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EINLEITUNG
Unter den mythischen
Gestalten des deutschen Volksglaubens, die J. Grimm und die auf ihn folgende
mythologische Forschung ans Licht gebracht haben, ist Holda, meist als Frau
Holle, am lebhaftesten in das Bewußtsein unseres Volkes aufgenommen worden.
Beigetragen haben dazu außer der Mythologie selbst auch die Kinder- und
Hausmärchen (KHM) und die Deutschen Sagen (DS), vor allem erstere, bei denen
das vollendet wiedergegebene Märchen von der Frau Holle auch heute noch einen
vollen Eindruck auf jeden Leser ausübt. Aber auch den Namen Berta umgibt seit
Grimm, zumindest im Unterbewußtsein eines jeden Gebildeten, ein gewisser
mythischer Schimmer. So erfreulich und verständlich dieser Widerklang, den der
seelische Gehalt der von Grimm veröffentlichten Sagen und Märchen in dem
Empfinden der Nation hervorrief, ist, hat dieser Umstand doch auf die
wissenschaftliche mythologische Forschung an sich sehr ungünstig eingewirkt.
Gerade auf dem Gebiete der Volkskunde kann ja auf die Mitarbeit der Laienkreise
nicht verzichtet werden, und so gut gemeint diese auf unserem Gebiete auch
immer war, hat sie neben manchem Wertvollen doch im allgemeinen sehr verwirrend
gewirkt. Wie gerade bei einem volkskundlichen Gegenstand Empfindungsfaktoren,
vor allem das Nationalbewußtsein eine große Rolle spielt, ist ja jedem, der
sich nur ein wenig mit Volkskunde beschäftigt hat, bekannt. Natürlich kann sich
auch der wissenschaftlich Arbeitende dem Einflüsse derartiger im Gemüt
wurzelnder Kräfte nicht immer entziehen, während anderseits manche, um dem zu
entgehen, in das entgegengesetzte Extrem einer kritischen, in der Tat aber
meist oberflächlichen Skepsis undNegation verfallen.
Diese beiden Strömungen können wir in der wissenschaftlichen Behandlung des
Holda-Perhtproblems speziell in den sogenannten Handbüchern der Mythologie
deutlich beobachten. Noch heute stehen die Gegensätze einander schroff
gegenüber.
Im folgenden will ich
eine kurze Übersicht über die Entwicklung der Anschauungen über unser Thema in
der wissenschaftlichen und halbwissenschaftlichen Literatur geben; dann wende
ich mich gleich zu der Darstellung des vorhandenen Materials.
Jacob Grimm behandelt
unseren Stoff im cap. X. Göttinnen seiner ,Deutschen Mythologie', I. Aufl.
1835, S. 164 f. Ausgehend von der Mitteilung des Tacitus Germ. Kap. IX über den
Isiskult bei den Sueven wirft er die Frage auf, ob Holda nicht eine
Nebenbezeichnung dieser Göttin gewesen sei. Den Namen stellt er zu hold got.
hulþs und bringt die ihm bekannten Belegstellen des Appellativs für genius.
Darauf geht er zu den Zeugnissen über Holda selbst über. Als ältestes: Burchard
von Worms (in späteren Auflagen Walahfrid Strabo). Im heutigen Volksglauben
findet er sie vor allem in Thüringen und Hessen, ferner im Voigtland,
Nordfranken, Wetterau, Westerwald und in dem an Thüringen angrenzenden
Niedersachsen; Im ganzen eine richtige Begrenzung. Weniger zutreffend ist die
Schilderung der Vorstellung von Holda, wobei er sie entsprechend seiner
Namensdeutung besonders als milde, freundliche, gnädige Göttin charakterisiert
mit starker Betonung ihrer Beziehung zu Gewässern und zum wilden Heer. Ihr
Auftreten in abstoßender Gestalt erklärt er aus priesterlicher Beeinflussung.
