Oberösterreich.  

Nach Pritz ,Überbleibsel', S. 62, ist Perht hier kaum bekannt. Er führt nur — fälschlich — den Glöckelbrauch und die Bezeichnung Perchten- oder Prechtentag als Beleg für sie an. Dagegen berichtet Vern. Alpens., S. 115, nach der mündlichen Mitteilung einer alten Frau aus Heidermoos im Innviertel:
Zu Weihnachten zieht die Frau Perch umher, um die bösen Kinder mitzunehmen, die das Jahr über nicht gefolgt haben. Sie ist eine sehr große Frau, hat Haare von Flachs und trägt gern ein langes weißes Kleid. Sie stellt sich gewöhnlich zum Staditor hin, von wo sie alles sieht und hört, was im Hause vorgeht. Besonders müssen die Mädchen ihre Spielsachen schön in Ordnung haben, um ihr zu gefallen, und die Mägde müssen auf Weihnachten ihren Spinnrocken sauber abgesponnen haben und ihn unters Dach hinauftragen. Geschieht das nicht, so haben sie das ganze Jahr hindurch beim Spinnen kein Glück.
Darnach wäre Perht im oberösterreichischen Innviertel als Spstf. mit gesteigertem Wirkungskreis bekannt, so daß sie im Begriffe steht, zu einem Hausdämon zu werden. Die Beschreibung ihres Aussehens ist etwas verdächtig. Es erinnert eher an Gestalten aus dem Gespenster- und Schatzsagenkreis (weiße Frau); die Flachshaare scheinen bei Vern. literarischen Ursprunges zu sein, könnten aber immerhin mit dem wirren Haar, das Perht sonst zeigt, in Zusammenhang gebracht werden. Als Bezeichnung vegetationsdämonischen Wesens ist es sicher nicht aufzufassen, weil Perht nie in Beziehung zum Flachsbau gesetzt wird. In dieselbe Gegend fällt auch das Gebiet der Perht als todankündigendes Waldgespenst, das nach Zing., ZfDM. S. 205/206 von Linz a. D. bis Kufstein reicht. Näheres oben bei Tirol. Daran schließt sich der Salzburger Flachgau,
wo Perht in ähnlicher Erscheinungsform auftritt.

Perht ist demnach im oberösterreichischen Innviertel bekannt, und zwar nur als Einzeldänion (Spstf., Kinder scheuche, Waldgespenst). Ohne Verknüpfung mit Perht ist das Kinderseelenheer in Hundsdorf im oberösterreichischen Mühlviertel bekannt. Baumgarten, Pr. S.14. Anm. 7 (nach Eysen,Vk. S.159) berichtet:
,Von Hundsdorf ging am unschuldigen Kindltag eine Schar Wallfahrer nach Maria-Schnee in Böhmen. Da sahen sie vor sich her auf der Straße einen großen Zug kleiner Kinder; das letzte verfing sich beständig in dem Zipfel seines weißen Hemdchens, fiel und stand auf, fiel und erhob sich wieder und kam so in Gefahr zurückzubleiben. Das sah eine Wallfahrerin und empfand Mitleid mit dem Kleinen, das schon zu weinen anfing, und sprach: „Wart nur, mein Zuserbeutlein, (Zuserl  = Seidenschwanz wegen seiner zwitschernden Stimme. Pestvogel in Sehwaben (Eysen a. a. O.  158, Anm.  6)) ich bind dir den Zipfel hinauf!" Da antwortete das Kind: „Gottlob, nun habe auch ich einen Namen!" Nun war es erlöst, es war ein ungetauftes, fraungetauftes Kind.'

Wir haben hier das bekannte Motiv von dem hinter dem Heer zurückbleibenden Geist, ferner das Motiv vom geschürzten Totenhemd verbunden mit dem der Namengebung.

Zur Charakteristik der Quellen möchte ich nur noch erwähnen, daß Quitzmann, Eel. d. B. S. 115, das Perntelspringen nach Linz a. D. (sie!) verlegt, statt nach Lienz i. T.

 

Salzburg.  

