Oberösterreich. Nach Pritz ,Überbleibsel', S. 62, ist Perht hier kaum
bekannt. Er führt nur — fälschlich — den Glöckelbrauch und die
Bezeichnung Perchten- oder Prechtentag als Beleg für sie an. Dagegen berichtet
Vern. Alpens., S. 115, nach der mündlichen Mitteilung einer alten Frau aus Heidermoos im
Innviertel: Perht ist demnach im
oberösterreichischen Innviertel bekannt, und zwar nur als
Einzeldänion (Spstf., Kinder scheuche, Waldgespenst).
Ohne Verknüpfung mit Perht ist das
Kinderseelenheer in Hundsdorf im oberösterreichischen Mühlviertel bekannt.
Baumgarten, Pr. S.14. Anm. 7 (nach Eysen,Vk. S.159) berichtet: Wir haben hier das bekannte Motiv von dem hinter dem Heer zurückbleibenden Geist, ferner das Motiv vom geschürzten Totenhemd verbunden mit dem der Namengebung. Zur Charakteristik der Quellen möchte ich nur noch erwähnen, daß Quitzmann, Eel. d. B. S. 115, das Perntelspringen nach Linz a. D. (sie!) verlegt, statt nach Lienz i. T.
Salzburg. In Salzburg zeigt sich die Vorstellung von Perht noch allgemein im Volke verbreitet. Als Kinderseelenführerin belegt sie Zillner (bei Eysen, S. 5). Sie schwebt nach ihm als wunderschöne, holde Frau in hell leuchtendem, glänzendem Gewand durch die Luft, oft in Mitte einer Schar kleiner, nur mit einem Hemdchen bekleideter Kinder, um die sie schützend ihren blauen Mantel hält. Das meiste von dieser Darstellung ist allerdings poetische Zugabe. Volkstümlich dürfte sie ebenso erscheinen wie im benachbarten Tirol. Ob die Bezeichnung Perchtenfeuer für Elmsfeuer in Rauris hieher gehört oder erst sekundär an Perht angeknüpft ist und ursprünglich das prehenfeuer zu mhd. brehen stmn. Glanz, Schimmer war, ist fraglich. Ebenso kennt Salzburg auch Perht als Spinnstubonfrau. Sie erscheint bei heftigem Wind, dunkel und unheimlich mit verworrenem Haar und langer Nase, straft die lässigen Spinnerinnen, indem sie ihnen das nicht abgesponnene Werg um den Arm windet und an ihm abbrennt, schneidet den faulen Dirnen den Bauch auf und füllt ihn mit Kehricht, den diese in den Winkeln liegen lassen, und dient daher als Kinderscheuche (Eysen, S. 5). Die bekannten Motive: lange Nase, verwirrtes Haar, Flachsabbrennen, Gastrotomie. Auch das Blendungsmotiv wird von ihr erzählt (a. a. O. S. 7). Als Vieh schädigender Dämon erscheint Perht zu Walpurgisnacht im Flachgau. Gegen sie steckt man zwei Hölzer in Form eines Andreaskreuzes vor die Stalltüren (Freisauff, S.497). Was Freisauff über die Frau Perht (sie) S. 491 berichtet, ist aus Vera.. Alpens. 115, der die Vorstellung für Oberösterreich belegt, abgeschrieben und mit einem Spruch aus Westfalen (Kuhn I 135, II 1.74 f. bei EHM. 285) verziert, die Mitteilung S. 497 ist aus ZingL, ZfDM. III S. 205/6 übernommen, beides ohne jeden Hinweis. Da sich aber diese zwei ursprünglichen Mitteilungen auf Grenzgebiete von Salzburg beziehen, könnten immerhin ähnliche Vorstellungen im Flachgau anzutreffen sein, doch ist der erwähnte Vorgang für Freisauff als Quelle nicht gerade empfehlenswert. Das Speiseopfer ist in zweifacher Form für Salzburg bezeugt. So ist es im Pinzgau heute noch Sitte, daß am Bachlabend (Christabend) jeder Bauer mit seiner Familie und dem Gesinde das Bachlkoch (Mehlkoch mit einer Honigschichte) verzehrt, wobei jeder Hausgenosse eifrig Sorge trägt, nicht zu fehlen, da es die Perht sonst übelnehmen würde (Eysen, S. 6). (Bachl— hat, auch in Bachlboschen, mit Perhtel nichts zu tun [Schm. BW. I 271], sondern gehört zu bachen obd. für backen.) Ähnliches berichtet Muchar. aus Gastein (S. 145); dort wird am Vorabend des Drkgtages reichlich gegessen, damit, wie die Knechte sagen, der Perht das Messer abgleite, wenn sie den ihr Zuwiderhandelnden den Bauch aufschneiden will. (Gebotene Festmahlzeit, Gastrotomie.) Aber auch das sonst bekannte Hinstellen von Speisen ist in Salzburg üblich. Die Bäuerin stellt am Perhtenabend einen Teller voll Krapfen auf den Tisch oder vor das Fenster ,für die Frau Perht' und es gilt als gutes Zeichen, wenn er am Morgen geleert ist (Eysen, S. 6). Neben Tirol hat sich der Brauch des Perhtenlaufes am besten in Salzburg erhalten. Außer den Berichten in Beschreibungen des Landes und in Sagensammlungen liegt auch eine Monographie von Frau Marie Andree-Eysn vor. Noch 1796 war der Perhtenlauf in allen Orten des Pon-gaus und Pinzgaus verbreitet (s. Hübner, Beschr. v. Slzb.), heute ist er aber nur mehr auf St. Johann und Gastein, Krimnil und Zeil a. See beschränkt, und zwar nur in der Forin der schönen Perhten; die schiechen Perhten wurden 1848 vom Pflegegericht Zeil a. S. und Mittersill verboten. Frau Andree-Eysn schildert nach der Erzählung eines alten Eauriser Knappen die schiechen Perhten. Es handelt sich um nächtliche Umzüge an drei Donnerstagen des Advents. Zwölf Burschen waren die eigentlichen Perhten, eingehüllt in schwarze Schaffelle, Perhtenhauben aus Dachsfellen auf dem Kopf, vor dem Gesicht scheußliche Masken, um den Leib einen Gürtel mit Schellen. Sie waren von einem Haufen Burschen begleitet, die über ihren Kleidern leinene Hemden trugen, und einigen besonderen Masken: dem Trommler, dem Narr und der Närrin, dargestellt von einem Burschen in Weiberkleidung, und dem Quacksalber. Unter dem Gelärm der Kuhhörner, Glocken und Peitschen zog die Schar mit den Bergstöcken springend in der Nacht durch das ganze Tal. Bei auszuzeichnenden Gehöften machte der Zug halt, die Perhten sprangen herum und lärmten, wofür sie Gaben in Naturalien erhielten, aber kein Geld. Um Mitternacht löste sich der Zug auf. Zuweilen zeigte sich ein fremder, ebenso vermumter Bursch unter den Perhten, Motiv des Dreizehnten. Man hielt diese Erscheinung für den Teufel und öfters sollen solche Eindringlinge erschlagen worden sein. Wer aber mit der Teufelsmaske erschlagen wurde, dem ist ein christlicher Friedhof versagt. Daher lebt in Salzburg der Glaube, daß unter verschiedenen einzelstehenden Steinkreuzen Perhten begraben liegen. Das Erscheinen des Dämons ist daher hier wie in Tirol bekannt, doch schon in jüngerer, rationalistischer Formung. Ursprünglich handelte es sich nicht um die den Teufel spielenden Eindringlinge, die erschlagen wurden, sondern wie in Tirol glaubte man an das Erscheinen des Teufels selbst, der an die Stelle der Perht getreten ist, und die Getöteten waren jene Mitwirkenden, die der Dämon erreichte. Eine ähnliche Beziehung zwischen Perhtenlauf und übermenschlichen Mächten zeigt eine Erzählung (einer alten Frau) aus Gastein (Freisauff, S. 492): Ein Knappe betete auf den Rat eines alten Weibes 14 Tage nicht und vermochte sich darauf beim Perhtenlauf vom Brunnen aus auf ein Hausdach und in die Luft zu schwingen, wo er frei schwebend verharrte. Erst als der Geistliche mit dem Hochwürdigsten nach allen Eichtungen den Segen erteilte, stürzte er klagend herunter und starb, nachdem er die große Lust des Herumfliegens gepriesen hatte. Diese Erzählung beruht auf "der Vorstellung von der ekstatischen Verzückung beim Perhtenlauf und dem dadurch ermöglichten Überschreiten der menschlichen Grenzen. Die schönen Perhten.