Aus ihrem Verhältnis zum Spinnen schließt er auf ,Oberaufsicht über den Feldbau
und die strenge Ordnung im Haushalt', die ganz das Amt einer mütterlichen
Gottheit wie Isis und Nerthus bezeichnen; ihre Sorge für Flachs und Spinnen
führe unmittelbar auf die an. Frigg. Nach einer Zwischenbemerkung über die Hulda
in der Bibel II. reg. 22,14 wendet er sich zur nordischen Überlieferung. Auch
hier zieht er die Etymologie aus an. holla propitius der aus an. hulda
obscuritas vor. Das r in Huldra, Huldre berührt er, ohne sich für eine Deutung
zu entscheiden. Deutlich aber fühlt er den Gegensatz der nord. Vorstellung zur md. (S. 169). Als
ident mit Holda betrachtet er die Frau Berchte ahd. Perahta, die Leuchtende, in
Schwaben, Elsaß, Schweiz, Bayern und Österreich. Das Gebiet ist, wie wir sehen
werden, zu weit ausgedehnt. Die Hervorhebung der grauenvollen Seite an dieser
Gestalt führt er auch hier auf Herabwürdigung durch christliche Volksansicht
zurück. Dann wendet er sich zur Darstellung der volkstümlichen Vorstellungen,
wobei er besonderes Gewicht auf ihre angebliche Festspeise legt. Er streift
dann die Geschichten vom aufgeschnittenen Bauch und die wilde und eiserne Berta
und bringt endlich ein Stück vom mhd. Gedicht von Berchten mit der langen nas,
wobei er Stempe mit ihr identifiziert. Nach Erwähnung des Perchtenlaufens
wendet er sich zur Schweiz, wo er das bechten behandelt und von Berchtold als
männlicher Berta spricht. Aus seiner Deutung des Namens entspringt die
Identifizierung der weißen Frau mit Perahta. Endlich behandelt er noch die
angeblich ,aüs der Göttersage in die Heldensage aufgenommene' Frau Berta in der
ital. und fzs. Redensart: zur Zeit als Berta spann, und die Mutter Karls d.
Gr., die durch ihren großen Fuß ihren mythischen Ursprung nicht verleugne. Als
Abschluß spricht er noch über das Verhältnis zu der Bezeichnung Perhtennaht,
wobei er die Möglichkeit des zufälligen Entstehens eines dämonischen Wesens aus
der Personifikation dieser Kalenderbezeichnung erwägt, aber sich doch zum
heidnischen Ursprung von Vorstellung und Namen bekennt. Anschließend handelt er
über die verschiedenen, als Anführerinnen des Hexenzuges genannten angeblichen
Gottheiten: Herodias, Abundia etc. Grimm geht also auch
hier von dem Gesichtspunkte aus, daß die Vorstellungen des jüngeren deutschen
Volksglaubens nur Veränderungen und Verfälschungen einer ursprünglichen
germanischen Göttervorstellung seien, deren Bild er sich nach dem Muster der
Edda konstruiert. Dabei wird Grimm gerade dem Wesentlichen der heidnischen
Weltanschauung nicht gerecht. Auch die Auffassung der Einzelzüge ist dadurch
getrübt. Nichtsdestoweniger muß man auch hier die großen Vorzüge Grimms mit
Bewunderung anerkennen: Die mustergültige Zusammenstellung des Materials und
die Klarheit und Schönheit seiner Darstellung. In den späteren Auflagen hat Grimm das neuhinzugekommene
Material, besonders Böfners Orlagausagen verarbeitet, aber seinen Standpunkt in
keiner Weise geändert.
Die auf Grimm
reichlich folgenden Mythologen aus Gelehrten- und aus Laienkreisen machten es
sich vor allem zur Aufgabe, Holda und Perht als gemeindeutsche Göttinnen zu
erweisen und ihnen ihren Platz in dem von ihnen konstruierten gemeingerm. Olymp
mit mehr oder weniger Zwang anzuweisen. Ich kann auf die geäußerten Ansichten
nur ganz kurz eingehen.
Wie Grimm sah W.
Müller in seinem 1844 erschienenen Werk ,Gesch. und System der altdsch.
Religion/, das Mogck und E. M. Meyer lobend erwähnen, in Holda und Perht
verblaßte Gottheiten (S. 122), die der n. Freyja entsprechen. Neu ist, daß ihm
der Perhtenlauf mehr slawisch als deutsch erscheint und daß er bei Perht die
Möglichkeit keltischer (!) Entlehnung erwägt.
Viel weiter geht
Albert Schott, der in seiner Einleitung zu Vollmers Ausgabe des Gudrunliedes
1845, S. XLIX und L die epische Gestalt der Plilde zu einer mythischen macht
und direkt vrou Hilde in Anlehnung an eine Stelle bei Gr. M.4, S.