In Salzburg zeigt sich die Vorstellung von Perht noch allgemein im Volke verbreitet. Als Kinderseelenführerin belegt sie Zillner (bei Eysen, S. 5). Sie schwebt nach ihm als wunderschöne, holde Frau in hell leuchtendem, glänzendem Gewand durch die Luft, oft in Mitte einer Schar kleiner, nur mit einem Hemdchen bekleideter Kinder, um die sie schützend ihren blauen Mantel hält. Das meiste von dieser Darstellung ist allerdings poetische Zugabe. Volkstümlich dürfte sie ebenso erscheinen wie im benachbarten Tirol. Ob die Bezeichnung Perchtenfeuer für Elmsfeuer in Rauris hieher gehört oder erst sekundär an Perht angeknüpft ist und ursprünglich das prehenfeuer zu mhd. brehen stmn. Glanz, Schimmer war, ist fraglich. Ebenso kennt Salzburg auch Perht als Spinnstubonfrau. Sie erscheint bei heftigem Wind, dunkel und unheimlich mit verworrenem Haar und langer Nase, straft die lässigen Spinnerinnen, indem sie ihnen das nicht abgesponnene Werg um den Arm windet und an ihm abbrennt, schneidet den faulen Dirnen den Bauch auf und füllt ihn mit Kehricht, den diese in den Winkeln liegen lassen, und dient daher als Kinderscheuche (Eysen, S. 5). Die bekannten Motive: lange Nase, verwirrtes Haar, Flachsabbrennen, Gastrotomie. Auch das Blendungsmotiv wird von ihr erzählt (a. a. O. S. 7). Als Vieh schädigender Dämon erscheint Perht zu Walpurgisnacht im Flachgau. Gegen sie steckt man zwei Hölzer in Form eines Andreaskreuzes vor die Stalltüren (Freisauff, S.497). Was Freisauff über die Frau Perht (sie) S. 491 berichtet, ist aus Vera.. Alpens. 115, der die Vorstellung für Oberösterreich belegt, abgeschrieben und mit einem Spruch aus Westfalen (Kuhn I 135, II 1.74 f. bei EHM. 285) verziert, die Mitteilung S. 497 ist aus ZingL, ZfDM. III S. 205/6 übernommen, beides ohne jeden Hinweis. Da sich aber diese zwei ursprünglichen Mitteilungen auf Grenzgebiete von Salzburg beziehen, könnten immerhin ähnliche Vorstellungen im Flachgau anzutreffen sein, doch ist der erwähnte Vorgang für Freisauff als Quelle nicht gerade empfehlenswert.

Das Speiseopfer ist in zweifacher Form für Salzburg bezeugt. So ist es im Pinzgau heute noch Sitte, daß am Bachlabend (Christabend) jeder Bauer mit seiner Familie und dem Gesinde das Bachlkoch (Mehlkoch mit einer Honig­schichte) verzehrt, wobei jeder Hausgenosse eifrig Sorge trägt, nicht zu fehlen, da es die Perht sonst übelnehmen würde (Eysen, S. 6). (Bachl— hat, auch in Bachlboschen, mit Perhtel nichts zu tun [Schm. BW. I 271], sondern gehört zu bachen obd. für backen.) Ähnliches berichtet Muchar. aus Gastein (S. 145); dort wird am Vorabend des Drkgtages reichlich gegessen, damit, wie die Knechte sagen, der Perht das Messer abgleite, wenn sie den ihr Zuwiderhandelnden den Bauch aufschneiden will. (Gebotene Festmahlzeit, Gastrotomie.)

Aber auch das sonst bekannte Hinstellen von Speisen ist in Salzburg üblich. Die Bäuerin stellt am Perhtenabend einen Teller voll Krapfen auf den Tisch oder vor das Fenster ,für die Frau Perht' und es gilt als gutes Zeichen, wenn er am Morgen geleert ist (Eysen, S.  6). Neben Tirol hat sich der Brauch des Perhtenlaufes am besten in Salzburg erhalten. Außer den Berichten in Beschreibungen des Landes und in Sagensammlungen liegt auch eine Monographie von Frau Marie Andree-Eysn vor. Noch 1796 war der Perhtenlauf in allen Orten des Pon-gaus und Pinzgaus verbreitet (s. Hübner, Beschr. v. Slzb.), heute ist er aber nur mehr auf St. Johann und Gastein, Krimnil und Zeil a. See beschränkt, und zwar nur in der Forin der schönen Perhten; die schiechen Perhten wurden 1848 vom Pflegegericht Zeil a. S. und Mittersill verboten. Frau Andree-Eysn schildert nach der Erzählung eines alten Eauriser Knappen die schiechen Perhten. Es handelt sich um nächtliche Umzüge an drei Donnerstagen des Advents. Zwölf Burschen waren die eigentlichen Perhten, eingehüllt in schwarze Schaffelle, Perhtenhauben aus Dachsfellen auf dem Kopf, vor dem Gesicht scheußliche Masken, um den Leib einen Gürtel mit Schellen. Sie waren von einem Haufen Burschen begleitet, die über ihren Kleidern leinene Hemden trugen, und einigen besonderen Masken:  dem Trommler, dem Narr und der Närrin, dargestellt von einem Burschen in Weiberkleidung, und dem Quacksalber. Unter dem Gelärm der Kuhhörner, Glocken und Peitschen zog die Schar mit den Bergstöcken springend in der Nacht durch das ganze Tal. Bei auszuzeichnenden Gehöften machte der Zug halt, die Perhten sprangen herum und lärmten, wofür sie Gaben in Naturalien erhielten, aber kein Geld. Um Mitternacht löste sich der Zug auf.

