.), Andree-Eysn, .Die Perchten im Salzburgischen' und Dr. II. Sendung, ,Frau Holle', Daheim, 42. Jhrg., n. 24, 1906. E.M.Meyer, ,Altg.Bg/ 1910, schließt sich an Golther und Mogk an. Endlich sei noch Eich. Eieglers Gleichung Holda = Wiesel (WS. II, 186 f.) erwähnt, die aber abzulehnen ist, da sie ganz auf der Gleichsetzung von Holda, der weißen Frau u. ähnl. beruht.

Meine Arbeit legt ihr Hauptgewicht auf die möglichst vollständige Sammlung und klare Darstellung des vorhandenen mythischen Materials. Für diesen Zweck hat sich die Gliederung des Stoffes nach den mundartlichen, und zum Teil politischen Gebieten und innerhalb dieses Rahmens nach der zeitlichen Reihenfolge am praktischesten erwiesen.

Die mythologische Behandlung, der der II. Teil gewidmet ist, leidet an dem Mangel gesicherter halbwegs einheitlicher Anschauungen, so daß die Untersuchung einzelner mythischer Wesen eigentlich nur im Rahmen einer mythologischen Gesamtdarstellung möglich ist, beziehungsweise zu einer solchen werden muß, wenn man nicht, wie auch ich es zu tun genötigt bin, eine Reihe offener Behauptungen übrig lassen will.

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