Die Pongauer Perhten sind Burschen in
Landestracht mit einen eigenartigen Kopfschmuck, den Frau Andree-Eysn eingehend
beschreibt. Zur Seite haben sie je eine G'sellin, Burschen in
Weiberkleidern; in der Hand meist einen Degen (St. Johann). Ihnen folgen einige
Burschen in Teufels- und Tiermasken (Hirsch, Bär mit Treiber), während' die eigentlichen
schönen Perhten unmaskiert sind. Dann kommt die Schnabelperht mit einer Maske,
deren lange Kiefer sich auf- und zuklappen lassen, endlich alle
ländlichen Handwerker (Rauchfangkehrer, Müller, Schmiede etc.), Quacksalber,
Eastelbinder, Zigeuner, Türken, in Bartflechten Vermummte (Vegdäm.), der
Schneider mit der Scher' (Streckschere, vgl. Dr. W. Hein Mitt. d. Anth. Ges.
Wien XXX 1900, S. 71 f.). Wichtig sind die drei Lustigmacher: zwei mit Leinwandhülsen,
die sie zum Schlagen der Frauen und Mädchen benützen (Schlag mit
der Lebensrute) und einer mit einem Wickelkind aus Fetzen mit einer langen
Schnur, um es den Frauen zuzuwerfen (Fruchtbarkeitszauber).
Diese Masken ziehen am Nachmittag
unter Musik von Haus zu Haus, wo ein langsamer Tanz der Perhten stattfindet. Dafür
erhalten sie eine Belohnung. Während des Umzuges verhalten sich
die Perhten ganz still, während die Begleiter mit Schellen, Peitschen und Hörnern
lärmen.
Die Zahl der Teilnehmer betrug früher
100—300 (1796). 1902 zählte Frau Andree-Eysn in Gastein 88, darunter 16
Paare Kappenperhten.
Stattgehabt hat der Brauch in der letzten Zeit in: Gasteiner Tal, St. Johann (1869, 1902), Eadstadt, Altenmarkt, Schladming (Steierm.), Flachau (1850). Die Pinzgauer Perhten. Als Kopfschmuck dient eine mächtige Federkrone mit lang herabhängenden Bändern. Dieser leichten Bekleidung entsprechend ist auch der Tanz viel lebhafter. Er besteht aus einem Hüpfen, Springen und Stampfen, dem sogenannten Trestern; es werden aber auch Figuren aus dem Schuhplattler eingelegt. Orte: ISTeukirchen, Krimml (1880); jetzt nur: Kaprun, Zeil a. S. Was Weinholds Bemerkung (Wsp. S. 20), daß, wie in Schwaben die Perht als Nikolo umzieht, in Salzburg ,die Perchtel schien herumgeht, ein blaues Kleid trägt, mit einem Schellenkranz, tanzt und singt', soll, ist bei dem Mangel näherer Angaben nicht eruierbar.
