Kärnten. Auch hier kommt für die deutschen Bewohner nur
Oberkärnten in Betracht. Vor allem liegen Zeugnisse aus dem Mölltal vor
bei Weinh., Wsp. S. 20 ff. So erscheint die wilde Perchtl in der Innerfragant
den Kindern, die in der Stube am Dreikönigstag gewaltigen Lärm machten, als grausliches
Weib mit einem Tigermantel und ohne Kopf. Durch das Gebet der
Kinder wird sie verscheucht. Sie ist also ein Kinder scheuchendes Gespenst.
Aus demselben Seitental der Moll stammt eine andere Sage von ihr: sie
erscheint am Drkgtage einer Spielgesellschaft als grauer Wuzel (Schm., BW. II
1064, Person, die wutzelt, i. e. kleine schnelle Bewegungen im Gehen
macht; Lexer 251, wautzl, kleine Person, Kind) voll Schellen. Besprengt,
verschwindet sie unter gräßlichem Gestank. Diese Erscheinungsform ist nur
Widerspiegelung der unten behandelten mimischen Darstellung auf die
ursprüngliche mythische Erscheinung. Der Gestank aus der
Teufelssage.
Im Drautal sind die Perchtl und die Habergeiß
gleichbedeutende Schrecknamen für Kinder, ohne daß jetzt ein bestimmter
Begriff damit verbunden wird (Lexer, ZfDM. IV 410).Demnach ist in Kärnten Perht nur als
feindlicher, nach dem Leben trachtender Dämon bekannt, der sein Wesen besonders in der
Perhtennacht treibt. Fremd ist die Vorstellung als
Kinderseelenführerin und als Spinnstubenfrau.Wie in Steiermark herrscht auch in Kärnten der
Brauch des Speiseopfers für Perht. Nach Weinh., Wsp. S. 25 ist es im Mölltal
Sitte, in der Drkgnacht Brot und gefüllte Nudeln auf den Tisch
zu stellen, damit Perhtl abbeiße und koste. Tut sie das, so wird ein gutes
Jahr. (Ebenso Lexer, ZfDM. IV 298 f.) Hier gilt wie auch sonst der Besuch und der Genuß der
Speisen für Segen bringend.
Auch das Perhtenjagen ist bekannt. So zieht im
Mölltal
die Perhtel am Vorabend des Perhtentages und am Nachmittage desselben
nach den Segen in den Häusern umher. Sie hat einen Pelz, eine fürchterliche
hölzerne Larve und eine Kuhglocke am Rücken. Mit wilden Gebärden hüpft sie im Hause
herum, verfolgt die Leute, fragt nach der Artigkeit der Kinder und
sammelt Gaben mit den Worten:
Auch bei einem anderen Brauch tritt
die Perhtl auf; beim Valisführen (Vernaleken, Alps. S. 352): ,Valis heißt der bunt
bemalte Brautkasten (vgl. Schm., BW. 837, Vellis ä. Spr. Felleisen,
aus frz. valise), den am Hochzeitstag die Valisführer
forttragen. Häufig geschieht dies zu Fastnacht und es verbindet sich
damit ein "G'spiel", bei welchem die Perhtl eine Rolle
spielt. Gegenstand des Gspiels ist die Überführung des
Brautkastens. Nach Mitternacht erseheint die gespenstige Perhtl und
säubert mit ihrem Besen die Straße und Buchteln (Schm., BW. 201. Büscheln von
Spänen, die zur Fackel dienen) beleuchten das Dunkel der Nacht. Bei Franziszi, S.
20 f. ist das Valisführen bei der Hochzeit beschrieben. Es ist im
wesentlichen das bekannte Hemmen des Brautzuges. Bei der Hochzeit ist von
Perhtl keine Rede, sie scheint daher, soweit man überhaupt Vernaleken Glauben
schenken darf, nur dann aufzutreten, wenn der Brauch im Fasching
offenbar ohne wirkliche Hochzeit vor sich geht. Die Bedeutung ihres Auftretens
ist unklar.Ein sonst dem bekannten Klopf ein sehr
ähnelnder Brauch im Gailtal heißt nach Franziszi, S. 109—110 ebenfalls: Perchtenjagen.
Ein vermummter Bursch zieht am Vorabend des Perhtentages klingelnd und an die
Fenster klopfend durch das Dorf.Auch die Spinnruhe ist in Kärnten
üblich, und zwar am Katharinentag (25. 11.), Vorabend des Perhtentages (5.
6.) und am Blasiustag (3. 2.). Überhaupt darf man abends nicht die Schnur am
Spinnrad und am Rocken lassen, sonst spinnen die armen Seelen.
Motiv des Nachar.beitens, Franz. S. 69).