Zuweilen zeigte sich ein fremder, ebenso vermumter Bursch unter den Perhten, Motiv des Dreizehnten. Man hielt diese Erscheinung für den Teufel und öfters sollen solche Eindringlinge erschlagen worden sein. Wer aber mit der Teufelsmaske erschlagen wurde, dem ist ein christlicher Friedhof versagt. Daher lebt in Salzburg der Glaube, daß unter verschiedenen einzelstehenden Steinkreuzen Perhten begraben liegen. Das Erscheinen des Dämons ist daher hier wie in Tirol bekannt, doch schon in jüngerer, rationalistischer Formung. Ursprünglich handelte es sich nicht um die den Teufel spielenden Eindringlinge, die erschlagen wurden, sondern wie in Tirol glaubte man an das Erscheinen des Teufels selbst, der an die Stelle der Perht getreten ist, und die Getöteten waren jene Mitwirkenden, die der Dämon erreichte. Eine ähnliche Beziehung zwischen Perhtenlauf und übermenschlichen Mächten zeigt eine Erzählung (einer alten Frau) aus Gastein (Freisauff, S. 492): Ein Knappe betete auf den Rat eines alten Weibes 14 Tage nicht und vermochte sich darauf beim Perhtenlauf vom Brunnen aus auf ein Hausdach und in die Luft zu schwingen, wo er frei schwebend verharrte. Erst als der Geistliche mit dem Hochwürdigsten nach allen Eichtungen den Segen erteilte, stürzte er klagend herunter und starb, nachdem er die große Lust des Herumfliegens gepriesen hatte. Diese Erzählung beruht auf "der Vorstellung von der ekstatischen Verzückung beim Perhtenlauf und dem dadurch ermöglichten Überschreiten der menschlichen Grenzen.

Die schönen Perhten.
Deren Umzug findet stets am Tag statt, und zwar am Perhtentag (6. 1.)  und den zwei
folgenden Sonntagen, heute in unregelmäßigen Jahresabständen, ursprünglich wohl jährlich. Sie unterscheiden sich im Pongau und Pinzgau nur durch Kleidung und Tanz.

Die Pongauer Perhten sind Burschen in Landestracht mit einen eigenartigen Kopfschmuck, den Frau Andree-Eysn eingehend beschreibt. Zur Seite haben sie je eine G'sellin, Burschen in Weiberkleidern; in der Hand meist einen Degen (St. Johann). Ihnen folgen einige Burschen in Teufels- und Tiermasken (Hirsch, Bär mit Treiber), während' die eigentlichen schönen Perhten unmaskiert sind. Dann kommt die Schnabelperht mit einer Maske, deren lange Kiefer sich auf- und zuklappen lassen, endlich alle ländlichen Handwerker (Rauchfangkehrer, Müller, Schmiede etc.), Quack­salber, Eastelbinder, Zigeuner, Türken, in Bartflechten Vermummte (Vegdäm.), der Schneider mit der Scher' (Streckschere, vgl. Dr. W. Hein Mitt. d. Anth. Ges. Wien XXX 1900, S. 71 f.). Wichtig sind die drei Lustigmacher: zwei mit Leinwandhülsen, die sie zum Schlagen der Frauen und Mädchen benützen (Schlag mit der Lebensrute) und einer mit einem Wickelkind aus Fetzen mit einer langen Schnur, um es  den Frauen zuzuwerfen (Fruchtbarkeitszauber). Diese Masken ziehen am Nachmittag unter Musik von Haus zu Haus, wo ein langsamer Tanz der Perhten statt­findet. Dafür erhalten sie eine Belohnung. Während des Umzuges verhalten sich die Perhten ganz still, während die Begleiter mit Schellen, Peitschen und Hörnern lärmen. Die Zahl der Teilnehmer betrug früher 100—300 (1796). 1902 zählte Frau Andree-Eysn in Gastein 88, darunter 16 Paare Kappenperhten.

