Nassau.

 In Nassau bildet der Westerwald ein Erhaltungsgebiet alter Volksvorstellungen. Schmidt Id. s. v. und Kehrein S. 279 führen einige Redensarten von dort an, die die Bekanntschaft mit Holda belegen. So heißt es, wie auch im benachbarten Hessen, wenn es schneit: Frau Holle macht ihr Bett (zu Hausen, Amt Wehren; ferner mött de Holle fahren, d. i. eine Hexenfahrt machen, nachtwandeln.Hollezopf nennt man Haare, die so verworren sind, daß sie ordentliche Knöpfe bilden, und ähnliche Bildungen auf Bäumen. Derartiges schreibt man sonst dem Druckgeist zu. Vgl. den Ausdruck Märenzopf, —locke, dän. marelok, engl. elflocks, Wichtelzopf u. ä. Mannh. GM. 261, 715; Falk-Torp Dän. Wb. 698 u. 697.Am obern Westerwald kennt man die Hollen (K. S. 102). Zu einer Frau, die am letzten Donnerstag vor dem heiligen Christfest spät abends spann, kam eine Holle und brachte ihr zwölf leere Spulen zu bespinnen. Sie betrog diese aber auf die bekannte Weise. Dieser Abend heißt (angeblich daher) Hollenabend und an ihm herrscht Spinnruhe. Wir haben demnach in Nassau:1.    Frau Holle. Redensart der Holdenfahrt. Bettfedernschneien, Alpzopf.2.    Die Hollen; als Spstf. für den Hollenabend (letzten Donnerstag vor Whn.). Motiv der betrogenen Spstf.  

 

Linksrheinisches Franken.  

Am linken Ufer des Rheins ist Holda auf md. Gebiet vor allem im Mosellande bezeugt. N. Hocker in Trier berichtet ZfDM. I S. 194: Bei Hermeskeil sitzt Frau Holl im Berge und spinnt. In Dillingen heißt es, Frau Holl wohne in neugebauten Häusern, welche noch nicht gesegnet sind. Sie neckt gern die Kinder und macht sie fallen. Sie heißt Frau Holl, sagen die Leute, weil sie die Kinder hole. Hier scheint sie zu einem Zwischending zwischen Hauskobold und Dorfgespenst geworden zu sein.  Für letzteres ist das Necken von Kindern charakteristisch. Sie wurde deshalb auch zur Kinder scheuche, womit die Ausdeutung ihres Namens übereinstimmt. In der Eifel, wo nur die Sagensammlung von Pfarrer J. H. Schmitz vorliegt, ist Holda unbekannt. Zweimal ist der Name: die Unholde belegt für Menschen neckende und irreführende elbische Geister (Tommen und Teufelsplotz, S. 9 u. 28). Die Frau der Altburg, die Samen trocknet, welche zu Goldstücken werden, hat keinen Namen (S. 9).

In Luxemburg soll Holda nach Gredt Lbg. Sagenschatz S. 52 als Königin einer Wichtelfamilie, also als Eibin bekannt sein. Leider lag mir die Sammlung nicht vor. Das Lxbg. Wörterbuch führt sie nicht an, obwohl Eigennamen aufgenommen sind, stellt aber den Ortsnamen Huldang (1) Huldingen zu Huldana-Holda (! S. 189). Aus Köln sind spät­mittelalterliche Belege für die Holden bekannt. So bringt Pfeiffer in seinen Beiträgen zur Köln. Ma. im 15. Jh. D. Ma. II 438 die Glossen: guthoulde m. Hausgeist. Theu-tonist 113 a: guede holden, witt vrouwen, belevitten penates. In einem wahrscheinlich in Köln um 1470 gedruckten ,Tractat über die 10 Gebote' (S. Geffcken, S. 168) wird fol. 2 b von den Leuten gesprochen: die geloeuen hebben in den gueden holden offte witten vrouwen, nachtmaren, neckers, wlen, kijten, rauens, krochen ende andere spocken. In der köln. Erzählung D. Ma. I 158 f. von den Wildsälden wird statt Ws. auch der Ausdruck Nachthulden und Nachtfahren gebraucht (Sph. II 354). Hier ist es fraglich, ob es sich nicht um mhd. holde Freundin handelt, da es nächtliche Buhlgeister sind.  

 

Oberungarn und Siebenbürgen.  

Eheinischen, fränkischen Ursprungs ist bekanntlich der Großteil der deutschen Bevölkerung Siebenbürgens und der Zipser Bergstädte. Aus letzterem Gebiete" berichtet Schröer Nachtrag zum Wb. d. dsch. Ma. d. ung. Berglandes, S. 275:Holde, frä Holde: Frau Holda. Was am Weihnachtsabend von der Mohnspeise (kränhapel Krähenhäuptlein kro Krähe Aachener Ma. 130) in der Schüssel bleibt, während dem man zur Mette in die Kirche geht, nennt man: Frä Holden Teil. Wenn man aus der Kirche  zurückkommt, setzt man sich wieder zur Schüssel und sagt: Nun wollen wir mit Frau Holden essen.