Die bei Lexer, K.Wb. 143 angeführten Kuhnamen Holla, —e, Hole, Holda, Hölda, die von Grimm, M. III 87 verzeichnet werden, haben mit dem myth. Wesen Holda nichts zu tun.
Die Slowenen in Krain, Steiermark und Kärnten. Bei den Slawen, die an den Südrand des geschlossenen deutschen Sprachgebietes anschließen, finden wir einen ausgebreiteten und intensiven Glauben an ein dämonisches Wesen, dessen Vorstellung und Name der deutschen Perlit entspricht, und den dazu gehörigen Kult. Darüber handeln Jul. Schmidt, Zsch. f. VK. I S. '413—425 und E. Dürnwirth, ebd. III S. 201—210. Erstere schöpft vielfach aus einem Aufsatze Navratils im Letopis Matice Slovenske, Jhrg. 1886. Da in diesen Quellen genauere Angabe der Örtlichkeit häufig fehlt, muß ich mein Prinzip der lokalen Darstellung hier wesentlich einschränken.
Perht ist bekannt in Oberkrain als
Pechtra-Baba, in der Futscher Gegend (Friaul) als Perta, stellenweise sogar
auf
dem Istrianer Karst als Wechtra Baba. Ihr Gebiet erstreckt sich von
Neumarktl gegen die Steiner Alpen bis zum Bachergebirge, ferner
ins obere Savetal von Karner—Vellach—Kronau, ins Gail- und Rosental, bis nach
Körtschach am Wörther See.
Perht zeigt sich bei den Slowenen vor allem als Vegetationsdämon. Sie gilt als ungemein starkes und wüstes Weib, wohnt in Hainen und Schluchten, im Sommer auch in den Tiefen der Seen. Im Winter zieht sie sich in das Innere der Berge zurück und erzeugt den Schnee, den sogenannten Weiberbrei, slw. kasa. Sie spinnt auch im Winter und segnet daher die Herden jener Hirten, die ihr im Sommer Flachs bringen. Oft sehen sie die Hirten in der Dämmerung über die höchsten Abhänge gehen mit einer goldenen Spindel oder einer Wanne, auch auf einer Kuh reitend. Als Regen und Fruchtbarkeit spendend wird sie angerufen in den Versen: Wechtra Baba gib uns RegenWir geben dir Flachs ein dickes Bund! (Slow. Fassung liegt nicht vor) und Vechtra Baba daj psenice V. B. gib WeizenMoji kravicki travice! Meinem Kühlein Gras. Wie man sieht lauter Motive, die auch sonst mit Vegetationsdämonen verknüpft werden; so die Beziehung zur Witterung, Fruchtbarkeit, Vieh etc. Ein Wasserritus in Neumarktl deutet ebenfalls auf einen Veg.-Däm. Dort sieht man die Perht neben einem Wasserständer stehen. Um Mittfasten läßt man ein mit Steinen und Wasser gefülltes Faß den Berg hinabkollern und nennt dies: Vechtro babo kotolicati, daß heißt die Perht hinabkollern. Ein ähnlicher Brauch soll auch in Mitterdorf bei Krainburg bestanden haben.In Verbindung mit den weißen Frauen erscheint
sie in Steinbüchl, es sind dies ebenfalls Vegdämonen. Auch als Kinderscheuche ist sie bekannt. So im Rosental. Dort wohnt sie in einer Höhle als altes Wreib mit langen grauen Haaren und kommt am Abend vor Drkg. hervor, um bösen Kindern die Gedärme herauszuschneiden, wozu sie sich einer Ofengabel bedient, gute Kinder aber mit Nüssen zu beschenken. Die Kinder bitten dort: Pechtra Baba
daj vorih Ersteres Motiv verknüpft mit dem Drkgtag auch im oberen Savetal, wo sie in Kuhställen unter dem Dach wohnt, also zu einem Hausgeist geworden ist. (Auch der Alp wohnt auf dem Heuboden. Laistner, Sph. I 97.) In Mitterndorf in der Wochein tritt sie als altes, ungekämmtes, Unheil bringendes Weib in der Funktion einer Kinderscheuche auf. Interessant ist, daß hier Pecht(r)a zu einem Appellativ für ,unordentliches Weib' geworden ist. Allgemein ist aber Perht in unserem Gebiet als Spinnstubenfrau bekannt. Als ihre Umgangszeit gilt die Periode von St. Lucia 13. 12. bis Drkgtag oder der Weihnachtstag. Sie besucht die Bauernhäuser und belohnt fleißig spinnende Hausfrauen (slow. Gailtal, Scheraunitz, Karner Vellach). Schmidt bringt auch Einzelsagen, so aus Kropp mit Schatzsagenmotiv und aus Feistritz im Gailtal (Thomastag 21.12.) mit dem Motiv des ewigen Knauls. Wir sehen hier eine Verfälschung der ursprünglich mythischen Anschauung von der Spstf., die den Bruch der Spinnruhe straft, aus moralischer Tendenz zur Sage von der Belohnung fleißigen Spinnens. Als Spstf. im ursprünglichen Sinn erscheint Perht an den Freitagen, besonders des Quatembers, in Karner Vellach und vielen anderen Orten. Eigenartig ist ihr Auftreten in Kronau (Oberkrain). Dort spannen die Mädchen an einem verbotenen Tage und tanzten mit den Burschen, nach getaner Arbeit. Ein dreijähriges Mädchen bemerkte, daß die Tänzer glühende Augen und Feuer im Munde hatten. Es floh mit seiner Mutter und gleich darauf verbrannte das Haus mit allen, die noch darin waren. Pe(r)hta — so heißt es — hatte die Burschen und das Unglück entsendet.