Bayern. Hier behandle ich zuerst das von Schmeller, B. Wb. I 269 f. veröffentlichte handschriftliche Material der kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München, soweit es ohne Einsichtnahme in dieses möglich ist. Die lateinischen Handschriften. Ich berücksichtige nur diejenigen, die Perht selbst erwähnen. 1. Die älteste Hs. aus dem 13. Jh. (Zeitangaben nach dem Catalogus cod. m. scr. bibl. reg. Mon. nach Schm. Verzeichnis): Tractatus de septem vitiis Cum similitudinibus exemplis fabulis venustis ,Cum immundus spiritus exierit ab homine, ambulat per loca inaquosa'. Cod. 1. Mon. G. 528. Schm. zitiert hieraus: p. 321 (f. 321 bei Schm. I 272 ist ein Druckfehler nach schriftl. Mitt. der Bibl.-Direktion): Hodie pueri non ministrant domino, sed diabolo, prius vadunt ad choream, quam ad ecclesiam, ante sciunt cantare de domina Perchta quam dicere Ave Maria. P. 329. Sicut domina Perchta, quae cum deberet intrare cubiculum suum et orare deum in die dominica, vadit huc et illuc sicut musca ostendens vultum pictum et pulchra vesti-menta tendens laqueos ad capiendum animas invenum. P. 332. Domina Perchta in speculo suo contemplatur faciem suam. P. 332. Heinricus vel Perchta, qui cantilenam ineipiunt, diaconus et diaconissa diaboli dici possunt. P. 342, 352. Petrus et Perchta credunt quod omnibus multum placeat sua cantilena.
Zum Zitat p. 329 bemerkt Schm.: ,Also wohl hier ein Name für jedes luxuriöse Weib?', zum zweiten Zitat p. 332 ,cf. Schnitterhüpflein'. Aus diesen Zitaten ist nicht ersichtlich, ob es sich um ein dämonisches Wesen Domina Perchta oder um die Kurzform eines mit —perhta zusammengesetzten weiblichen Eigennamens handelt. Auf letzteres weist die Mehrzahl der Zitate hin. Es scheint, daß der wahrscheinlich geistliche Verfasser sich als Exemplum ein putz- und gefallsüchtiges, buhlerisches Weib namens Perchta konstruiert hat. An sich genommen bieten diese Zitate gar keinen Anhaltspunkt, an ein mythisches Wesen zu denken. Beim Zitat p. 321 wäre man allerdings versucht, an eine Anknüpfung dieser chorea und dieses cantare de Domina Perchta an kultliche Tänze etwa in der Art des Perhtenlaufes zu denken. Doch wird es sich wohl um gewöhnliche Dorftänze handeln. Auch Schm. ist wohl der Ansicht, daß es sich hier nicht um Perht handelt, und hat diese Zitate ganz abgesondert am Schluß des Artikels angeführt. 2. Ein sicheres Zeugnis aus dem 14. Jh. Aus der bibl. Alderspacensis, nach Schm. 184 f. 175. Nach dem Cat. hat aber Aid. 184 nur 75 f. Für p kann f hier nicht stehen; es dürfte sich um den jetzt Aid. 182 bezeichneten Kodex handeln, der am Rand des Cat. als Aid. 184 bezeichnet ist: Anonymi commentarius in libros Eegum. Schm. 270 zitiert: Quidam ornant menses (mensas) perchte. Deutlicher Beleg für Speiseopfer. 3. 1460 aus Benediktbeuren: Tractatus de supersti- tionibus n. 207, f. 23 b. ,Ut de Astaroth et Bericht legitus in legendis SS. Matthaei et Bartholomaei/ Astaroth sonst unbekannt. Die Tage wären: 21. September und 24. August, 25. und 26. Juni. 4. 