236 mit frau Hulda identifiziert, wobei er ganz indiskutable
Vergleichungspunkte herbeizieht.
Kuhn behauptet in den
inhaltlich ganz von ihm besorgten NDS 1848 (nur das Eegister von Schwarte), S. XXIII
die Identität von Frick, Holda, Berhta, dazu Harke, Frü Gode etc. Diese faßt er
als verblaßte Göttinnen auf, die der n. Frigg auf deutschem Boden entsprächen.
Anders sein Mitarbeiter Wilh. Schwartz, der diese Gestalten bereits als
Prototype auffaßt, ihnen also primären Charakter zuschreibt. (Vgl. ZdVfVK. IX, S.
1 f.) Er sieht in ihnen, wie es seiner meteorischen Deutungsweise entspricht,
im Sturm umfahrende Gewitterwesen. Allerdings kommt auch Annäherung an Kuhns
Ansicht vor. (Vgl. Poet. Naturanschauungen I, 211 Holda als hexenartig werdende
Sonnenfrau.)
Ähnlich wie Kuhn
erklärt J. W. Wolf Hess. Sagen 1853, S. XII, die Identität der Holda und der
Freyja-Frouwa über jeden Zweifel erhaben.
Das im selben Jahre
erschienene Handbuch der deutschen Mythologie 1853—1855 von Simrock dagegen
greift die Idee Schotts auf und konstruiert sich eine Göttin Hilde, die der an.
Hei entsprechen soll. Mit Hilde aber ist Holda und Berhta ident, daher auch mit
der an. Hei. (Holda von heln.) Ursprünglich drückten diese beiden Gestalten die
Gegensätze von Licht und Finsternis aus, die sich in der Erscheinung der Hei
verbunden zeigen. (Vgl. § 114.)
Weit besser als seine
Vorgänger, wenn auch damals noch unter dem Einflüsse der alten vergleichenden
Mythologie behandelt W. Mannhardt unser Thema in großer Ausführlichkeit in
seinen ,Germ. Mythen' 1858. Er widmet ihm das Kap. II, Holda und die Nornen, S.
243—736; über Holda spez. § 2, S. 255—273. Seine Ansicht faßt er S. 269
folgendermaßen zusammen: ,Es ist klar, daß Holda eine himmlische Gottheit ist,
welche in Wind und Sonnenschein ihre Macht entfaltet, vorzugsweise aber den
Segen der Wolke spendet, in dieser ihren Hauptsitz hat und daher auch von ihr
ausgegangen sein wird. Sie ist mit einem Worte die alte Brunnenfrau. Ihr
Aufenthaltsort, die Wolke, wurde als Berg, Brunnen oder Wald gedacht.' Perht
ist ihm mit Holda ident. (S. 294.) Es sind dies aber, wie auch Freyja, Frigg
etc. nur verschiedene Namen für ein und dieselbe Göttin, die im wesentlichen
eine Wolkengöttin ist (S. 297), aber alle möglichen Funktionen in sich
vereinigt.
Auf einem ganz
anderen Standpunkte steht bekanntlich Mannhardt in seinem 1875 und 1877
erschienenen ,Wald-und Feldkulten'. Hier berührt er Holda nur ganz kurz in
ihrer Beziehung zur wilden Jagd und bezüglich ihres hohlen Kückens, wobei er
sie in Parallele mit anderen Vegetationsdämonen setzt. (I, 85, 120.) Perht aber
führt er, was schon Grimm erwogen, Schmeller BW s. v. als erwiesen angenommen
(1827—1837), auf eine Personifikation aus dem Perhten-tag zurück, II 185 Anm., wobei
er allerdings hinweist, ,daß mit diesen Personifikationen der Jahreszeiten und
Kalendertage sich ältere mythische Vorstellungen aus dem Kreise der
Vegetationsdämonen, der Sagen vom wilden Heer usw. verbunden haben'. Mannhardt
hat als erster die Göttlichkeit der Holda und Perht mit triftigen Gründen
zweifelhaft gemacht, an die man seit Grimm
wie an ein Dogma zu glauben sich verpflichtet fühlte.
Zu dieser letzteren
Richtung gehört noch vor dem Erscheinen der WfK. Karl Blind, der im Cornhill
Magazine May 1872, S. 610 f. einen Artikel über ,Freia-Holda, the Teutonic
Goddess of love' schrieb.