Stattgehabt hat der Brauch in der letzten Zeit in: Gasteiner Tal, St. Johann (1869, 1902), Eadstadt, Altenmarkt, Schladming  (Steierm.), Flachau   (1850).

Die Pinzgauer Perhten.
Der Umzug und die Begleitung ist ganz gleich. Verschieden ist nur die Tracht der eigentlichen  Perhten und ihr Tanz. Die Tracht besteht aus einem Kleid, geschnitten nach der üblichen Landestracht, aber in geblümtem roten Kattun.

Als Kopfschmuck dient eine mächtige Federkrone mit lang herabhängenden Bändern. Dieser leichten Bekleidung entsprechend ist auch der Tanz viel lebhafter. Er besteht aus einem Hüpfen, Springen und Stampfen, dem sogenannten Trestern; es werden aber auch Figuren  aus dem Schuhplattler eingelegt. Orte: ISTeukirchen, Krimml (1880); jetzt nur: Kaprun, Zeil a. S. Was Weinholds Bemerkung (Wsp. S. 20), daß, wie in Schwaben die Perht als Nikolo umzieht, in Salzburg ,die Perchtel schien herumgeht, ein blaues Kleid trägt, mit einem Schellenkranz, tanzt und singt', soll, ist bei dem Mangel näherer Angaben nicht eruierbar.

 

Bayern.  

Hier behandle ich zuerst das von Schmeller, B. Wb. I 269 f. veröffentlichte handschriftliche Material der kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München, soweit es ohne Einsichtnahme in dieses möglich ist. Die lateinischen Handschriften. Ich berücksichtige nur diejenigen, die Perht selbst erwähnen. 1. Die älteste Hs. aus dem 13. Jh. (Zeitangaben nach dem Catalogus cod. m. scr. bibl. reg. Mon. nach Schm. Verzeichnis): Tractatus de septem vitiis Cum similitudinibus exemplis fabulis venustis ,Cum immundus spiritus exierit ab homine, ambulat per loca inaquosa'. Cod. 1. Mon. G. 528. Schm. zitiert hieraus: p. 321 (f. 321 bei Schm. I 272 ist ein Druckfehler nach schriftl. Mitt. der Bibl.-Direktion): Hodie pueri non ministrant domino, sed diabolo, prius vadunt ad choream, quam ad ecclesiam, ante sciunt cantare de domina Perchta quam dicere Ave Maria. P. 329. Sicut domina Perchta, quae cum deberet intrare cubiculum suum et orare deum in die dominica, vadit huc et illuc sicut musca ostendens vultum pictum et pulchra vesti-menta tendens laqueos  ad capiendum  animas invenum. P. 332. Domina Perchta in speculo suo contemplatur faciem suam. P. 332. Heinricus vel Perchta, qui cantilenam ineipiunt, diaconus et diaconissa diaboli dici possunt. P. 342, 352. Petrus et Perchta credunt quod omnibus multum placeat sua cantilena.