1465 ex cenobio S. Nicolai in monte s. Andechs c. 32. Joh. Nider ord. praed. ,Formicarius'. J. Nider, gebürtig aus Isny in Schwaben, seit 1400 Dominikaner in Kolmar, studiert in Wien und Köln, 1428 Prior eines Predigerordens in Nürnberg, 1432 in Basel, stirbt 1438 (Gräße II 2, 103). Von ihm unter anderen theol. Werken auch der Formicarius, de visionibus et revelationibus libri V., eine christliche Lebenslehre, in der auch de maleficis, necromanticis, incubis et subcubis etc. gehandelt wird. Aus der genannten Hs. dieses Werkes bringt Schm. 271 aus 2. cap. III: ,Vetula dixit ad pueros suos: quod domina Perchta in curru vehatus maximo strepitu. Exploraturus quidam an nocte domina Perchta re vera comederet sibi opposita, fas-cinatus et delirus factus. Zweifellos ist hier von Perht die Rede mit den bekannten Motiven: Wagenumfahrt, Speiseopfer, Bestrafung der Belauschung. 5. 1468 Tegernseer Hs. 434, das ,Thesaurus pauperum', Schm. 2*71 zitiert: sub voce superstitio: Secundum genus superstitionis est et species idolatriae, qui de nocte apperiunt vasa poculorum et ciborum venientibus dominabus Habundiae et Satiae, quae vulgo appellat communi et usitato vocabulo fraw percht sive Perchtam, cum cohorte sua, ut omnia aperta inveniant ad cibum et at potum pertinentia et sie epulentus et postea habundantius impleant et tribuant. . . Multi credunt sacris noctibus inter natalem diem Christi et noctem epiphaniae evenire ad domos suas quosdam mulieres, quibus praeest domina Perchta . . . multi in dominibus in noctibus praedictis post coenam dimittunt panem et caseum, lac, carnes, ova, vinum et aquam et hujusmodi super mensas et coclearea, discos, ciphos, cul-tellos et similia propter visitationem Perchtae cum eohorte sua, ut eis complaceant.... ut inde sint eis propitii ad pro-speritatem domus et negotiorum rerum temporalium. Die Frage über die Beziehung der Perht zu den in Bußverordnungen und ähnlichen theologischen Werken häufig erwähnten umziehenden Weibern und deren Führerinnen: Habundia, Satia, Diana etc. ist mangels kritischer Quellenuntersuchung noch nicht spruchreif, besonders in dem Punkt, inwieweit hier literarisch überlieferter fremder oder einheimischer Volksglauben vorliegt. Hier dürfte es sich wohl um das Kinderseelenheer der Perht und nicht um eine weibliche Dämonenschar handeln. Jedenfalls ist hier das Speiseopfer für Perht belegt. Über die obige Frage vgl. Bilfinger, G. Julfest, S. 107 f., Mannh., GrM. 725, ähnliche Bräuche. Über Diana Psyche II 84, Anm. 2. Knappert 243 ff. 6. 1468, aus bibl. monast. Schirensis (B. Maria in Scheyern)
c. 123. Die Foliozahl kann Schm. nicht angeben, S.
270. ,Qui (in die nativitatis) praeparant mensam dominae Perchtae.'
Aus derselben Hs. stammt wohl der Merkzettel für
das Kloster Scheyern 1468/1469, woraus Usener Christi.
Festbrauch, S. 83 f. (bei Tille, DW. S. 49 f.) folgendes mitteilt:
,Darnach war es um Scheyern Sitte, am Christtage eine
Pflugschar im Zimmer unter den Tisch zu stecken — ja man richtete einen „Frau Perhtatisch" zu, man verstopfte die 9. XV. Jh. Cod. lat. Mon. 14.138 f. 203 b; ein Penitentiale, das die 25 ersten Kapitel des 9. Buches und das ganze 18. Buch Burckhardts von Worms enthält. Schm. 2*70: ,Tres illae sorores, quas antiqua illa posteritas et antiqua stultitia Perchtas, vocavit.' Gleich nachher : ,illae quae a vulgo Parce vocantur'. Hat der ähnliche Klang die Gleichsetzung: Perchtae = Parcae angeregt? Wahrscheinlich ein Beleg für den pluralischen Gebrauch des Namens, also: die Perhten. Zu diesen
lat. hs. Zeugnissen kommen die deutschen.
Dieselbe Frau erzählte, daß einmal, als sie
mit der Bäuerin am knepflsabjd in der Scheuer Flachs hechelte, die Hächlera
vom häistok herunterrief: täts hächly? hä-hä- hächla? Eine
Variante der Vorstellung von der Spstf.
