Bayrisch-Franken und Grenzgebiete. Nach Schöppner Hin. 1301 soll Perht in Franken als Spstf. und Kinderscheuche bekannt sein (nach mündl. Quellen). Belegt sind mimische Darstellungen der Perht. Panzer II 184: In Holzberndorf haben sonst die jungen Leute die Eisenberta vorgestellt. Einer steckte sich in eine Kuhhaut mit den Hörnern, nahm Äpfel, Birnen und Nüsse zu sich und in die Hand einen halben Besen als Rute. Nachts zog er mit anderen Burschen von Haus zu Haus und belohnte oder bestrafte die Kinder. Einmal vermehrte sich die Schar der Umziehenden um eine Gestalt: es war die wirkliche Eisenberta. Demnach war die Eisenberta ein bekanntes mythisches Wesen. Erscheinen des Dämons. Zeit des Umzuges: Weihnachten. Auch um Bamberg und in einigen Teilen der Stadt selbst kommt vor Weihnachten die eiserne Berta und nach Weihnachten der Hel-Niclos. Die eiserne Berta wirft Nüsse, Äpfel u. dgl. zum Fenster hinein, tritt aber nicht in die Stube selbst wie Hel-Niclos (Panzer II S. 11.8). Perht ist demnach in Ober- und Mittelfranken bekannt. Unterfranken scheint sie nicht mehr zu kennen, denn schon im nahen Würzburg tritt Holda an Perhts Stelle als Weihnachtskinderscheuche.Holda ist als Holla, Hollefru, Frau Holl nach Schm. BW. I 1083 in Franken bekannt. Schöppner I n. 124 berichtet nach Döderlein Antiq. in Nordgar. Rom., S. 34 (bei J.W.Wolf, d. M. u. S. S. 578): Die gemeinen Leute halten dafür, wenn eine Weibsperson den Tag vor Weihnachten den Rocken nicht abspinne, so käme die Frau Holla und tat ihnen einen stinkenden Possen darein. Weil sie für die heidnische Diana oder Jagdgöttin gehalten wird, so gibt man auch von ihr vor, sie durchstreife das Land mit einem wilden oder wütenden Heere, bei welchem man Hunde bellen, Jagdhörner etc. höre, aber meist nur bloße Schatten sehe. Holda als Spstf., Verunreinigung, Verknüpfung mit der wilden Jagd. Als Kinder scheuche ist sie in Würzburg bekannt (Schöppner II 727, mündl.): Dort schlich die Frau Hülle oder Hullefrau in der Christnacht in den Straßen umher mit weiter Haube, weißem Mantel und einer Rute in der Hand. Böse Kinder nahm sie im Sack fort. Heute kommen vermummte Gestalten, die diese züchtigen. Eine solche Spukgestalt nennt man heute noch Hullefrau oder Hullepotz. Wird der Name jetzt als die verhüllte Frau verstanden Ähnliches war Sitte in Wertheim. Dort verkleideten sich früh am Weihnachtsabend die Mädchen in Frau Hülle (so die ortsübliche Form), indem sie ein weißes Kleid anlegten und eine Krone von Goldpapier aufsetzten. Den guten Kindern brachten sie Weihnachtsbäume, die bösen straften sie mit der Rute. Ein gerichtliches Protokoll von 1749 erwähnt einen frauen Hüllen bäum in der Gemarkung von Höhfeld, südöstlich von Wertheim (beides bei Alex. Kaufmann, ZfDM. IV S. lä). Ein fraun Hollen baum auch im Tarforster Weistum von 1592. (Chart. Max. XIII n. 417; Hocker, Stammsagen S. 115. ,Im fraw hollen bäum ahn, da stehet eine mark.' Sitzungsber. d. pliil.-hist. Kl. 171. Bd. 2. Abk. ) Ein Zentrum für Holdasagen bildet der Ort Hasloch am Main. Das Material gesammelt von A. Fries, ZfDM. I S. 23 f. I. Am unteren