Der Beleg ist trotz der Isoliertheit der Anknüpfung des Speiseopfers an Holda bei der Bestimmtheit, mit dem ihn Schröer bringt, kaum anzuzweifeln. Sonst sind Speiseopfer für Holda nirgends belegt und man muß hier Erhaltung eines sonst geschwundenen Brauches oder Sonderentwicklung annehmen, vielleicht beeinflußt vom nächstgelegenen bayrisch-deutschen Sprachgebiet. Die Frä Holde wurde jedenfalls aus der Heimat mitgebracht. Da die Besiedlung der Zips durch Deutsche c. 1142—1242 stattfand (1248 Bruderschaftsbund der Pfarrer von 24 Zipser Städten, 1271 Einführung des sächsischen Rechtes), wäre Holda möglicherweise für das Rheinland spätestens vor 1240 belegt.Auch in Siebenbürgen sind Spuren von Holda zu finden. Ein Graben beim sächsischen Dorfe Nadesch bei Schackburg im früheren Kokelburger Komitat heißt fraholtegrowen (Müller, S. 26 n. 38). Bei Kleinscheuern gibt es einen Hulde gräwen, bei Zuckmantel einen Frä Holtegruowen (Schuster 404 f., alles andere gehört nicht her). Die Namensform ist wegen des t auffallend, doch dürfte es sich jedenfalls um Holda handeln. Sonst ist sie unbekannt (Müller 355 An.).Dagegen kennt man die Spinnruhe in den Zwölften in Stolzenburg und Schaas (Haltrich, S. 282) und am Samstagabend, manchmal am ganzen Samstag (ebd. 289).Auf Spinnruhe in den Zwölften weist auch der Brauch in Großschenk. Am Freitag vor Weihnachten wird das Spinnen von den Mädchen beschlossen, da die Knechte sonst alle Eocken und Spindeln zerbrechen, weshalb die Mägde nur altes Gerät in die Kockenstube mitbringen. Dafür wird mancherlei Possen getrieben (Müller, S. 366). Nach Schuster, Archiv X S. 142 geschieht dies am 23. 12. und der Abend heißt der Geinzelavend.Holda ist demnach wahrscheinlich als Vegdäm. bekannt. Die Zeit der Einwanderung setzt Bekanntschaft mit Holda in der Heimat spätestens vor c. 1224 voraus. Natürlich geschah die Einwanderung nicht plötzlich, Nachwanderungen fanden noch zur Zeit Maria Theresiens statt, aber meist aus Süddeutschland. Die genannte Zahl ist der Abschluß des großen Besiedelungswerkes durch rheinische Franken. Zwingend ist allerdings diese Terminsetzung für Holda in der Heimat nicht.

 

Fürstentum Waldeck. 

 In Waldeck kennt man sowohl eine einzelne Frau Holle als auch das Volk der Hollen.Frau Holle gilt in Bergheim als Spstf., die am Christabend den Wocken wegnimmt, wenn er nicht abgesponnen ist (Curtze, S. 196). In Münden geht die Redensart, wenn es schneit, schüttle Frau Holle ihr Bett (ebd. n. 17). Nach Müller, Altdsch. Eel. S. 19, 21 schreibt man hier auch Frau Holle das Vertauschen ungetaufter, ohne Licht in der Stube liegender Kinder gegen Wechselbälge zu (0., S. 370). Offenbar von den Hollen übertragen.

Die Vorstellung von diesen ist nicht einheitlich. So denkt man sich in Usseln die Hollenweiber groß. Sie wohnen im Hollenstein in der Suder, leihen von Menschen Bottiche zum Brauen aus und gehen Verbindungen mit Menschen ein. Auch das Motiv vom langen Haar der Eibin wird mit ihnen verknüpft (C, S. 218 n. 41). In Alraff, Lütersheim, Volkmarsen, Flechtdorf und Twiste sind die Hollen kleine Leute, die sich unsichtbar machen können, in Hollensteinen wohnen und von welchen man die üblichen Motive der Zwergsagen erzählt: sie backen, wozu sie sich Geräte ausleihen, schenken auf scherzhaftes Verlangen tatsächlich Kuchen, verderben unsichtbar Erbsenfelder, rauben mit Vorliebe Kinder und vertauschen sie mit ihren eigenen, weshalb geistesschwache, aber gutmütige Kinder in Twiste gute Hollen heißen. (Vgl. dazu GM. 259 Elbentrötsch für Geistesschwache, ellevild ausgelassen dän. mhd. Alp Tor, Narr, alb. Mensch, mnd. elvisch geisteskrank, engl. dial. elfin Falk Torp Wb. 23. Mannh. GM. 715.) Sie kommen oft in die Häuser, lassen sich aber durch vorgespiegelte Zauberhandlungen leicht vertreiben u. ähnl. (C. n. 42—48). Interessant ist folgender Brauch: Wenn kleine Kinder kränkeln, müssen die Eltern Wolle und Brot in einen Wacholderbusch einer anderen Feldflur bringen und dabei sprechen: ,Ihr Hollen und Hollinnen, hier bring ich euch was zu spinnen und was zu essen. Ihr sollt spinnen und essen und meines Kindes vergessen/   Man dachte sich also die Hollen auch als krankheitserregende Vegetationsgeister. Der Brauch, solche Wesen vom Menschen dadurch abzulenken, daß man ihnen etwas anderes zur Beschäftigung und ein Speiseopfer gibt, ist auch sonst belegt (C, S. 373 n. 15). Eine ganz ähnliche Formel: Weichet ihr Geister und —innen, weichet, ihr Gilbert und —innen etc. bringt Curtze, S. 423.

 

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