Das vielverbreitete Motiv der
betrogenen Spinnstubenfrau finden wir in Karner Vellach. Dort spann ein Weib an dem
Quatember-Freitag vor Weihnacht, als Pehtra in weißem Gewände
durchs Fenster zornig 12 Spulen hereinreichte und bei Verlust des Lebens die
Füllung bis Mitternacht verlangte. Nur der Einfall, nur weniges um jede
Spule zu spinnen, rettete die Bedrohte. Pehtra erschien, trotzdem das
Schlüsselloch mit geweihtem Brot verklebt war (ein Motiv atis dem Alpglauben),
um 12 Uhr plötzlich im Zimmer, nahm unter Wiegen des Kopfes die Spulen in Empfang
und. verschwand.Auch sonst herrscht Spinnruhe an gewissen
Tagen, besonders am Lucientag, heiligen Abend, Agnes und Vin-centius (21. und
22. 1.). Strafen für den Bruch der Arbeitsruhe verzeichnet
Schmidt in Menge.Als Spstf. für den Mittwoch und Samstag der
Quatemberzeit dient der Kwaternik (Quatembermann) und seine Frau. Er ist ein
großer knochiger Mann, kann aber trotzdem durchs Schlüsselloch schlüpfen. Er
nimmt den Flachs weg, beißt auch die Hände ab oder zündet das Haus an.Auch Speiseopfer für Perht sind bekannt. So in
der Wocheiner Feistritz, wo sie als altes Weib im Schafpelz an den
Quatembern die Bäuerinnen besucht, die ihr zu dieser Zeit etwas Speise
hinstellen. Man rüstet ihr hier auch am Abend des Vinzenztages ein einfaches
Mahl auf dem Herd, damit sie das Haus verschone.
Ein dem Perhtenjagen der alpenländischen Deutschen verwandter Brauch findet sich ebenfalls bei den Slowenen: die Vertreibung der Perht am Vorabend des Drkgtages. Da sie Peitschenknall und Hundegebell, wie allgemein versichert wird, nicht vertragen kann, ziehen die Burschen in Oberkram, Gail-, Kanal- und Rosental unter Peitschenknallen, Läuten von Kuhglocken und Hämmern auf Blechkesseln durchs Dorf; in Vigaun (Innerkrain), wo eine St. Lucienkapelle ist, nur mit Kerzen in Prozession um diese. Die Hunde werden ebenfalls losgelassen. Auch am Schluß der Fastzeiten, so unter anderem in Leopoldskirchen bei Pontafel (slow. ?), wo die Hirten mit der ganzen männlichen Jugend unter Kuhglockengeläut durchs Dorf und in den sogenannten Flickergraben laufen, um die Perchtal zu verjagen, damit dem Vieh auf der Weide kein Unglück zustoße. Dagegen stellt auf dem Asslinger Gereut hoch oben im Gebirge ein mit Weiberkleidern angetaner Bursche die Pechtra-Baba vor. Er rennt am Drkgtag von zahlreichen mit Lärminstrumenten ausgestatteten Burschen und Knaben über die Alpenwiesen. Soweit der Zug geht, verschont der Bär die Herde.
Perht erscheint demnach bei den Slowenen als
elbisches Wesen, als Vegdäm. mit dem bald Segen spendenden, bald Mensch
und Tier schädigenden Wesen dieser Gestalten; ferner als
Spinnstubenfrau. Die Motive sind die üblichen, ebenso die
Kulthandlungen: Speiseopfer und Perhtenlauf. (Über einen dritten Brauch
mit der Berehtra-Baba in sl. Kärnten, vgl. ZföVk. II, S. 218.)Als Kinderseelenführerin erscheint sie nicht.
Die Mitteilung E. Dürnwirths darüber ist unbelegt und wahrscheinlich
unrichtig.
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