Als richtige Spstf. zeigt sich dagegen in Eschenloh die Stämp(e). Dieselbe Gewährsfrau wie oben erzählte von ihr das Motiv der betrogenen Spstf., aber die Vorstellung ist schon geistlich gefärbt, da sie erscheint, als am Knepflsabend (Drkgabend) in der Spinnstube gesungen und getanzt wurde. Oberpfalz. Der Oberpfalz fehlt der Name Perht und die Vorstellung von der Kinderseelenführerin. Dagegen finden wir die Spinnruhe und deutliche Anklänge an die Vorstellung einer Spstf. allgemein verbreitet. Die Zeit der Spinnruhe ist hier vor allem die Fastnacht. Schönwerth I S. 416 berichtet, daß am Fastendienstag der Rocken abgesponnen sein muß, oder man rupfe lieber nicht an, als daß man die Rupfa stehen lasse. Denn wenn die Fastnacht in die Rupfa kommt, kann man nicht mehr spinnen (Neukirchen bei Furth), oder wird sie von ihr zerrissen (Lixentöfing). Hier sieht man deutlich, wie in der Redensart aus der Zeitbestimmung ein dämonisches Wesen wird. Daneben werden auch andere Strafen angedroht: wer nicht abgesponnen hat, bekommt keinen Mann (Amberg), oder die Hexen haben Gewalt (Tiefenbach bei Furth). Selbst die Spindeln muß man verstecken, denn so viele man sieht, so viel Nattern erblickt man im Sommer (Treffelstein, Tiefenbach). Aber auch für jeden Samstag gilt die Spinnruhe. In Fronau heißt es, wenn man nach Feierabend spinne oder etwas auf dem Rocken lasse, habe Unsere liebe Frau keine Ruhe und die Hexen bekämen Gewalt. Die erstgenannte ist auch sonst in der Oberpfalz bekannt: sie wandert in blauem Kleide hilfreich umher, steht bei Geburten bei und wohnt im Berge. Ein elbisches Wesen, verquickt mit Maria. Auch Druckgeister werden mit der Spinnruhe irr Verbindung gebracht. Bei Oberviechtach bei Furth kommt die Drud, wenn nicht abgesponnen ist. In Neukirchen erscheint gar der Mond als Spstf., und zwar wird von ihm das bekannte Motiv der betrogenen Spstf. erzählt (Schönwerth I 418). Auch andere Strafen werden bei Bruch der Spinnruhe am Samstag angedroht: so daß das Gesponnene nichts hält (Amberg), oder ein Galgenstrick wird. Verwandt ist die Vorstellung, daß am Samstag der Kehricht aus der Stube muß (a. a. 0. III 279), ,denn in der Nacht kommt die letztverstorbene Seele des Hauses und setzt sich hinter die Tür; daher muß es dort rein sein'. Endlich gilt die Spinnruhe auch für den Abend vor dem heiligen Sebastian (Mittwintertag 20. 1.). Bruch führt Erkrankung auf Jahresfrist herbei. Der Name der Hexenfahrt um Neuenhammer: Hullfahrt und das Schimpfwort: Hullslouder für Weiber dürfte mit Holda nichts zu tun haben, wie Schönwerth III 177, sondern zu hüllen, Hüll Kleidung, Vermummung gehören. Vgl. den fränk. Hullepöppel vermummte, dicht eingehüllte Person (Schm. II 400).