Zum Zitat p. 329 bemerkt Schm.: ,Also wohl hier ein Name für jedes luxuriöse Weib?', zum zweiten Zitat p. 332 ,cf.  Schnitterhüpflein'. Aus diesen Zitaten ist nicht ersichtlich, ob es sich um ein dämonisches Wesen Domina Perchta oder um die Kurzform eines mit —perhta zusammengesetzten weiblichen Eigennamens handelt. Auf letzteres weist die Mehrzahl der Zitate hin. Es scheint, daß der wahrscheinlich geistliche Verfasser sich als Exemplum ein putz- und gefallsüchtiges, buhlerisches Weib namens Perchta konstruiert hat. An sich genommen bieten diese Zitate gar keinen Anhaltspunkt, an ein mythisches Wesen zu denken. Beim Zitat p. 321 wäre man allerdings versucht, an eine Anknüpfung dieser chorea und dieses cantare de Domina Perchta an kultliche Tänze etwa in der Art des Perhtenlaufes zu denken. Doch wird es sich wohl um gewöhnliche Dorftänze handeln. Auch Schm. ist wohl der Ansicht, daß es sich hier nicht um Perht handelt, und hat diese Zitate ganz abgesondert am Schluß des Artikels  angeführt. 2.  Ein sicheres Zeugnis aus dem 14. Jh.   Aus der bibl. Alderspacensis, nach Schm. 184 f.  175.   Nach dem Cat. hat aber Aid. 184 nur 75 f.  Für p  kann f hier nicht stehen; es dürfte sich um den jetzt Aid. 182 bezeichneten Kodex handeln, der am Rand des Cat. als Aid. 184 bezeichnet ist: Anonymi commentarius  in  libros  Eegum.  Schm. 270  zitiert: Quidam ornant menses  (mensas) perchte. Deutlicher Beleg für Speiseopfer. 3.  1460 aus Benediktbeuren:  Tractatus de supersti- tionibus n. 207, f. 23 b. ,Ut de Astaroth et Bericht legitus in legendis SS. Matthaei et Bartholomaei/ Astaroth sonst unbekannt. Die Tage wären: 21. September und 24. August, 25. und 26. Juni. 4.  1465 ex cenobio S. Nicolai in monte s. Andechs c. 32. Joh. Nider   ord.   praed.   ,Formicarius'.    J.  Nider,   gebürtig aus Isny in Schwaben, seit 1400 Dominikaner in Kolmar, studiert in Wien und Köln, 1428 Prior eines Predigerordens in Nürnberg, 1432 in Basel, stirbt 1438   (Gräße  II 2, 103).

Von ihm unter anderen theol. Werken auch der Formicarius, de visionibus et revelationibus libri V., eine christliche Lebenslehre, in der auch de maleficis, necromanticis, incubis et subcubis etc. gehandelt wird. Aus der genannten Hs. dieses Werkes bringt Schm. 271 aus 2. cap. III: ,Vetula dixit ad pueros suos: quod domina Perchta in curru vehatus maximo strepitu. Exploraturus quidam an nocte domina Perchta re vera comederet sibi opposita, fas-cinatus et delirus factus. Zweifellos ist hier von Perht die Rede mit den bekannten Motiven: Wagenumfahrt, Speiseopfer, Bestrafung der Belauschung. 5. 1468 Tegernseer Hs. 434, das ,Thesaurus pauperum', Schm. 2*71 zitiert: sub voce superstitio: Secundum genus superstitionis est et species idolatriae, qui de nocte apperiunt vasa poculorum et ciborum venientibus dominabus Habundiae et Satiae, quae vulgo appellat communi et usitato vocabulo fraw percht sive Perchtam, cum cohorte sua, ut omnia aperta inveniant ad cibum et at potum pertinentia et sie epulentus et postea habundantius impleant et tribuant. . . Multi credunt sacris noctibus inter natalem diem Christi et noctem epiphaniae evenire ad domos suas quosdam mulieres, quibus praeest domina Perchta . . . multi in dominibus in noctibus praedictis post coenam dimittunt panem et caseum, lac, carnes, ova, vinum et aquam et hujusmodi super mensas et coclearea, discos, ciphos, cul-tellos et similia propter visitationem Perchtae cum eohorte sua, ut eis complaceant.... ut inde sint eis propitii ad pro-speritatem domus et negotiorum rerum temporalium. Die Frage über die Beziehung der Perht zu den in Bußverordnungen und ähnlichen theologischen Werken häufig erwähnten umziehenden Weibern und deren Führerinnen: Habundia, Satia, Diana etc. ist mangels kritischer Quellenuntersuchung noch nicht spruchreif, besonders in dem Punkt, inwieweit hier literarisch überlieferter fremder oder einheimischer Volksglauben vorliegt. Hier dürfte es sich wohl um das Kinderseelenheer der Perht und nicht um eine weibliche Dämonenschar handeln. Jedenfalls ist hier das Speiseopfer für Perht belegt.  Über die obige Frage vgl. Bilfinger, G. Julfest, S. 107 f., Mannh., GrM. 725, ähnliche  Bräuche. Über Diana Psyche II 84, Anm. 2. Knappert 243 ff.