Berg bei Hasloch zeigt sich oft Frau Hulli — so bei den Bauern der Umgebung (eine Deminutiv Besonders ungehalten ist sie, wenn der Hocken Samstag abends nicht völlig abgesponnen ist. Dann kommt sie und verwirrt nachts Rocken und Garn. Faule Mägde, die über Weihnachten ihren Hocken stehen lassen, haben das ganze Jahr nur Unglück, besonders verwirrt sich ihnen das Garn. Alten schwachen Frauen ist sie vor allem geneigt. II. (S. 24 f.) Am Fuß des unteren Berges nahe am Mainufer liegt ein flacher Stein, der Frauhullistein. Hier ruhte Frau Hulli aus, wenn sie ermüdeten Mädchen die Grasoder Holzlast getragen. Von den Kötzenstellen (Füße des Korbes) sieht man heute noch die Löcher im Stein. III. Nahe dabei, in einem Mainarm, ist Frau Hullis Badeplatz. Allein oder mit zwei gleich schönen Frauen badet sie hier vor Tagesanbruch oder zu Mittag zwischen 11 und 12 Uhr. Noch ein 1838 hochbetagt gestorbener Schäfer will sie belauscht haben. IV. (S. 25.) Eine alte Frau aus
Hasloch, Klara Behringer, berichtete
Fries selbst, wie sie einmal im Walde Frau Hulli gesehen,
deren Ansinnen, ihr den schweren Korb zu tragen,
abgewiesen habe, wobei sie sie eine Hexe schalt. Dafür wurde sie von
ihr so verblendet, daß sie durch Dorn und Gestrüpp
herumkroch und erst auf den Anruf der Ihrigen, die sie hoch oben
umher steigen sahen, erwachte. Frau Hulli sitzt während der Rebenblüte im Mondschein auf dem Felsen oberhalb des Kartäuserweinberges. VII. (S. 28.) Bisweilen sieht man auch Frau Hülle durchs Gebirge ziehen auf ihrem prächtigen Schimmel, dessen Gezäum und Satteldecke mit silbernen Eollen und Glöckchen besetzt ist. Er schwebt über dem Waldesboden, manchmal hoch in der Luft über Berg und Tal. Wenn man das Geläute hört, sagt man: Horch, der Rollegaul zieht um. 1816 soll ihn ein russischer Geistlicher in seine Heimat gezaubert haben. Holda ist demnach als Vegdäm. und Spstf. bekannt. Motive: Bad, Loreley, Arbeitshilfe, irreführend und heimgeleitend, Steinabdruck, Umzug zu Pferd, Garnverwirren. Von Hasloch setzen sich die Holdasagen im Spessart fort. Sie sind von Herrlein gesammelt. Doch konnte ich in dieses Werk nicht Einsicht nehmen. Nach der Mannh., GM. S. 263 zitierten Stelle erscheint sie ebenfalls als Waldfrau. Auch im Rhöngebirge ist sie bekannt (Henne am Ehyn, Vs. S. 410; bei Knappert 160). Dort darf streckenweise am Samstag der Hulla keine Arbeit verrichtet werden. Sie beschmutzt die Spinnrocken, die am Sonn- oder Frau Hollen-(sic!) abend nicht abgesponnen sind (ebd. S. 416 n. 837).
Hessen. Mit Hessen betreten wir das Stammland der Mythologie des
Volksglaubens. Aus diesem Lande vor allem hatten die Brüder
Grimm ihr Material, das sie in der KHM. und DS. verarbeiteten, und hier wird
auch J. Grimm auf Holda aufmerksam geworden sein. Denn der Glaube an ein mythisches
Wesen dieses Namens war zu seiner Zeit noch ganz lebendig.
Hier hat wahrscheinlich die
Vorstellung ihre Heimat, die der bekannten Stelle bei Burchardt von
Worms zu Grunde liegt. (,Erat igitur Burchardus in provincia Hassia genitus, parentibus
secundum seculi dignitatem non infirmis/ Vita B. ep. c. I bei Pertz IV, fol. 832.) Über dieses
Zeugnis handelt Fried. Kauffmann PBB. XVIII in einem Aufsatze über die dea
Hludana, S. 146 ff. Das 19. Buch der Decreta, von Burchard selbst
,Corrector' betitelt, faßt das in den vorausgehenden Büchern
behandelte Material in der Form von Frage und Antwort kurz zusammen. Man begegnet
daher vielfach fast wörtlichen Wiederholungen. In diesen Fragen sind nun die
deutschen Bezeichnungen des besprochenen Aberglaubens und seiner
Wesen in der Form: quod vulgus . . . vocat eingestreut.