Egerland und Böhmerwald (bayrischer Wald). Grohmann, S. a. B. S. 46 berichtet: Im Egerland darf man in der St. Thomasnacht nicht spinnen (21 .u. 29. 12.), sonst kommt Frau Holle und straft die Frevler. Ein junges Mädchen hatte nicht daran gedacht, ging in die Rockenstube und begann, obwohl sie diese leer fand, zu spinnen. Um 9 Uhr öffnete sich die Tür und herein trat Frau Holle mit ihrem Gefolge. Sie war klein und häßlich und von einer Menge mißgestalteter kleiner Wesen begleitet. Frau Holle sprach zur Magd mit furchtbarer Stimme: Du hast am Thomasabend gesponnen! und gab ihrem Gefolge ein Zeichen; das fiel über die Magd her und peitschte sie solange mit Euten, bis sie ohnmächtig zu Boden sank. Diesem merkwürdigen Bericht — Holda auf bayrischpfälzischem Boden und als Seelenführerin! — kann man keinen vollen Glauben schenken. Frau Holle, die auf oberdeutschem Mundartengebiet unmöglich, ist wohl nur literarische Zutat; höchstens aus Sachsen entlehnt. Aus dem benachbarten Voigtland stammt vielleicht das Kinderseelenheer (siehe unten). Dagegen kennt man stellenweise im Egerlande die Perht; allerdings ist die Vorstellung von ihr ziemlich verarmt, die Namensform höchst auffallend. John (Sitte, Brauch u. Vgl. S. 17 f.) berichtet: ,Im Egerlande muß der Jüngste des Gesindes die übrig gebliebenen Fischgräten (vom Mahl am heiligen Abend) in den Garten tragen und unter einem Obstbaum niederlegen. Da an diesem Abend die ,Spefte' umgeht, welche Unfolgsamen die Bäuche aufschlitzt und deren Gedärme an die Gartenzäune hängt, so geschieht dies nur mit Zittern und Zagen. .Man sagt im Egerlande der ,Sperte' oder dem ,Zemba z' Essen tragn'. Wir haben demnach Perht in der Namensform Sperte (über diese siehe unten) als am heiligen Abend umziehendes däm. Wesen mit dem Motiv der Gastrotomie und Speiseopfer, fast zur Kinderscheuche verarmt. Vielleicht wurde sie auch kultlich dargestellt wie der ihr in obiger Redensart gleichgesetzte Zemba in der Karlsbad—Duppauer Gegend (John, a. a. O. S. 15), wie er überhaupt eine beliebte Gestalt ist (vgl. Schm., B. Wb. II 285). Auch die Luzia ist im Egerland bekannt. Sie wird am Luzientag als Kinderscheuche mimisch dargestellt (auch am Nikolausabend vgl. John, S. 7) und auch von ihr geht das Motiv der Gastrotomie. Spinnruhe gilt im Egerland für den Samstagsabend, die Vorabende der Losnächte, die Zwölf nachte und die Faschingsnächte (John, S. 9; die angebliche Frau Holle ist höchst verdächtig). Im bayrischen Wald und im Böhmerwald spielt ebenfalls die Luzia (Rank, BW. S. 136), die Luz, Luzi, Luzel (Schm. BW. I 1550, b. W.) eine Rolle. Rank führt sie an, wie er vom Nikolo spricht. Sie sei eine viel gefürchtete Erscheinung und soll schlimmen Kindern den Bauch aufschlitzen, Stroh und Kieselsteine statt der Gedärme hineinlegen und dann den Bauch wieder zunähen. Ihre Gestalt zeigt sich verschieden. Rank sah selbst einmal eine mimische Darstellung von ihr: als Ziege mit überbreitetem Leintuch und durchstehenden Hörnern, von einer Art Mkolo geführt. ,Sie ermahnte zum Beten, teilte Obst aus und drohte übler Aufführung die erwähnte Strafe.' An welchem Tag sie erscheint, sagt Rank nicht. Wahrscheinlich am Luzientag, nach Schm. allerdings am heiligen Abend. Auch Reinsberg-Düringsfeld Festkai, in Böhmen, S. 17 berichtet, daß ein mythisches Wesen, daß er natürlich ohne weiteres mit Perht-Holda identifiziert, mit dem Bohrer in der Hand erscheine und denen drohe, den Bauch aufzuschneiden, welche ihr nicht geben, um was sie bittet. Bei den Deutschen des Budweiser Kreises begnügt sie sich, die schlimmen Kinder mitzunehmen. Keine weitere Ort- und Zeitangabe. Als Spstf. wird hier Luzia nicht bezeichnet. Welche Vorstellung ihr sonst zugrunde liegen könnte, ist schwer zu sagen. |