6.   1468, aus bibl. monast. Schirensis  (B.  Maria   in Scheyern) c. 123.   Die Foliozahl kann Schm. nicht angeben, S. 270.   ,Qui (in die nativitatis) praeparant mensam dominae Perchtae.'   Aus derselben Hs. stammt wohl der Merkzettel für   das   Kloster   Scheyern   1468/1469,   woraus Usener Christi. Festbrauch, S. 83 f. (bei Tille, DW. S. 49 f.) folgendes mitteilt: ,Darnach war es um Scheyern Sitte, am Christtage eine Pflugschar im Zimmer unter den Tisch zu stecken — ja man richtete einen „Frau Perhtatisch" zu, man verstopfte die
Fenster mit Heu, sammelte Unrat und verbrannte ihn.' Speiseopfer mit Fruchtbarkeitszauber (Pflug.).
7.     XV. Jh.   Aus der Kathedralbibliothek zu Augsburg c. 61, eine Miszellaneenhs. f. 13—62. Thomae de Haselpach Exemplarium decalogi. Scripsit Ulricus Reitz in Mühlberg. Thomas v. Haselpach war ein Deutscher und um 1420 Professor der heologie an der Wiener Universität (Gräße II 2, 167).   Schm. S. 270 zitiert f. 16—17. ,Videant qui in certis noctibus ut epiphaniae pericht (Perichte) alias dominae habundiae vulgariter phinzen oder sack semper ponunt cibos aut sae ut sit isto anno huic domni propitia et largiantus satietatem et abundantiam, unde et Ilabundia vel Sacia vocatus/ Dasselbe in einer Reihe anderer Hs., vgl.   Schm.  271. Über Habundia und Sacia s. n. 5. Die Pfinz(e) ist eine Personifikation des christlichen Tagnamens Pfinstag = Donnerstag, vgl. Schm. BW. I 439. Der Semper ist eine Kinderscheuche (Gastrotomie) und eine Figur der Weihnachtsumzüge in Bayern; eine Personifikation aus dem Simperstag, der acht Tage nach Drkg. fällt. Auch der Donnerstag vor der Fastnacht = Zimbert (Mndd. Wb. 4, 208; Sph. II 406). 8.  XV. Jh.   Cod. 583 f. 66, bibl. canoniae Pollinganae. Er enthält Discipuli ,Sermones dominicales'. Discipulus = Joh. Iieroldt, deutscher Dominikanermönch (Gräße II 2, 169). Von ihm auch ,Sermones de tempore et sanctis' Nürnberg 1480.   Aus ihm zitiert Schm. 271. Qui credunt quod Diana, quae vulgariter dicitur fraw Percht, cum exercitu suo de nocte solet ainbulare per multa sapatia terrarum.'   Vgl.  dazu n.  5.

9. XV. Jh. Cod. lat. Mon. 14.138 f. 203 b; ein Penitentiale, das die 25 ersten Kapitel des 9. Buches und das ganze 18. Buch Burckhardts von Worms enthält. Schm. 2*70: ,Tres illae sorores, quas antiqua illa posteritas et antiqua stultitia Perchtas, vocavit.' Gleich nachher : ,illae quae a vulgo Parce vocantur'. Hat der ähnliche Klang die Gleichsetzung: Perchtae = Parcae angeregt? Wahrscheinlich ein Beleg für den plu­ralischen Gebrauch des Namens, also: die Perhten.

Zu diesen lat. hs. Zeugnissen kommen die deutschen.
1.
XIV./XV.  Jh.   Cod.  G.  Mon.  478 f.  2.   Ein Katechismus. Schm. 270 zitiert:
An die ,perchten mit der eisnen nasen' glauben.
2.
XV. Jh. Cod. g. Mon. 1113 f. 117 b.   Speculum conscientiae verdeutscht durch Herrn Mertein, den Prediger zu Amberg. Schm. 270. ,Die do giaubent an perichten mit der eisnein nasen.'
Vgl. dazu die Mitteilungen V. d. Hagen, Germ. II S. 63 f. aus der Wiener Pap.-Hs. n. 311 des XIV. Jh. (?), (Pap.-Hs. XV. Jh. Heidelberg n. 439) ,der gewissen spiegel — daz buchlein hat gedeutscht her Mertt Prediger von Amberg'. Aus den Ausführungen zum 1. Gebot außer der von Schm. zitierten Stelle: ,Also (versündent sich) auch dy an der Perchtnacht der Percht lassen stenn essen oder trinkchen, das es in das selb jar wol gee und in allen dingen gelukch haben. . . . Also auch, dy der Perch(t) speizz opfernt und dem schretlein oder der trut rotte schnechel.' Vgl. lat. Hs. 5. und 7. 3.  XV. Jh. Cod. g. Mon. 632 f. 5 b. Casuistischer Traktat über die 10 Gebote. Schm. 270. ,So die Menschen an der perchnacht der perchk lassen sein essen oder trincken.' Daran schließen sich die neueren Zeugnisse aus Bayern.
Drei arme Leute, auch Frauen (oder nur Mädchen \) — die Erzählerin hatte selbst teilgenommen — in einem Leinensack und alten Hosen zogen von Haus zu Haus, klopften und rasselten mit Ketten, wobei eine mit dem Besen kehrte (vgl. die Perhtl beim Valisführen in Kärnten) und bekamen dafür etwas zu essen. ,abg' bg'm letzt'n haus is ze den druign ägne däzue kema, de war aba? käa' natürliche.' Also Erscheinen des Dämons.   Zeit: Drkgnacht.