Henne am Khyn knüpft
(Dtsch. Vs. Leipzig 1874, S. 405) an Simrocks Ansicht an und betrachtet Hei als
Grundvorstellung aller weiblicher Götterwesen; für J. G. v. Hahn Sagws. Studien
1876, S. 429 18 aber ist ,der Vollmond der natürlichste Naturkern
unserer Holda'. B. Symons jGids' Juli 1883, S. 19, faßt Holda als primäre
Gottheit, von der sich die anderen wie Frigg, Freyja etc. abgespalten haben.
1887 erschien eine
Spezialarbeit über Holda, die Dissertation eines holländischen Theologen L.
Knappert ,De Beteekenis van de Wetenschap van het Folklore voor de
Gods-dienstgeschiedenis onderzocht en aan de Holda-Mythen getoetst'. Das Buch
bringt nicht Neues. Knappert geht aus von Holda als ursprünglich adjektivischen
Beinamen einer Göttin Frigg-Freyja; daraus entstand durch Hypostase eine
wesentlich chthonische Göttin Holda, die vegetabilische und animalische
Fruchtbarkeit verleiht (III, § 3) und Herrin über Geburt und Tod (§ 4) und über
die häusliche Arbeit ist (§ 5). Ihr Verhältnis zu den Wettererscheinungen (§ 6)
erklärt sich aus der ursprünglichen Identität mit Frigg und ist nur angeflogen
; darin polemisiert er gegen Mannh. GM. Perht bezeichnet er im Vorübergehen als
besondere Göttin, die aber in manchen Punkten mit Holda in eins verfloß. In
seiner Darstellung der Holdamythen glaubt Knappert die folkloristische Deutung
aus gesellschaftlichen Verhältnissen, Gebräuchen, Totenkult etc. mit der
naturmythischen glücklich vereint zu haben. Dazu verwendet er alle
vermeintlichen und echten Quellen der früheren Mythologen von der
Hludana-inschrift bis zu den Marienkäferreimen unter Heranziehung fast
sämtlicher dämonischer Wesen.
Laistner behandelt
,Eätsel der Sphinx', 1889 II, c. 63 Berchtholda, Holda und Perht aus dem sein
Werk beherrschenden Gesichtspunkt der Alp vor Stellung. Aus den umziehenden
Alpwesen hat sich Berchthold und Berchtholda als Führer und Führerin
emporgeschwungen. Kurz zusammengefaßt hat diese Anschauungen Dr. M. Höfler
,Perchta', Urquell n. F. II, 199—202.
Auf den Bahnen
Knapperts wandelt E. H. Meyer in seiner Germ. Mythologie 1891. Wie Mannhardt
seinerzeit setzt er — offenbar wie dieser durch indische Vorstellungen stark
beeinflußt ¦— eine germ. Wolkengöttin an, deren Name und Gestalt in
Deutschland als Gode, Holda, Perlita etc. noch erhalten ist und die in
dreifacher Art: als dunkle, schädliche, als mittlere erlösungsbedürftige, bald
holde, bald unholde und als lichte, liebliche Göttin erscheint, je nach der Art
des Wetters.
Auch E. Mogk steht in
seiner in der 1. Auflage von Pauls Grundriß, Straßburg 1891, erschienenen germ.
Mythologie auf einem ganz ähnlichen Standpunkt. Für ihn sind alle mythischen
weiblichen Wesen Hypostasen einer chthoni-sehen Gottheit, der Gattin des
Himmelsgottes (§ 71). Als solche erscheint auch Frija-Frigg, deren Spuren auch
er in der uckermärkischen Frike ,Fuik etc. findet (§ 73). Harke, Göde, Werre,
endlich Holda und Perchta sind germ. Totengöttinnen. Neu ist die
ausschließliche Ableitung der Namen von ahd. helan und pergan.
Unterdessen hatte
bereits 0. Knoop in Rogasen in der ZfVK. II 1890 eine Artikelserie begonnen, ¦—
fortgesetzt ZfVK. III, IV, 91, 92 und Urquell 1894 — in welcher er mit großer
Energie den von Kuhn und Schwartz in der norddeutschen Tiefebene entdeckten
Göttergestalten den Garaus zu machen suchte, was ihm auch bezüglich der
übrigens von Schwartz in der angenommenen Form nie behaupteten Göttlichkeit
gelang. Damit wurden der gemeingerm. oder gemeindeutschen Göttin Holda-Perahta
die wichtigsten Stützen benommen.