In Gap. 5 der lib. 19 LX (nach Wasser schieben
,Bußordnungen der abendländischen Kirche' 624ff.) sagt Burchard: Credidisti, ut
aliqua femina sit, que hoc facere possit, quod quedam a diabolo
decepte se affirment necessario et ex pre-cepto facere debere id est cum
demonum turba in similitudi-nem mulierum transformata quam vulgaris
stultitia holdam
voca(n)t
certis noctibus equitare debere super quasdam bestias et in eorum se
consortium annumeratam esse? es
kamen auch zu diesem heer Die Situation ist die folgende: Von einem Berg
bei Grimmental geht das Gerücht, daß er gebären wolle. Es sammelt sich
ein großes Heer, meist von Bauern. Unter den heranziehenden Truppen
sind auch die genannten Frauen. Interessant ist die Lesart zu v. 96: Uns
liebe frawe hatt sie ausgesandt.
Ein weiteres historisches Zeugnis liegt vor in
den Hexenprozeßakten von 1630 aus dem Besitze des Fürsten zu Ysenburg
in Büdingen, die Dr. W. Crecelius, ZfDM. I S. 272 ff.,
veröffentlicht hat. Ein der Zauberei beschuldigter Calbacher namens Diel
Breule sagte aus: er sei, nachdem ihm Weib und Kind gestorben, einmal
eingeschlafen und habe sich beim Erwachen im Venusberg befunden. Hier: hette er mancherlei
sachen und daß fraw Holt (an anderen Stellen Holl) einen kessel mit
wasser ubergehengt und sonsten gesehen, daß etzliche im feuer gesessen. (Dazu
vgl. die Aussage einer Frau in Bludenz 1525 vor Gericht Germ. II 437 f.
,In den Frohnfasten richte das Volk ein Ding an wie ein Kessel, es sei aber
kein Kessel, sondern ein Feuer, darin werfe man die, so selbiges Jahr
in dem Kirchspiel sterben müßten/ Es handelt sich um ein nachts umfahrendes
Seelenheer mit Frau
Selga, der Schwester der Frau Venus, als Führerin, vgl. Sph. II 352/3.)
Andere sitzen um den Tisch, Speise und Wein sei vorhanden, aber
kein Brot. Es ginge nichts Böses vor. Dann ganz unvermittelt: fraw Holt die
führ voranen in den berg, deren folgten leut, die man aber nicht kennen kont; denn es
zeigte sich nur ein Schein, auch Vieh und Pferde mit Locken. Mit einem
Pfarrer im Berge rede Frau Holt. Auf Befragen was, antwortete der
Angeklagte, man höre nur den Schall. Frau Holt verbinde und wasche die
leut, so lam und mangel an schenkein hetten. Auch das sexuelle Moment, das bei der Venusbergvorstellung eine große Rolle spielt, ist angedeutet, aber in oben angegebener Tendenz abgeschwächt. Das Motiv des hohlen Rückens ist von Wichtigkeit. Es findet sich auch sonst bei elbischen Vegetationswesen, so auch bei den norw. Huldren. Dieser echt volkstümliche Zug läßt es als wahrscheinlich erscheinen, daß wir es hier tatsächlich um Elemente lebendigen Volksglaubens zu tun haben, wenn auch unklar und getrübt. Als erwiesen können wir annehmen: fraw Holt oder Holl, umziehendes myth. Wesen, in Verbindung mit dem Venusberg, Motiv des hohlen Rückens, bedeutsame Zeiten: Neujahr und die vier Fronfasten. Zeit des Beleges: 1630. Ein nur 50 Jahre jüngeres Zeugnis
führt uns zum Zentrum des hessischen Holdaglaubens, zum Meißner oder Weißner, der
allerdings schon im frk.-sächs. Grenzland liegt. Der 780 m hohe Berg erhebt
sich südöstlich von Kassel zwischen Werra und Fulda. Hier greift das sächs.
Gebiet vielfach über die Werra hinüber und bei dem Mangel genauer Ortsangaben in
den Sammlungen (auch bei Grimm) ist es unmöglich, frk. und sächs. gut zu
scheiden. Es ist dies übrigens überflüssig, da in den Grenzgebieten
ohnedies die Vorstellungen ineinander verfließen, in unserem Falle
außerdem Holda in beiden Gebieten bekannt ist. Ich führe daher alle Meißnersagen
nach dem Muster Grimms hier an.
Das erwähnte Zeugnis ist Zeilerus
,Epistolische Schatzkammer', Ausg. v. 1683, S. 622 f. (Nach Lyncker, S. 18; Gr.