Dieselbe Frau erzählte, daß einmal, als sie mit der Bäuerin am knepflsabjd in der Scheuer Flachs hechelte, die Hächlera vom häistok herunterrief: täts hächly? hä-hä- hächla?   Eine Variante der Vorstellung von der Spstf.
Als richtige Spstf. zeigt sich dagegen in Eschenloh die Stämp(e). Dieselbe Gewährsfrau wie oben erzählte von ihr das Motiv der betrogenen Spstf., aber die Vorstellung ist schon geistlich gefärbt, da sie erscheint, als am Knepflsabend (Drkgabend) in der Spinnstube gesungen und getanzt wurde.

 

Oberpfalz.

Der Oberpfalz fehlt der Name Perht und die Vorstellung von der Kinderseelenführerin. Dagegen finden wir die Spinnruhe und deutliche Anklänge an die Vorstellung einer Spstf. allgemein verbreitet. Die Zeit der Spinnruhe ist hier vor allem die Fastnacht. Schönwerth I S. 416 berichtet, daß am Fastendienstag der Rocken abgesponnen sein muß, oder man rupfe lieber nicht an, als daß man die Rupfa stehen lasse. Denn wenn die Fastnacht in die Rupfa kommt, kann man nicht mehr spinnen (Neukirchen bei Furth), oder wird sie von ihr zerrissen (Lixentöfing). Hier sieht man deutlich, wie in der Redensart aus der Zeitbestimmung ein dämonisches Wesen wird. Daneben werden auch andere Strafen angedroht: wer nicht abgesponnen hat, bekommt keinen Mann (Amberg), oder die Hexen haben Gewalt (Tiefenbach bei Furth). Selbst die Spindeln muß man verstecken, denn so viele man sieht, so viel Nattern erblickt man im Sommer (Treffelstein, Tiefenbach). Aber auch für jeden Samstag gilt die Spinnruhe. In Fronau heißt es, wenn man nach Feierabend spinne oder etwas auf dem Rocken lasse, habe Unsere liebe Frau keine Ruhe und die Hexen bekämen Gewalt. Die erstgenannte ist auch sonst in der Oberpfalz bekannt: sie wandert in blauem Kleide hilfreich umher, steht bei Geburten bei und wohnt im Berge.  Ein elbisches Wesen, verquickt mit Maria.

Auch Druckgeister werden mit der Spinnruhe irr Verbindung gebracht. Bei Oberviechtach bei Furth kommt die Drud, wenn nicht abgesponnen ist. In Neukirchen erscheint gar der Mond als Spstf., und zwar wird von ihm das bekannte Motiv der betrogenen Spstf. erzählt (Schönwerth I 418). Auch andere Strafen werden bei Bruch der Spinnruhe am Samstag angedroht: so daß das Gesponnene nichts hält (Amberg), oder ein Galgenstrick wird. Verwandt ist die Vorstellung, daß am Samstag der Kehricht aus der Stube muß (a. a. 0. III 279), ,denn in der Nacht kommt die letztverstorbene Seele des Hauses und setzt sich hinter die Tür; daher muß es dort rein sein'. Endlich gilt die Spinnruhe auch für den Abend vor dem heiligen Sebastian (Mittwintertag 20. 1.). Bruch führt Erkrankung auf Jahresfrist herbei.

Der Name der Hexenfahrt um Neuenhammer: Hullfahrt und das Schimpfwort: Hullslouder für Weiber dürfte mit Holda nichts zu tun haben, wie Schönwerth III 177, sondern zu hüllen, Hüll Kleidung, Vermummung ge­hören. Vgl. den fränk. Hullepöppel vermummte, dicht eingehüllte Person (Schm. II 400).

 

Egerland und Böhmerwald (bayrischer Wald).