Was Knoop bestehen
lassen hatte, verfiel dem kritischen Eifer Wolfgang Golthers. Dieser widmet in
seinem Handbuch der germ. Mythologie (1895) den angeblichen Göttinnen einen
eigenen Abschnitt (VII). Kap. 2 dieses Abschnittes behandelt ,Holle, Berchte
und andere weiße Frauen'. Ausgehend von den aus dem Seelenkult entsprungenen,
tatsächlich gegebenen Volksbräuchen der Einstellung der Spinnarbeit und des
Speiseopfers stellt Golther Frau Holle al späte Differenzierung aus der Schar
der umziehenden Hollen dar. Die übrigen Züge Holdas erklärt er meist aus
Beeinflussung seitens romanischen Aberglaubens (wilde Jagd als Hexenumzug) und
christlicher Marienlegenden (Kinderparadies, Schneefall etc.). Perht läßt er in
ihrer Art aus dem Gespensterglauben, in ihrer Benennung aus dem Kalender
hervorgehen. Ein Nachhall germanischer Göttinnen sei nicht erweisbar.
In der 2. Auflage
seiner Mythologie (P. Gr. III, 1900) vertritt Mogk unter dem Einflüsse
Golthers, Knoops und Kauffmanns (PBB. 18, 145 f.) eine ganz andere Anschauung
als in der ersten. In dem Abschnitt über den Seelenglauben — nicht mehr in dem
über die Göttinnen — behandelt er in § 35 die Holden und Perhten. Jetzt läßt er
wie Golther Holda aus den Holden, seelischen Wesen, im späteren Volksglauben
als Führerin hervorgehen, ganz ähnlich aber auch Perhta aus den Perhten,
ebenfalls Seelengeistern. An der Etymologie aus helan und pergan wird
festgehalten. Die übrigen Gestalten bezeichnet Mogk ganz unter Knoops Einflüsse
als Erzeugnisse der Volksphantasie und des Volkswitzes späterer Zeit.
Hervorzuheben ist, daß sich für Mogk Holda und Perhta sachlich vollständig
decken und nur lokal zu trennen sind.
Bilfinger faßt Germ.
Julfest 1901, S. 102 f., in Übereinstimmung mit seiner stark von Tille
beeinflußten Theorie über die Entstehung der Weihnachtsfestzeit Berchta-Holda
als eine Art Neujahrsfee auf, die mit dem neuen Jahr bei den Menschen
erscheint, ihnen die Naturgaben schenkt, die sie im Verlauf des neuen Jahres erhoffen,
dafür Opfer empfängt und zugleich über Einhaltung der herkömmlichen (aus
römisch-heidnischen oder christlichen Anschauungen stammenden) Neujahrssitte
wacht.
Der Standpunkt der älteren
Mythologen wurde neuerdings wieder vertreten von E. H. Meyer, Myth. d. Germ.
1903 (etwas geändert gegenüber der G. M.), Andree-Eysn, .Die Perchten im
Salzburgischen' und Dr. II. Sendung, ,Frau Holle', Daheim, 42. Jhrg., n. 24,
1906. E.M.Meyer, ,Altg.Bg/ 1910, schließt sich an Golther und Mogk an. Endlich
sei noch Eich. Eieglers Gleichung Holda = Wiesel (WS. II, 186 f.) erwähnt, die
aber abzulehnen ist, da sie ganz auf der Gleichsetzung von Holda, der weißen
Frau u. ähnl. beruht.
Meine Arbeit legt ihr
Hauptgewicht auf die möglichst vollständige Sammlung und klare Darstellung des
vorhandenen mythischen Materials. Für diesen Zweck hat sich die Gliederung des
Stoffes nach den mundartlichen, und zum Teil politischen Gebieten und innerhalb
dieses Rahmens nach der zeitlichen Reihenfolge am praktischesten erwiesen.
Die mythologische
Behandlung, der der II. Teil gewidmet ist, leidet an dem Mangel gesicherter
halbwegs einheitlicher Anschauungen, so daß die Untersuchung einzelner
mythischer Wesen eigentlich nur im Rahmen einer mythologischen
Gesamtdarstellung möglich ist, beziehungsweise zu einer solchen werden muß,
wenn man nicht, wie auch ich es zu tun genötigt bin, eine Reihe offener
Behauptungen übrig lassen will.
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