D. S. S. 8; Zeiler Sendschreiben II 533, 695;
Prätorius Weltbeschr. I 476): In dem Eschweger oder Bilsteiner Amt
liegt an dem Weißnerberg ein großer Pfuhl oder See, welcher mehrstenteils trüb
ist, wird Frau Höllenbad genannt, weil der Alten Bericht nach ein
Gespenst in Gestalt eines Weibsbildes in der Mittagsstunde sich darinnen
badend habe sehen lassen und hernach wieder verschwunden seyn solle, auch
außer denen viele Gespenster an diesem Berge umb die Moraste sich haben
vernehmen lassen, auch zuweilen Reisende und Jäger verführet und beschädiget
haben sollen. Daß es sich um eine gelehrte Umdeutung des Namens
handelt, zeigt der heutige Warne: Frau Hollen Teich. Von diesem und Frau
Holle selbst berichten die Brüder Grimm, DS. S. 6 n. 4 nach Schaub
,Beschr. d. Meißner s', Cassel 1794, 8 S. 12—14; Münchhausen ,Abh. über d. M/
Hess. Denkw. II ÜG1—202: Von dieser Holle erzählt das Volk mancherlei Gutes und
Böses. Weiber, die zu ihr in den Brunnen steigen, macht sie gesund und
fruchtbar; die neugeborenen Kinder stammen aus ihren Brunnen und sie trägt sie
hervor. Blumen, Obst, Kuchen, das sie unten im Teiche hat, und was in ihrem unvergleichlichen
Garten wächst, teilt sie denen aus, die ihr zu gefallen wissen.
Sie ist sehr ordentlich und hält auf guten Haushalt. Wenn es bei den Menschen
schneit, klopft sie ihre Betten aus, davon die Flocken in die Luft
fliegen. Faule Spinnerinnen straft sie, indem sie ihnen den Rocken
besudelt, das Garn verwirrt oder den Flachs anzündet. Fleißigen schenkt sie
Spindeln und spinnt selbst für sie über Wacht. Faulenzerinnen zieht
sie die Decke ab und legt sie nackend aufs Steinpflaster, wogegen fleißige
Mägde, die schon frühmorgens Wasser zur Küche tragen, im Eimer Silbergroschen finden. Gern
zieht sie Kinder in ihren Teich; die guten macht sie zu
Glückskindern, die bösen zu Wechselbälgen. Jährlich geht sie in
dem Land umher und verleiht den Äckern Fruchtbarkeit, aber sie fährt auch an
der Spitze des wilden Heeres durch den Wald und erschreckt die Leute. Bald
zeigt sie sich als schöne, weiße Frau in der Mitte des Teiches, bald ist sie
unsichtbar und man hört aus der Tiefe Glockengeläute und finsteres
Rauschen. Diese Mitteilungen ergänzt Lyncker (1854), S. 15—18 nach Schminck Zsch. d. V. f. hess. Gesch. IV 103 aus mündl. Quelle: Die unartigen Kinder straft sie mit der Rute, wenn sie zu Weihnachten kommt, den gehorsamen bringt sie Spielzeug, Äpfel u. ähnl. Wenn es am Weißner nebelt, besonders wenn einzelne Wolken daran hinziehen, hat Frau Holle ihr Feuer im Berg. Oft erscheint sie auch als tückisch und neckend, indem sie den Menschen, besonders den Weibern das Haar verwirrt; daher heißen die mit verworrenem Haar Hollerkopf und die Leute sagen: Dein Haar ist hollerich oder verhollert. Einen Stein am Weißner soll Frau Holle auf dem Daumen hergetragen haben (S. 18), einen Felsblock auf einem Berggipfel zwischen Eschwege und Eeichensachsen schüttete sie aus ihrem Schuh, weil er sie drückte. Das sind die Sagen des Meißner-Gebietes über Frau Holle. Sie erscheint demnach: 1. als Brunnenfrau. Motive: Gesundbrunnen, Generationszauber, Kinderbrunnen, Unterirdischer Garten und Geschenke daraus, Mittagsbad, Glockenklang und Rauschen, Kinderraub, Glückskind und Wechselbalg; 2. als Spinnstubenfrau. Motive: Spindelgeschenk, Spinnhilfe, Geldgeschenk, Besudelung, Verwirrung, auch des Haares, Anzünden des Spinngerätes, Entblößung; 3. in Bezug zum Wetter. Motive: Bettausschütten, Nebelfeuer; 4. mit der wilden Jagd; 5. in Beziehung zur Vegetation: segnender Flurumgang; 6. als Riesin. Motiv des fallen gelassenen Findlings; 7. in mimischer Darstellung als Kinderscheuche zur Weihnachtszeit. Aus Hessen stammt auch die eine Variante des
berühmten Märchen von Frau Holle. Gr. K. H. M. I, 8, S. 133 ff. n. 24. Eine
genaue Wiedergabe ist bei der Bekanntheit überflüssig. Grimm bemerkt
III, 3, S. 40 ff. zu diesem Märchen: aus Hessen und
Westfalen. Offenbar im allgemeinen gleichlautende Texte, da er sie sonst
gesondert hätte. Die hessischen Märchen sind von den Brüdern Grimm unmittelbar
aus mündlicher Überlieferung aufgenommen, die westfälischen Beiträge stammen von der Familie Haxthausen (vgl. Hamann, S. 12; auchn.