Grohmann, S. a. B. S. 46 berichtet: Im Egerland darf man in der St. Thomasnacht nicht spinnen (21 .u. 29. 12.), sonst kommt Frau Holle und straft die Frevler. Ein junges Mädchen hatte nicht daran gedacht, ging in die Rockenstube und be­gann, obwohl sie diese leer fand, zu spinnen. Um 9 Uhr öffnete sich die Tür und herein trat Frau Holle mit ihrem Gefolge. Sie war klein und häßlich und von einer Menge mißgestalteter kleiner Wesen begleitet. Frau Holle sprach zur Magd mit furchtbarer Stimme: Du hast am Thomasabend gesponnen! und gab ihrem Gefolge ein Zeichen; das fiel über die Magd her und peitschte sie solange mit Euten, bis sie ohnmächtig zu Boden sank.

Diesem merkwürdigen Bericht — Holda auf bayrisch­pfälzischem Boden und als Seelenführerin! — kann man keinen vollen Glauben schenken. Frau Holle, die auf oberdeutschem Mundartengebiet unmöglich, ist wohl nur literarische Zutat; höchstens aus Sachsen entlehnt. Aus dem benachbarten Voigtland stammt vielleicht das Kinderseelenheer (siehe unten). Dagegen kennt man stellenweise im Egerlande die Perht; allerdings ist die Vorstellung von ihr ziemlich verarmt, die Namensform höchst auffallend. John (Sitte, Brauch u. Vgl. S. 17 f.) berichtet: ,Im Egerlande muß der Jüngste des Gesindes die übrig gebliebenen Fischgräten (vom Mahl am heiligen Abend) in den Garten tragen und unter einem Obstbaum niederlegen. Da an diesem Abend die ,Spefte' umgeht, welche Unfolgsamen die Bäuche aufschlitzt und deren Gedärme an die Gartenzäune hängt, so geschieht dies nur mit Zittern und Zagen. .Man sagt im Egerlande der ,Sperte' oder dem ,Zemba z' Essen tragn'. Wir haben demnach Perht in der Namensform Sperte (über diese siehe unten) als am heiligen Abend umziehendes däm. Wesen mit dem Motiv der Gastrotomie und Speiseopfer, fast zur Kinderscheuche verarmt. Vielleicht wurde sie auch kultlich dargestellt wie der ihr in obiger Redensart gleichgesetzte Zemba in der Karlsbad—Duppauer Gegend (John, a. a. O. S. 15), wie er überhaupt eine beliebte Gestalt ist (vgl. Schm., B. Wb. II 285). Auch die Luzia ist im Egerland bekannt. Sie wird am Luzientag als Kinderscheuche mimisch dargestellt (auch am Nikolausabend vgl. John, S. 7) und auch von ihr geht das Motiv der Gastrotomie. Spinnruhe gilt im Egerland für den Samstagsabend, die Vorabende der Losnächte, die Zwölf nachte und die Faschingsnächte (John, S. 9; die angebliche Frau Holle ist höchst verdächtig). Im bayrischen Wald und im Böhmerwald spielt ebenfalls die Luzia (Rank, BW. S. 136), die Luz, Luzi, Luzel (Schm. BW. I 1550, b. W.) eine Rolle. Rank führt sie an, wie er vom Nikolo spricht. Sie sei eine viel gefürchtete Erscheinung und soll schlimmen Kindern den Bauch aufschlitzen, Stroh und Kieselsteine statt der Gedärme hineinlegen und dann den Bauch wieder zunähen. Ihre Gestalt zeigt sich verschieden.   Rank sah selbst einmal eine mimische Darstellung von ihr: als Ziege mit überbreitetem Leintuch und durchstehenden Hörnern, von einer Art Mkolo geführt. ,Sie er­mahnte zum Beten, teilte Obst aus und drohte übler Aufführung die erwähnte Strafe.' An welchem Tag sie erscheint, sagt Rank nicht. Wahrscheinlich am Luzientag, nach Schm. allerdings am heiligen Abend. Auch Reinsberg-Düringsfeld Festkai, in Böhmen, S. 17 berichtet, daß ein mythisches Wesen, daß er natürlich ohne weiteres mit Perht-Holda identifiziert, mit dem Bohrer in der Hand erscheine und denen drohe, den Bauch aufzuschneiden, welche ihr nicht geben, um was sie bittet. Bei den Deutschen des Budweiser Kreises begnügt sie sich, die schlimmen Kinder mitzunehmen. Keine weitere Ort- und Zeitangabe. Als Spstf. wird hier Luzia nicht bezeichnet. Welche Vorstellung ihr sonst zugrunde liegen könnte, ist schwer zu sagen.

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