24).
Wie schon erwähnt, dürften die
beiden.Varianten in der Textierung ziemlich übereinstimmen, wir müssen daher in
beiden
Frau Holle als handelnde Person annehmen.
Aus Gießen an der Nassauer Grenze bringt GM. III 87 die Redensart: die Holl kommt ohne weitere Bemerkung. Aus der Gegend von Fulda berichtet J. W. Wolf, II. Sg. S. 10 n. 12 nach Schwarz Buchenblätter II 91: Bei Fulda im Walde liegt ein Stein, in dem man Furchen sieht. Da hat Frau Holl über ihren Mann so bittere Tränen geweint, daß der harte Stein davon erweichte. Motiv der klagenden Waldfrau. Eine Variante bei Schwarz I S. 117: ein Mädchen verlangt für ihre Huld, daß der Jüngling den Stein aus dem Walde vor ihre Hütte schaffe. Er versucht es, schafft sich aber dabei zu Tode. Hier heißt der Stein vom Rollen Fraurollstein. Das ist wohl ätiologisch, vielleicht kennt man hier auch die Namensform Frau Roll. Wolfs Bemerkungen S. XII u. S. 182 über Identität dieser weinenden Holl mit Freyja-Frowwa sind falsch. Neben Holl, Holle als Name eines mythischen Wesens kommt dieses Wort in Hessen auch als Benennung eibischer Gestalten in Mehrzahl vor: die Hollen. Über solche berichtet Wolf a. a. 0. S. 52 u. 81 aus mündl. Quelle: Die Hollen waren kleine Berggeister, die in den Klugstein unweit Obernburg, am Main östlich von Darmstadt, schon in Bayern, ihren Wohnsitz hatten. Sie entfernten sich erst von dort, als sich die Gegend mehr und mehr bevölkerte und sie durch den Bergbau gestört wurden. Böse Menschen hatten viel von ihnen zu leiden, gegen gute aber waren sie wohltätig und gefällig. Die Spinnerinnen hatten sich stets zu beeilen, ihren Rocken abzuspinnen, sonst kamen die Hollen hinein und verwuschelten alles. Wenn man an manchen Tagen an dem weißen Berg vorüberging, konnte man an den Felsritzen den Dampf ihrer Pfannkuchen riechen. Wie man sieht, zeigen die Hollen ganz die Züge der Zwerge. Alle Motive, die oben erzählt wurden, gehören dem Vorstellungskreis der Zwerge an bis auf das Motiv der Rockenverwirrung, das von der Spstf. erzählt wird. Dieser Beleg ist durch seine Lokalisation auffallend, da er in dieser Gegend singulär ist. Dagegen schließen sich die guten Hollen zwischen Wolfhagen und Volkmarsen, nordwestlich von Kassel (Lyncker, S. 54) an die waldeckschen Hollen an. Es sind kleine Leute mit dickem Kopf in unterirdischen Wohnungen, gutmütig, aber rachsüchtig; sie stehlen Ähren und Kinder usf. Von einer Verwandtschaft mit Holda ist bei diesen nichts zu merken. Das Gebiet ist übrigens schon niedersächsisch. Wir haben also in
Hessen:
Auch in der ehemaligen gefürsteten Grafschaft Henneberg (Schleusingen, Schmalkalden, Ilmenau, Ostheim, Meiningen etc.) ist Holda bekannt. Sie ist ein Phantom, mit dem man Kinder scheucht (Id. I S. 68). Von ihr heißt es: die fra Holln schütelt ör bett, wenn es schneit. D. Ma. II S. 48.. Id. II s. v.: die Holle Frau schüttet ihr Bett aus, wenn es schneyt. Spieß, Volkstüml. aus dem frk. Hbg., berichtet nichts von ihr.
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